Am 21. September ist es mit der Indexanpassung im Swiss Market Index (SMI) soweit: Mit Galderma und Sandoz steigen ein Pharma- und ein Schönheitskonzern in den Schweizer Leitindex auf und ersetzen Kühne+Nagel sowie Swisscom.
Damit erhält der SMI erneut Zuwachs durch strategische Abspaltungen von Firmenbereichen. Vor sieben Jahren wurden Alcon und vor zwei Jahren Sandoz aus Novartis ausgegliedert, während Galderma durch den Verkauf von Nestlé Skin Health entstand. Im vergangenen Jahr fand zudem Amrize nach der Abtrennung von Holcim den Weg in den SMI.
«Dieser Trend zeigt eindrucksvoll, wie grosse Konzerne durch strategische Neuausrichtungen und Abspaltungen neue Marktakteure schaffen, die sich schnell in der obersten Liga des Schweizer Aktienmarkts etablieren», erklärt Andrea Bally, Analystin bei der Migros Bank, auf Anfrage von cash.ch.
Mit der Anpassung steigt allerdings der Anteil des Gesundheits- und Pharmasektors im SMI insgesamt auf hohe 40 Prozent. Kritischere Marktteilnehmer sprechen gar von einem «Pharma-Index». Dies gilt es allerdings historisch wie auch mit Blick auf die Tätigkeitsbereiche der Unternehmen zu relativieren.
Vielversprechend ist der Ansatz von Sandoz, weil das Unternehmen nicht nur auf das Massenprodukt von Generika fokussiert, sondern Biosimilars im Programm führt, erläutert die Migros-Bank-Expertin. Dort liessen sich aufgrund des höheren regulatorischen Zusatzaufwandes und der höheren Eintrittsbarrieren deutlich höhere Gewinnmargen erzielen.
Galderma wiederum hat ein ganz anderes Zielpublikum und ist eher ein Konsumgüterunternehmen als ein klassisches Pharmaunternehmen. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil des Unternehmens liege in der engen Beziehung zu Ärzten sowie in der starken Markenwahrnehmung bei den Patienten, führt Bally von Migrosbank aus. Anders als in der traditionellen Pharmaindustrie, wo Preise oft mit Kostenträgern wie Krankenkassen verhandelt werden, richte sich der Produktpreis bei Galderma hauptsächlich nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden.
Obwohl der Anteil der Pharmaindustrie in einem Index bemerkenswert hoch ist, bestehe entsprechend kein Grund, von einem Klumpenrisiko zu sprechen, erläutert Bally von Migrosbank. Die sechs Gesundheitsunternehmen im SMI zeichneten sich durch ihre Vielfalt aus und verfolgten jeweils ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle.
Neues Chancen- und Risikoprofil
Mit der Anpassung im SMI ergäben sich Chancen und Risiken, betont Christian Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär, auf Anfrage von cash.ch. Er sieht dies eher positiv, da Pharma, Biotech und Medtech nach mehreren schwächeren Jahren wieder attraktivere Wachstumsperspektiven zu überschaubaren Bewertungen bieten.
Aufgrund des Rebalancings allein sieht der Chefstratege von Julius Bär derzeit aber keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Die Portfolios der Kunden würden strategisch gesteuert und orientieren sich nicht direkt an den Indexgewichtungen des SMI. «Anpassungen erfolgen primär aufgrund der fundamentalen Aussichten einzelner Anlagen und nicht aufgrund technischer Indexveränderungen», so Gattiker von Julius Bär.
Einen wunden Punkt gibt es allerdings. Für Anlegerinnen und Anleger, die in den SMI investieren, nimmt die Bedeutung des Gesundheitssektors als wichtiger Performancetreiber zu. Bally von der Migros Bank betont, dass die im SMI enthaltenen Gesundheitsunternehmen mit unterschiedlichen Treibern alle von der Zahlungsbereitschaft des amerikanischen Gesundheitssystems und der Kaufkraft der US‑Konsumenten abhängen. «Wer die US-Gesundheitspolitik als Risiko sieht, kann dieses nicht über eine Investition in den SMI wegdiversifizieren», so die Schlussfolgerung der Expertin der Migrosbank.
Gefragte Alternativen
Wer dem regulatorischen Risiko im Pharmasektor aus dem Weg gehen will, kann andere Bausteine für das Portfolio wählen. Eine Option ist ein «Exchange Traded Fund» - oder kurz ETF - der Swiss Performance Index (SPI), der rund 210 an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen umfasst. Allerdings machen auch da die Pharmatitel einen Anteil von 35 Prozent aus.
Etwas anders ist die Ausgangslage beim Schweizer Mid Cap Index SMIM. Dieser enthält die 30 grössten und liquidesten Mid-Cap-Titel, die nicht im Blue-Chip-Index enthalten sind. Durch den Wegfall von Galderma und Sandoz aus dem Mid Cap Index und Aufstieg in den SMI, sinkt der Anteil an Gesundheitstiteln im SMIM von 35 auf 15 Prozent. Entsprechend sind nach dem Rebalancing noch Galenica (Gewichtung 3,5 Prozent), Roche Inhaberaktien (3,5 Prozent), Sonova (4,1 Prozent) und Straumann (3,8 Prozent) vertreten.
Die grössten Positionen im SMIM nach der Anpassung werden Swisscom und Kühne+Nagel sein, gefolgt von Helvetia Baloise, VAT, SGS, Julius Bär, Sonova, Roche, Straumann und Schindler.
Attraktiver Einstiegszeitpunkt
In den vergangenen fünf Jahren schnitt der SMI deutlich besser ab als der SMIM. So belief sich der annualisierte Gesamtertrag - sprich Kursgewinne und Dividenden - bei den grosskapitalisierten Werten auf 6,2 Prozent, während die mittelgrossen Unternehmen nur um 0,4 Prozent vorrückten.
Für Michael Bolliger, Anlagechef Schweiz im UBS Global Wealth Management, könnte derzeit indes der richtige Zeitpunkt sein, einen schrittweisen Aufbau einer Übergewichtung von Schweizer Mid Caps gegenüber Large Caps in Betracht zu ziehen.
Mittelgrosse Unternehmen wüchsen strukturell oft schneller als etablierte Grossunternehmen - unterstützt durch Innovationen, internationale Expansion und Marktanteilsgewinne, argumentiert der UBS-Experte. So erzielten zwischen 2016 und 2025 Schweizer Mid Caps ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 7,4 Prozent pro Jahr, verglichen mit 5,1 Prozent bei Large Caps.
Viele Schweizer Mid Caps verfügten zudem über sehr solide Bilanzen. Der durchschnittliche Nettoverschuldungsgrad von SMIM-Unternehmen liegt knapp unter eins, verglichen mit etwas über eins bei den SMI-Firmen. Unternehmen mit Nettoliquidität machten rund 17 Prozent des SMIM-Gewichts aus, verglichen mit 8 Prozent im SMI, so Bolliger von der UBS. Diese Finanzstärke gebe mittelständischen Unternehmen die Flexibilität, auch in schwierigeren Zeiten weiter zu investieren und Wachstumschancen zu nutzen.
Auch an der Konjunkturfront könnten die Mid Caps Rückenwind erhalten. Führende Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine zunehmende Dynamik der globalen Wirtschaftstätigkeit hin. Zudem reagierten historisch gesehen die Margen mittelständischer Unternehmen sensibler auf Konjunkturschwankungen als die defensiver agierender Grossunternehmen, argumentiert der UBS-Anlagechef und verweist auf die Bewertungen. So sei der Bewertungsaufschlag mittelständischer Unternehmen gegenüber grossen Unternehmen seit seinem Höchststand im Jahr 2018 deutlich gesunken.
In den vergangenen 20 Jahren wurden SMIM-Unternehmen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Aufschlag von rund 22 Prozent gegenüber dem SMI gehandelt. Nach Einschätzung der UBS ist dieser Aufschlag durch ihr stärkeres Wachstum und ihre robusteren Bilanzen gerechtfertigt. Nach dem Ausscheiden eines hoch bewerteten Indexbestandteils sieht Bolliger von der UBS weiteres Potenzial für eine Neubewertung, sollte sich die Gewinndynamik verbessern.
Anlegerinnen und Anlegern stehen mit den kostengünstigen «UBS SMIM ETF» (Gesamtkosten TER 0,25 Prozent) und «iShares SMIM ETF» (Gesamtkosten TER 0,45 Prozent) zwei kostengünstige Instrumente zur Verfügung.

