Die US-Notenbank Fed dürfte den geldpolitischen Schlüsselsatz an ihrer Sitzung vom Mittwoch in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Dies, nachdem sie schon im Juni stillgehalten hatte. So liegt nun die Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib in der schon bestehenden Leitzinsspanne bei 66 Prozent, wie die Fed-Watch der CME Group anzeigt.

Der unmittelbare Handlungsdruck auf die Fed hatte jüngst etwas nachgelassen. Die Inflationssorgen sind zwar nicht vom Tisch. Doch der Konsumentenpreisindex ist im Juni weniger stark als erwartet und auch weniger deutlich als im Mai gestiegen. Zudem zeigte sich der US-Arbeitsmarkt überraschend robust. Etwa ging die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im Juni auf 208'000 und damit auf einen tieferen Wert zurück, als Ökonomen vorausgesagt hatten.

Die konjunkturelle Entwicklung erlaube es der Fed also, die in ihrer Geldpolitik auf die Inflation und den Arbeitsmarkt achten soll, den Leitzins vorerst auf dem aktuellen Niveau zu halten. Auch wenn es weder nach einer Zinserhöhung noch nach einer Zinssenkung aussieht, werden Anleger, Händler und Marktbeobachter den Fed-Entscheid gespannt verfolgen und auf Signale achten, die auf die US-Zinspolitik der kommenden Monate hinweisen. «Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh wird sich bei der Pressekonferenz aber erneut schmallippig zeigen», schreibt Felix Schmidt, Chef-Ökonom der Privatbank Berenberg in seinem Kommentar. 

«Jede Fed-Sitzung ist richtungsweisend»

Marsh hat sich darauf verlegt, knapp zu kommunizieren. So war die Mitteilung zum Zinsentscheid im Juni kürzer gehalten als die Mitteilungen, die unter der Ägide des früheren Fed-Chefs Jerome Powell erschienen waren. Das erste unter Kevin Warsh veröffentlichte Communiqué war auf die Faktenlage beschränkt und liess insbesondere Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs der amerikanischen Zentralbank vermissen.

«Kevin Warsh hat seine Abneigung gegen Forward Guidance zum Ausdruck gebracht – also gegen die Praxis, bei der Zentralbanker sich zu künftigen Massnahmen verpflichten und dadurch die Fähigkeit der Institution einschränken, flexibel zu handeln», erklärt Kevin Thozet, Mitglied des Investmentausschusses beim französischen Vermögensverwalter Carmignac. Sollte der soeben neu angetretene Fed-Vorsitzende diesen Ansatz weiter umsetzen, so gelte fortan: «Jede Fed-Sitzung ist richtungsweisend.»

Richtungsweisend wird die am Mittwoch anstehende Zinssitzung insbesondere deswegen sein, weil die Fed sich dem Inflationsziel von 2 Prozent verpflichtet hat, die Teuerung aber nach wie vor über diesem Wert liegt. Ein Festhalten am momentanen Zinsniveau lässt auf Zinsschritte nach oben an den Sitzungen vom September, Oktober, Dezember oder den anschliessenden Monaten schliessen. 

Zinserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt sind aus verschiedenen Gründen möglich: Die Währungshüter werden verhindern wollen, dass sich der Energiepreisanstieg durch sogenannte Zweitrundeneffekte auf weitere Preise und die Löhne überträgt und der Inflationsdruck so weiter zunimmt. «Noch dürfte die Fed ​aber hoffen, dass die Entwicklung der ⁠Ölpreise nur ein vorübergehender Störeinfluss ist», sagt Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Gründe für eine künftig restriktivere Haltung der Fed gehen über den Energiemärkten geschuldeten Preisauftrieb hinaus. «Abschiebungen und eine alternde Bevölkerung führen dazu, dass die amerikanische Erwerbsbevölkerung schrumpft. Donald J. Trump ist mit Zöllen zurück. Der Handelsfrieden mit China wird brüchiger», sagt Thozet.

Zinsschritt wohl im September

Der September ist laut dem Carmignac-Experten das «wahrscheinlichste Zeitfenster» für einen Zinsschritt, «da die Fed dann über zwei weitere Monate Inflations-, Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten verfügen wird und beurteilen kann, ob die jüngsten Preissteigerungen – insbesondere jene im Zusammenhang mit Energiepreisen und der Instabilität im Nahen Osten – auf die übrige Wirtschaft übergreifen».

Gemäss der Fed-Watch der CME Group beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte im September 56 Prozent. Bei je rund 22 Prozent liegen die Wahrscheinlichkeiten für ein weiteres Verharren in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beziehungsweise für einen Schritt nach oben um 0,5 Prozentpunkte. Ferner ist bis Ende Jahr ein Leitzins von über 4 Prozent eingepreist, weshalb an den drei verbleibenden Sitzungen im September, Oktober und Dezember zwei Schritte um je 0,25 Prozentpunkte erwartet werden.

Auch wenn die meisten Marktteilnehmer von einem Stillhalten der Fed am Mittwoch ausgehen, ist ein Zinsschritt nicht ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 0,25 Prozent beträgt 33 Prozent. Die Überraschung wäre allerdings gross und würde dem Dollar wiederum Auftrieb geben. Dies speziell gegenüber dem Franken, zumal die Schweizerische Nationalbank mittelfristig offenbar beim Nullzins bleibt - mehr dazu hier.

Reto Zanettin
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