cash.ch: Herr Laux, haben Sie sich von den Aktien bei den ZKB-Jahresfavoriten im ersten Quartal mehr erhofft?
Bernd Laux: Nach einem guten Start sahen wir uns bis Ende Februar mehr als auf Kurs. Aber wie so oft, kommt es an der Börse erstens anders, und zweitens als man denkt. Für uns ist aber ein anderer Faktor entscheidend, weil wir den Erfolg nicht am nächsten Quartal oder einem halben Jahr messen. Es zählen das Gesamtjahr und der Mehrjahreszeitraum. Ein Investment, das heute eher unglücklich aussieht, kann sich in zwei oder fünf Jahren als Perle erweisen.
Unter Ihren fünf Favoriten im SMI weisen mit ABB, Amrize, Partners Group, Roche und Zurich Insurance nur die zwei erstgenannten Aktien eine positive Kursentwicklung auf.
Die gute Performance von ABB ist keine Überraschung, weil die strukturellen Wachstumsfaktoren auf fünf bis zehn Jahre hinaus stabil und positiv weiterwirken werden. Bei einem Unternehmen mit dieser herausragenden Markt- und Finanzposition haben wir keine Zweifel. Bei Amrize drückt hauptsächlich der Wegfall der Hoffnung auf Zinssenkungen in den USA auf die Kurse. Allfällige Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed hätten negative Auswirkungen auf den US-Bausektor, insbesondere im Wohnungsbau. Uns erscheint die Reaktion an der Börse als übertrieben. Amrize wird die Marktteilnehmer in den nächsten Monaten respektive Quartalen überzeugen und die gesteckten Ziele erreichen.
Bei der Partners Group scheinen die Herausforderungen etwas grösser.
Das sind wahrscheinlich drei Faktoren. Einerseits ist es das Thema Private Credit, das seit einigen Wochen, vielleicht sogar Monaten belastet. Es ist bislang nicht klar, welche Dimensionen dieses Problem einmal haben wird. Momentan ist das ein kleines loderndes Feuer, das aber jede Woche respektive jeden Monat ein klein wenig grösser wird. Die Private-Equity-Industrie ist andererseits im Software-Segment engagiert, wo die künstliche Intelligenz das Geschäftsmodell teilweise erodieren lassen könnte oder gar wegfegt im Laufe der Zeit. Das ist eine Sorge, die so schnell nicht verschwinden wird. Insgesamt gehen wir allerdings davon aus, dass die Partners Group hier wahrscheinlich erheblich weniger exponiert ist als andere Firmen. Als dritter Punkt rückt die Breitling-Beteiligung in den Fokus. Das Luxusgütersegment allgemein und die hochpreisigen Luxusuhren sind zurzeit nicht angesagt. Für Partners Group geht es nun darum, diese drei Sorgen aus dem Weg zu räumen.
Roche konnte die Rallye aus dem letzten Jahr nicht fortsetzen. Hat die Firma das Momentum verloren?
Bei Roche hat sich der Nachrichtenfluss aus der Entwicklungspipeline etwas ungünstiger entwickelt als erwartet. Beim Brustkrebs-Medikament Giredestrant sind die Ergebnisse der Persevera-Studie nicht wie erhofft ausgefallen. Das Medikament Feneprutinib für Multiple Sklerose in der Phase-II-Studie hat zwar die Wirksamkeit bestätigt, aber die erhöhte Mortalitätsrate überschattet das Ergebnis. Zudem zeigten Daten zum Medikament Petrelintide gegen Adipositas eine weniger erfolgreiche Gewichtsabnahme als die Produkte der Konkurrenz.
Resultiert das Kursminus bei Zurich Insurance aus der Übernahme von Beazley?
Solche Übernahmen generieren in einem ersten Schritt oftmals Unsicherheit. Im Vorfeld der Kapitalerhöhung gibt es immer wieder Arbitragegeschäfte, die sich negativ auswirken. Diese Phase liegt inzwischen hinter uns, die Transaktion ist erfolgreich abgeschlossen und das Ganze hat sich stabilisiert. Sollte der US-Dollar nicht zu erheblicher Schwäche gegenüber dem Schweizer Franken neigen, dann gibt es keinen Grund, dass die Valoren von Zurich Insurance noch stärker unter Druck geraten. Im Gegenteil, hier ist Aufholpotenzial gegeben - schliesslich wird Beazley den Gewinn von Zurich zusätzlich erhöhen.
Bei den Mid-Caps hat Accelleron bei Ihren Jahresfavoriten mit einem Kursplus von 10 Prozent überzeugt. Geht die Hausse weiter?
Accelleron hat ein extrem robustes Geschäftsmodell dank des sehr hohen Serviceanteils. Diese langfristigen Verträge bringen aufgrund der wachsenden, installierten Basis Stabilität rein. Zur moderaten Wachstumsrate im Kerngeschäft kommt als Sahnehäubchen obendrauf, dass Accelleron über die Turbolader auch im Geschäft mit Datenzentren Fuss gefasst hat und dort gerade bei Notstromaggregaten, die auf Dieselgeneratorbasis laufen, stark vertreten ist. Der grösste Kunde ist Caterpillar, welcher jüngst bekannt gab, dass sie für die nächsten fünf Jahre ausverkauft sind und zusätzliche Kapazitäten schaffen wollen. Wir haben deshalb eine ausgezeichnete Visibilität und Vorhersehbarkeit der künftigen Ergebnisse. Da besteht weiterhin sehr viel Potenzial nach oben und Accelleron bleibt für uns ein Unternehmen höchster Qualität im Mid-Cap-Segment.
Die Comet-Aktien wurden seit Anfang des Jahres kräftig durchgeschüttelt.
Der Investitionszyklus in der Halbleiterindustrie hat definitiv ins Positive gedreht und wir erwarten nun über mehrere Jahre starke Wachstumsraten. Die jüngst schwierige Phase wird Comet bald hinter sich lassen und zunehmend Schwung zeigen. Hier kann man sagen, dass die Halbleiter-Investitionswelle für Ausrüstungen wahrscheinlich eine Dimension annehmen wird, dass alle Boote mit hochschwimmen und Comet sicher auch dabei sein wird.
Wie steht es um Dätwyler?
Die Ergebnisse von Dätwyler waren erwartungsgemäss ordentlich, der Ausblick bleibt robust. Erfreulicherweise ist die Trendwende im wichtigen Healthcare-Geschäft erfolgt. Dieses Geschäft dürfte zu alten Verhaltensmustern zurückkehren und dann im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich im Jahresvergleich wachsen. Dätwyler hat durch frühere Investments Kapazitäten, in die man jetzt über die nächsten Jahre hineinwächst. Beim im Dezember erworbenen Capsulingeschäft für Nespresso-kompatible Kaffeekapseln wird sich meiner Meinung nach künftig deutlicher abzeichnen, dass das ein hoch profitables Geschäft ist. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres könnten hier eine positive Überraschung bringen.
Das Medtech-Unternehmen Medacta wurde in der Kursrallye jäh abgebremst...
Medacta weist nach wie vor Wachstumsraten von 15 bis 20 Prozent und damit das Vierfache des Marktes aus. Die Gewinnmarge ist eher höher, als das ursprünglich erwartet worden war. Etwas Druck auf die Aktie kam auf, weil die höheren Zinsen die Bewertung des abdiskontierten Cashflows bei gleichbleibenden anderen Parametern nach unten drücken. Gleichwohl haben wir volle Zuversicht, dass das Unternehmen auch 2026 liefert und beim Kurspotenzial erheblich Luft nach oben lässt.
Bleibt noch Siegfried mit seiner Berg- und Talfahrt von mehr als 25 Prozent übrig.
Die Guidance von Siegfried für 2026 ist aus Marktsicht eher enttäuschend ausgefallen. Das liegt wohl daran, dass ein Grossauftrag mit einem Kunden offenbar erst später mit Lieferungen beginnt. Damit fällt ein Wachstumstreiber für dieses Jahr womöglich schwächer aus als gedacht, dürfte aber im Folgejahr dann genauso wie erwartet vorhanden sein. Ferner halten wir die zu einem attraktiven Preis getätigte Übernahme von drei Fabriken in den USA und Australien für ein sehr lohnenswertes Investment, das Wachstumskapazitäten schafft. Das zusätzliche Potenzial, das man hier dazugekauft hat, dürfte mindestens zehn Prozent betragen.
Sie empfehlen also trotz Iran-Krieg und geopolitischer Herausforderungen alle zehn Titel weiter zum Kauf?
Wir halten an allen Titeln weiter fest. Dabei ist sicherlich die Partners Group der Titel, der die grössten Herausforderungen am Markt erfahren hat.
Bernd Laux ist seit Juli 2025 Leiter Sell-Side-Research bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der ausgewiesene Experte stiess im August 2023 zur ZKB. Zuvor war er bei Blackwall Capital und Kepler Chevreux tätig. Bernd Laux schloss sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München als Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Banken und Finanzwirtschaft ab.


