Wie viel Geld haben Schweizerinnen und Schweizer in der Säule 3a angespart? Die Versuchung, die Summen zu überschätzen, ist durchaus gegeben. Entweder, weil man als Gutverdiener von der eigenen, weit ausgebauten Vorsorge auf die Situation der Gesamtbevölkerung schliesst. Oder weil man wie folgt kalkuliert: 2026 liegt der Maximalbeitrag, den man in die dritte Säule einzahlen kann, wie schon 2025 bei 7258 Franken. Wer also heute startet und 15 Jahre lang konsequent einzahlt, kommt auf über 100'000 Franken. Und wer ab dem 30. Lebensjahr jedes Jahr den vollen Betrag entrichtet, verfügt bis zur Pensionierung über mehr als eine Viertelmillion Franken.
Auswertungen zeigen jedoch, dass die typischen 3a-Guthaben tiefer liegen, als sie den Rechnungen zufolge sein können. Laut einer am Donnerstag erschienenen Vorsorgestudie der Basler Kantonalbank (BKB) beträgt das Säule-3a-Medianguthaben über alle Altersgruppen hinweg 30'400 Franken. Dabei verfügen unter 25-Jährige über rund 3500 Franken; wer kurz vor der Pensionierung steht, hat zirka 45'600 Franken in der Säule 3a.
Die Zahlen der BKB entsprechen der Grössenordnung nach den Angaben des Bundesamtes für Statistik (BfS). Gemäss diesem beläuft sich das 3a-Median-Vermögen, das frühestens fünf Jahre vor und spätestens fünf Jahre nach erreichtem Rentenalter als Kapital bezogen wird, auf 45'025 Franken bei Männern und auf 39'534 Franken bei Frauen. Zur Einordnung: Das mittlere Pensionskassenkapital, das Männer beziehen, liegt laut BfS bei 180'000 Franken. Jenes, das Frauen sich auszahlen lassen, beträgt 76'202 Franken.
Einkommen, Erwerbsverlauf und familiäre Situation spielen eine Rolle
Für die Diskrepanz der 3a-Guthaben zwischen dem Möglichen und dem Tatsächlichen gibt es Gründe. Offensichtlich zahlen viele Personen nicht durchgehend über ihr gesamtes Erwerbsleben ein, sondern beginnen oft erst später - zum Beispiel nach dem 40. Altersjahr - oder unterbrechen das Äufnen ihres 3a-Alterskapitals, wie BKB-Kommunikationsleiter Patrick Riedo schreibt. Zudem spielen das Einkommen, der Erwerbsverlauf oder die familiäre Situation eine Rolle dafür, wie viel Geld man für seine 3a-Lösung aufbringen kann oder will. «Entsprechend zeigt sich eine grosse Spannweite bei den Guthaben», erklärt Riedo.
Beispiele können zudem sein: Ein 40-Jähriger wird arbeitslos. Da sein Einkommen jetzt tiefer ist, setzt er den 3a-Beitrag aus. Eine 45-Jährige entscheidet sich für eine Auszeit, verlässt ihren angestammten und gut bezahlten Job und fährt daher die 3a-Einzahlungen zurück. Oder: Ein Paar bekommt das erste Kind. Beide Partner reduzieren das Pensum von 100 auf 80 Prozent, damit sie Zeit für den Nachwuchs haben. Aufgrund der Lohneinbussen zahlen sie weniger als bislang in die dritte Säule ein. Umgekehrt wird eine Lohnerhöhung, ein Lohnanstieg nach einer Beförderung oder nach einem Stellenwechsel den finanziellen Spielraum weiten und 3a-Beiträge ermöglichen, die bislang nicht machbar waren.
Die Ergebnisse deuten laut der BKB derweil «insgesamt darauf hin, dass sich viele Menschen erst relativ spät intensiver mit ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen, was sich auch in den angesparten Beträgen widerspiegelt», teilt Kommunikationschef Patrick Riedo mit. Zentrale Fragen zum Thema Vorsorge werden demnach aufgeschoben, etwa: Gibt es Beitragslücken, und wie können sie gestopft werden? Wie viel Geld steht nach der Pensionierung zur Verfügung? Und was soll man heute optimalerweise unternehmen, um morgen entspannt in den Ruhestand zu gehen?
Auch wenn die Antworten auf solche Fragen offenbar eher erst spät im Leben gesucht werden, so zeigt die BKB-Untersuchung dennoch, dass sich die Menschen vermehrt finanziell für ihre Altersvorsorge engagieren. So sind die Medianguthaben in der dritten Säule über alle Altersgruppen hinweg zwischen 2019 und 2025 um gut 3000 Franken angewachsen. Zudem werden die 3a-Vermögen immer weniger auf Konten gehalten, sondern vermehrt in Wertschriften investiert. Sprich: Das Geld wird öfter so angelegt, dass es eine Rendite generiert und nicht mehr zu praktisch null Prozent verzinst wird.
Zur Studie
Die Vorsorgestudie der Basler Kantonalbank (BKB) wurde vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der BKB durchgeführt. Die Angaben zu den Säule-3a-Guthaben basieren auf Kundendaten der BKB. Für die Analyse der Säule-3a-Guthaben wurden anonymisierte Kundendaten von 14'539 Personen des Jahres 2019 beziehungsweise von 16'571 Personen im Jahr 2025 ausgewertet. Ergänzend dazu haben die Expertinnen und Experten Steuerdaten des Kantons Basel-Stadt analysiert. Zusammen mit einer repräsentativen Befragung von 1318 Personen in der Region Basel ergibt sich nach Angaben der BKB ein umfassendes Gesamtbild der privaten Vorsorge.

