Der Schweizer Franken zeigt sich weiterhin von seiner schwächeren Seite und steht zur amerikanischen Valuta bei 0,8132 Franken. Das entspricht dem höchsten Stand seit dem 20. Juni des vergangenen Jahres. Und auch gegenüber dem Euro lässt der Franken Federn. Die europäische Einheitswährung notiert mit 0,9282 Franken auf einem Sieben-Monats-Hoch.
Hintergrund für den schwachen Franken ist das globale Investitionsumfeld, welches sich durch eine weiterhin relativ hohe Risikobereitschaft auszeichnet, obwohl steigende Energiepreise die Zinsen auf neue Höchststände treiben, meint Chris Turner, Devisenstratege von ING Bank in London.
Ebenso ist die Renditedifferenz zum Dollar und Euro in der letzten Woche erneut angestiegen, obwohl sich die Rendite der zehnjährigen Bundesobligationen auf 0,49 Prozent weiter verteuert hatte. Die Renditedifferenz zu den zehnjährigen US-Treasuries steht bei 3,2 Prozent und die zu den deutschen Bundesanleihen bei 2,72 Prozent. Marktteilnehmer bezifferten in der jüngeren Vergangenheit eine Renditedifferenz zwischen der Schweiz und Deutschland mit 2,6 Prozent als maximalen Spread.
Bezüglich Risikobereitschaft fügt der ING-Experte zu seiner Annahme an, dass der Boom bei KI-Investitionen die Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Erträge weiterhin erfüllen dürfte. Diese These bleibe vorerst bestehen, und die Veröffentlichung der Ergebnisse des zweiten Quartals durch Alphabet nach Börsenschluss am Mittwoch werde neue Erkenntnisse liefern.
Die ruhige Sommerzeit an den Märkten scheint dem Franken nicht gut zu bekommen. Anlegerinnen und Anleger bevorzugen weiterhin Währungen, die Rendite böten und gleichzeitig einen gewissen Schutz vor weiter steigenden Energiepreisen gewährleisten, sollte sich der Konflikt am Golf ausweiten, so der SG-Devisenexperte weiter.
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Die US-Valuta und die norwegische Krone bleiben für die ING die bevorzugten Währungen, während defensive Niedrigzinswährungen wie der Yen und der Schweizer Franken im Angebot seien.
Der Dollar zum Franken könnte in den kommenden Sommermonaten an Beliebtheit gewinnen, da die Schweizerische Nationalbank (SNB) kaum mit Interventionen am Devisenmarkt überraschen dürfte, um den Franken zu stärken. Vielmehr dürfte die SNB den schwächeren Schweizer Franken sogar begrüssen, meint Turner von ING in einer Kundennotiz weiter.
Die Schweizer Währungshüter dürften eine der letzten Zentralbanken sein, die die Zinsen anheben. Höhere Energiepreise und generell höhere Zinsen führten zu grösseren Zinsdifferenzen gegenüber den Schweizer Zinsen, so die Argumentation des ING-Strategen.
Für den Franken könnte es gar noch schlimmer kommen. «Sollten die Energiepreise weiter steigen, könnte der Dollar nach einem Durchbruch des Widerstands bei 0,8150 bis 0,8170 Franken einen starken Aufwärtstrend verzeichnen», so Turner von ING.

