Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Wochen der Marke von 4000 Dollar je Feinunze immer weiter angenähert. Der Verlust seit dem Rekordhoch bei 5500 Dollar von Ende Januar beträgt mittlerweile 27 Prozent.

Die jüngsten Abwärtsbewegungen des gelben Edelmetalls gehen vom Krieg im Nahen Osten aus. Zwar sprechen Konflikte von weltpolitischem Ausmass für höhere Goldpreise. Im Falle des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran überwiegt jedoch der Druck auf die Energiepreise und die damit einhergehende Aussicht auf weiterhin erhöhte Inflationsraten von über 2 Prozent. Solche sprechen für eine straffere Geldpolitik der weltweit führenden Notenbanken und damit für höhere Zinsen: «Die Fed duldet keine ⁠dauerhaft erhöhte Inflation», erklärte Kevin Warsh, Chef der amerikanischen Notenbank Fed, denn auch, als er am Dienstag im US-Kongress sprach. Höhere Zinsen setzen den Goldpreis unter Druck, weil das Edelmetall keine Zinserträge abwirft und deshalb gegenüber anderen Anlageklassen wie Anleihen an Attraktivität verliert.

Vom aktuellen Niveau bei rund 4000 Dollar kann die Reise für den Geldpreis durchaus noch weiter südwärts gehen. Jeffrey Christian von der CPM Group nennt 3800 Dollar als Marke, welche das Edelmetall in den kommenden Monaten testen dürfte. Der Marktexperte macht eine teils technisch, teils fundamental getriebene Bärenstimmung unter den Edelmetallinvestoren aus. In verschiedenen Teilen der Welt seien Investoren dabei, ihre Long-Positionen und damit ihre Erwartung steigender Goldnotierungen zurückzufahren. Ein anscheinend unterschätzter Faktor habe sich in manchen Schwellenländern, zum Beispiel Indien, aufgebaut. Viele Goldbesitzer würden die im historischen Vergleich noch immer hohe Notierung zu Verkäufen und so zur Geldbeschaffung nutzen. «Sie brauchen das Geld, angesichts der dortigen wirtschaftlichen Zwänge», so Christian.

Der Edelmetallexperte sieht auch, dass Investoren Gold verkaufen, das sie zuvor in Erwartung einer gedämpften US-Wirtschaft gekauft hatten. Da sich die Konjunktur in den USA als überraschend resilient erwiesen habe, seien Goldbestände wieder zurückgefahren.

Entscheidend wird nun sein, ob Gold die 4000-Dollar-Schwelle hält oder diese doch preisgibt. «Ein nachhaltiger Durchbruch unter die psychologisch wichtige Marke von 4000 US-Dollar könnte die bärische Dynamik verstärken», sagt Li Xing Gan, Strategin beim Brokerhaus Exness gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. So ist es nicht ausgeschlossen, dass das Prognose von 3800 Dollar je Feinunze Gold effektiv eintritt. Dies wäre der tiefste Stand des Edelmetalls seit vergangenem September.

Reto Zanettin
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