Nachdem der hochverschuldete Backwarenhersteller Aryzta eine Kapitalerhöhung in den letzten Jahren stets in Abrede stellte, räumt er am frühen Morgen nun doch ein, die Aktionäre im Rahmen einer Bezugsrechtsemission um neue Mittel in Höhe von 800 Millionen Euro bitten zu müssen.
Eine Kapitalerhöhung war notwendig geworden, nachdem die sich selbst gesteckte Frist für den Verkauf der Picard-Beteiligung erfolglos verstrichen war (cash berichtete).
Aryzta bekräftigt zudem das Ziel, die Schulden um eine Milliarde Euro reduzieren und über die kommenden Jahre jährlich Kosten in Höhe von 90 Millionen Euro einsparen zu wollen. Gleichzeitig lässt man durchblicken, dass sich das Tagesgeschäft im Schlussquartal des eben gerade abgelaufenen Fiskaljahres 2017/18 im Rahmen der Erwartungen bewegt habe.
Analysten bleiben mehrheitlich skeptisch
Diese Aussagen finden bei den Anlegern kein Gehör. Nachdem die Aryzta-Aktie an der Schweizer Börse SIX zuerst höher gehandel wurde, verliert sie zur Stunde noch 2,6 Prozent auf 8,54 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 8,10 Franken. Seit Jahresbeginn errechnet sich ein Minus von knapp 80 Prozent.
Berechnungen der UBS zufolge führt die geplante Kapitalerhöhung gegebenenfalls zu einer Verwässerung der diesjährigen Gewinne von bis zu 45 Prozent. Allerdings räumt die Schweizer Grossbank ein, dass die Konditionen noch nicht bekannt seien.
Die Aussagen zur Gewinnentwicklung im zurückliegenden Quartal werden als beruhigend bezeichnet. Nicht so, dass Aryzta zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Zielvorgaben für das Fiskaljahr 2018/19 abgibt. Aus Sicht der UBS dürfte das Interesse der Anleger insbesondere diesen Zielvorgaben gelten. Das UBS-Anlageurteil für die Aryzta-Aktie lautet weiterhin "Neutral", das 12-Monats-Kursziel von 15,50 Franken dürfte mit dem Rotstift überarbeitet werden.
Kritisch gibt sich die Zürcher Kantonalbank. Sie bezeichnet den Umfang der Kapitalerhöhung als "erheblich". Ausserdem erfolge dieser notwendige Schritt spät und zu entsprechend schlechten Bedingungen. Die Aktie wird wie bis anhin mit "Marktgewichten" eingestuft. Auch Kepler Cheuvreux hätte sich ein früheres und entschiedeneres Handeln der Firmenverantwortlichen gewünscht.
Leerverkäufer könnten ihre Wetten schliessen
Angesichts der überschaubaren kursseitigen Abwärtspotenzials stuft die Bank Vontobel die Aryzta-Aktie von "Reduce" auf "Hold" herauf. Das 12,50 Franken lautende Kursziel will die Zürcher Bank jedoch mit dem Rotstift überarbeiten.
Händlern zufolge dürften die Leerverkäufer beim hochverschuldeten Backwarenhersteller denn auch am Ziel angekommen sein. Der Aktienkurs sei tief in den einstelligen Kursbereich gefallen und seit Jahresbeginn errechnet sich ein sattes Minus von fast 80 Prozent, so lautet der Tenor.
Im hiesigen Berufshandel geht man deshalb davon aus, dass die Leerverkäufer die tiefen Kurse nutzen und ihre Wetten nun schliessen könnten. Auf Basis von Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit wurde Ende Juli mit nicht weniger als 21 Prozent der ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse spekuliert.

