Mit einem Plus von knapp 35 Prozent ist Zur Rose seit Jahresbeginn die beste Aktie im Swiss Performance Index (SPI), der seinerseits 6,5 Prozent dazugewonnen hat. Damit verfügt die E-Commerce-Apotheke Year-to-Date über den viertbesten Kurs an der Schweizer Börse. Im Vorjahr stand jedoch ein Minus von 89 Prozent zu Buche und die Höchstkurse bei über 500 Franken von Anfang 2021 sind ohnehin noch in weiter Ferne.

Am Donnerstag legt das Unternehmen Umsatzzahlen vor. Nach Einschätzung von Analysten liegen diese tiefer als im Vorjahr. Konkret gehen sie von einem Jahresumsatz von 1,88 Milliarden Franken aus. 2021 summierten sich die Einnahmen auf 2,03 Milliarden Franken. 

Marketing-Ausgaben gedrosselt

Wegen Verzögerungen bei der Einführung des digitalen Arzt-Rezepts in Deutschland sah sich Zur Rose im vergangenen Jahr gezwungen, die Strategie anzupassen. Plötzlich stand nicht mehr Wachstum an erster Stelle, sondern es galt die Verluste einzudämmen. Das E-Rezept hätte ursprünglich ab 2022 in ganz Deutschland flächendeckend kommen sollen und den Umsatz und die Gewinn von Zur Rose in neue Höhen katapultieren sollen.

Noch immer gibt es aber offene Fragen. Entsprechend erwarten die Analysten nun erstmals nach Jahren des Wachstums für 2022 wieder einen Umsatzrückgang.

Dafür verantwortlich ist das Geschäft in Deutschland, wo Zur Rose die Marketing-Ausgaben gedrosselt hat, um die Profitabilität zu schützen. Gemäss AWP-Konsens wird für Deutschland nun ein Umsatzrückgang von 17 Prozent erwartet. Weiterhin zugelegt haben dürfte die Online-Apotheke dagegen in der Schweiz. Hier erwarten die Analysten einen Zuwachs von 9,2 Prozent. Da das Deutschland-Geschäft aber deutlich grösser ist, können die Umsatzverlust dadurch nicht ausgeglichen werden. Im verhältnismässig sehr kleinen Europa- Geschäft wird derweil ein Rückgang von 12,5 Prozent erwartet.

Hinweise zum Entwicklung des Verlusts erwartet

Zur Rose strebt an, 2023 bei bereinigten EBITDA die Gewinnschwelle zu erreichen. Gewinnzahlen zum Geschäftsjahr 2022 wird Zur Rose allerdings erst am 23. März publizieren.

Zuletzt ging das Management der Gruppe für 2022 von einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich aus. Beim bereinigten Ebitda stellte Zur Rose derweil ein Minus zwischen 75 und 85 Millionen Franken in Aussicht. Im laufenden Jahr soll nun die Gewinnschwelle erreicht werden. Mittelfristig strebt die Online-Apotheke eine EBITDA-Marge von 8 Prozent an.

Hin und Her um das E-Rezept

Von Interesse dürften nun vor allem Hinweise zur Entwicklung des E-Rezepts in Deutschland sein und Aussagen zur Gewinnentwicklung. Das Hin und Her um die Einführung des E-Rezepts in Deutschland ist für die Gruppe weiterhin nicht ausgestanden. Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat für 2023 zwar erneut die Lancierung des elektronischen Rezepts in ganz Deutschland angekündigt. Analysten sehen die Umsetzung aber weiterhin nicht als gesichert. Bemängelt wird etwa, dass Ärzte trotz gesetzlicher Einführung keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie auf das E-Rezept verzichten.

Einige Analysten sprechen daher von einem zahnlosen Gesetz. Gerade die Motivation der Ärzteschaft im Hinblick auf das E-Rezept wird denn auch von vielen Marktbeobachtern in Frage gestellt.

Dazu kommen nach wie vor Bedenken bezüglich der technischen Umsetzung. Im November gab Zur Rose die Schliessung des Logistikstandort in Bremen bekannt. Gleichzeitig wurde die Marke Eurapon eingestellt. Die Versandkunden von Eurapon werden seither von der deutschen Zur Rose-Dachmarke DocMorris aus dem Logistikzentrum im niederländischen Heerlen versorgt, wo Zur Rose die Logistikaktivitäten bündeln will.

(AWP/cash)