Die Euphorie über die Niederlage von US-Präsident Donald Trump vor dem Supreme Court ist an den europäischen Aktienmärkten schnell verflogen. Die von Trump eilig verhängten neuen Zölle von zunächst zehn und mittlerweile 15 Prozent schürten erneut Unsicherheit an den Finanzmärkten. Der Dax gab zum Wochenstart 0,5 Prozent auf 25'145 Punkte nach. Der EuroStoxx50E machte anfängliche Verluste von einem halben Prozent im Handelsverlauf weitgehend wieder wett. «Das Zollchaos geht nun in die nächste Runde und dürfte die Märkte noch eine Weile beschäftigen», sagte IG-Analyst Christian Henke.
Börsianer treibe vor allem die Frage um, wie es nun um die mit den meisten Staaten abgeschlossenen Vereinbarungen bestellt sei. «Indien hat beispielsweise Gespräche in Washington erst einmal auf Eis gelegt.» Auch die Europäische Union wird einem Medienbericht zufolge voraussichtlich die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den USA aussetzen. Die EU wolle zunächst mehr Details von den USA zu deren neuem Zollprogramm bekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag.
Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA Trumps bisheriges Zollprogramm am Freitag für verfassungswidrig erklärt hatte, verkündete Trump am Wochenende eine neue pauschale Abgabe von 15 Prozent auf Importe. Federn liess am Montag der europäische Technologiesektor; der entsprechende Index gab rund 1,5 Prozent nach. Die Aktie von Europas grösstem Softwarehaus SAP gehörte mit einem Minus von gut zwei Prozent zu den grössten Dax-Verlierern. Dagegen waren an den Börsen in Fernost Tech-Aktien besonders gefragt. Vor allem China dürfte Analysten von Morgan Stanley zufolge von US-Zollsenkungen profitieren.
Gold im Aufwind - Rohöl billiger
Die gestiegene Unsicherheit trieb Anleger erneut in Gold. Eine Feinunze verteuerte sich um bis zu 1,4 Prozent auf 5176 Dollar, dem höchsten Stand seit drei Wochen. «Ob der Goldpreis in naher Zukunft wieder über 5400 Dollar steigen kann, könnte davon abhängen, wie lange die Unsicherheit bezüglich der Zölle anhält und ob die USA militärische Massnahmen gegen den Iran ergreifen», sagte Tim Waterer, Analyst vom Handelshaus KCM Trade.
Am Rohölmarkt dämpfte unterdessen die Aussicht auf weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran die Furcht vor einem militärischen Konflikt, der die Ölversorgung gefährden könnte. Die Nordsee-Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich jeweils um bis zu rund 1,5 Prozent auf 70,69 Dollar beziehungsweise 65,38 Dollar je Barrel. Einem Insider zufolge hat der Iran die Bereitschaft zu Zugeständnissen signalisiert. Dafür müssten aber Sanktionen aufgehoben und Irans Recht auf Urananreicherung anerkannt werden, sagte ein Beamter des Iran der Nachrichtenagentur Reuters.
Ausverkauf bei Novo Nordisk
Bei den Einzelwerten stürzten unterdessen nach einem Rückschlag bei einer Studie Novo Nordisk-Aktien um bis zu 16,5 Prozent ab. Damit rutschten die Titel des dänischen Pharmariesen auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021, dem Zeitpunkt der Einführung des Abnehmmittels Wegovy in den USA. Der als wirksamerer Nachfolger für den Verkaufsschlager Wegovy positionierte Hoffnungsträger CagriSema unterlag in einer direkten Vergleichsstudie dem Konkurrenzmedikament von Eli Lilly. In der Studie konnte Novo Nordisk nicht nachweisen, dass CagriSema mindestens ebenso wirksam ist wie der Wirkstoff Tirzepatid von Eli Lilly. Im Kampf um die Vorherrschaft auf dem rasant wachsenden Markt für Adipositas-Behandlungen war dies ein herber Rückschlag.
Dagegen beflügelte in Mailand ein milliardenschwerer Investitionsplan und ein neues Dividendenversprechen Enel. Die Aktien des grössten italienischen Versorgers stiegen um rund sechs Prozent, nachdem Enel Investitionen von 53 Milliarden Euro bis 2028 angekündigt hatte. Enel will den Fokus auf erneuerbare Energien in Europa und den USA verlagern. Zugleich stellte der Konzern bis 2028 ein jährliches Wachstum der Dividende je Aktie von sechs Prozent in Aussicht.
(Reuters)

