Die Aktien von DocMorris verlieren innert Wochenfrist fast 20 Prozent an Wert und erreichten am Montag ein neues Allzeittief von 4,01 Franken. Am Dienstag trat eine Stabilisierung ein und der Titel notiert am frühen Nachmittag 4,0 Prozent höher bei 4,17 Franken. 

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) findet im Vorfeld der Zahlenpräsentation klare Worte, wie die Onlineapotheke das schlingernde Schiff herumreissen kann. Damit DocMorris den Break-Even für die Gruppe für das geschätzte Gesamtjahr 2027 erreiche, müsste mit dem elektronischen Rezept Rx pro Quartal ein Umsatz von über 100 Millionen Franken bei anhaltend gutem OTC-Wachstum erreicht werden. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2025 erzielte das Unternehmen aus Frauenfeld mit dem E-Rezept einen Umsatz von 64 Millionen Franken und der Konkurrent Redcare einen Umsatz von 155 Millionen Franken. 

Der ZKB-Experte Gian Marco Werro sieht als zweiten Ausweg, das Marketing massiv effizienter zu gestalten. «Schafft DocMorris diese schwierige Gratwanderung zwischen Wachstum und Kosteneffizienz nicht, dürfte die Liquidität bis Ende 2027 knapp werden», meint der Experte weiter.

Die neu ausgegebene Wandelanleihe mit einem Volumen von 50 Millionen Franken, einer Fälligkeit 2028 und einem Umwandlungspreis von 6,54 Franken könnte jedoch zusätzliches Eigenkapital bringen, so der Analyst der ZKB. Der Wert von TeleClinic, der sich gemäss Schätzungen auf rund 200 Millionen Franken beläuft, liesse sich dagegen nur durch einen Teilverkauf oder einen vollständigen Verkauf erzielen.

Solange DocMorris als gesamtes Unternehmen mit dem Rx-Geschäft einen negativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erzielt, hält dies das Risiko des gesamten Unternehmens hoch und belastet dessen Wert deutlich. «Wir sehen weiterhin hohe Kursvolatilität und zu hohe Risiken vs. Chancen für die kommenden Monate», so Werro von der ZKB. Die Kantonalbank stuft den Titel weiter mit «Marketgewichten» ein.

Ein Optimist sieht hohe Kursgewinne

Beunruhigend ist weiterhin, dass DocMorris dem direkten Konkurrenten Redcare beim Wachstum mit dem E-Rezept hinterher hinkt. Für Gegenwind sorgen auch Konkurrenten wie die Drogeriekette dm oder Amazon, welche einen Teil des Marktes für sich beanspruchen wollen. Entsprechend hoch liegt die Messlatte für DocMorris.

Die UBS stuft den Titel schon längere Zeit mit einem «Sell»-Rating und einem Kursziel von 5,00 Franken ein. Der zuständige Analyst hatte im Januar die Schätzungen an das Wachstumsumfeld angepasst, mit einem stärkeren Wachstum im OTC‑Geschäft, aber einem schwächeren im Rx-Geschäft. Eine kurzfristige Trendwende sei nicht zu erwarten. 

Deutlich optimistischer zeigt sich Research Partners. Die Research-Boutique vergibt die Einstufung «Kaufen» und das Kursziel liegt bei 9,60 Franken, wie die Nachrichtenagentur AWP berichtete. Das Kursziel beruhe auf hohen Kapitalkosten und deutlich konservativeren mittelfristigen Annahmen als jenen des Unternehmens, so der Analyst Urs Kunz am 20. Januar in einer Einschätzung.

Trotz erheblichem Kurspotenzial eigne sich die Aktie wegen hoher Unsicherheiten und starker Kursschwankungen nur für risikobewusste Anleger, so der Experte von Research Partners. Zwar habe die Kapitalerhöhung die finanziellen Risiken reduziert, dennoch bestünden Risiken durch weitere Marktanteilsverluste an Redcare Pharmacy, regulatorische Eingriffe sowie zusätzlichen Wettbewerb, etwa durch die deutsche Drogeriemarktkette dm. 

DocMorris publiziert am Donnerstag, den 19. März, die Jahreszahlen. 

Thomas Daniel Marti
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