Das Unternehmen Tesla leidet unter verschärftem Wettbewerb, dem Wegfall staatlicher Kaufanreize in seinem Heimatmarkt sowie unter Gegenreaktionen auf die polarisierende Politik von CEO Elon Musk. Hinzu kommt, dass Tesla bislang kein wirklich neues, erschwingliches Modell präsentiert hat, um die alternde Fahrzeugpalette zu erneuern.
Analysten blicken mit zunehmender Skepsis auf die Absatzentwicklung im Jahr 2026. Investoren zeigen sich dennoch zuversichtlich und halten Teslas Marktkapitalisierung bei rund 1,5 Billionen Dollar. Diese Bewertung stützt sich zunehmend auf Musks Vision einer Zukunft mit autonomen Fahrzeugen und einer «Roboterarmee» - und weniger auf das heutige Kerngeschäft mit von Menschen gesteuerten Elektroautos.
Was ist mit Teslas Absatz passiert?
Teslas weltweite Fahrzeugauslieferungen gingen im vergangenen Jahr um rund 9 Prozent zurück. Der Rückgang war zum Teil auf Produktionsunterbrechungen im Zuge einer Überarbeitung des Model Y zurückzuführen, da Tesla die Fertigung in allen Werken vorübergehend anhielt, um die Produktionslinien umzurüsten.
In Europa – laut Musk selbst Teslas schwächstem grossen Markt – brachen die Verkäufe ein. Von Januar bis November sank die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge um 28 Prozent, wie der europäische Automobilherstellerverband (ACEA) mitteilte. Branchenweit stiegen die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge in Europa im gleichen Zeitraum um 27 Prozent.
Auch in China, dem weltweit grössten Markt für Elektrofahrzeuge, entwickelte sich das Geschäft schwach. Die Auslieferungen aus dem Werk in Shanghai, das sowohl den Inlandsmarkt als auch den Export beliefert, gingen in acht der ersten elf Monate des Jahres 2025 im Jahresvergleich zurück, wie der chinesische Verband der Pkw-Hersteller berichtete.
Ganz ohne positive Signale blieb es jedoch nicht. Im dritten Quartal erreichten Teslas weltweite Verkäufe einen Rekord, da US-Kunden vor dem Auslaufen einer staatlichen Kaufprämie von 7'500 Dollar zum 30. September noch Fahrzeuge erwarben. Der Wegfall dieser Steuergutschrift dürfte die Nachfrage künftig allerdings belasten.
Warum verliert Tesla Marktanteile im E-Segment?
Musk hält an einem Weniger-ist-mehr-Ansatz für Teslas Modellpalette fest. Jahrelang verkaufte das Unternehmen nur fünf Modelle – das Model S (2012), das Model X (2015), das Model 3 (2017), das Model Y (2020) und den Cybertruck (2023) –, die zudem nicht alle weltweit verfügbar sind.
BYD verfügt dagegen über ein deutlich breiteres Angebot, und die meisten Fahrzeuge sind günstiger als Teslas Bestseller Model Y und Model 3. Der chinesische Autobauer lieferte fünf Quartale in Folge weltweit mehr batterieelektrische Fahrzeuge aus als Tesla – trotz fehlender Präsenz in den USA und intensiven Wettbewerbs in China.
Ein Auto für unter 30'000 Dollar gilt seit Langem als Schlüssel für weiteres Absatzwachstum bei Tesla. Nach einem Abstecher zum teuren Cybertruck – einem Pickup, der weit hinter den Volumenerwartungen des CEOs zurückblieb – entpuppten sich die von Musk versprochenen «erschwinglicheren» Fahrzeuge als abgespeckte Versionen von Model 3 und Model Y. Deren Einstiegspreis liegt nahe 40'000 Dollar.
Unklar ist, ob Tesla seine Modellpalette bald radikaler umbaut. In der Zwischenzeit droht das Unternehmen gegenüber Wettbewerbern mit frischeren Designs zunehmend aus der Zeit gefallen zu wirken. Tesla war lange Trendsetter im E-Bereich – was nun verstärkte regulatorische Beobachtung auf sich zieht, unter anderem wegen wachsender Beschwerden über die elektrisch betriebenen Türgriffe, die das Unternehmen populär gemacht hat.
Welche Rolle spielt Politik bei Teslas Schwäche?
Einige Verbraucher wenden sich wegen Musks politischem Engagement ab: seine engen Verbindungen zu Präsident Donald Trump und der Republikanischen Partei im Wahlkampf 2024, seine anschliessende Rolle beim Abbau staatlicher Behörden in seiner Rolle als «Effizienzbeauftragter» sowie seine Unterstützung rechtsgerichteter Politiker in Europa.
Nachdem Musks enge Beziehung zu Trump zerbrochen war, stimmten republikanische Abgeordnete im Kongress im Rahmen eines umfassenden Steuer- und Ausgabengesetzes für die Abschaffung der bundesweiten Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge. Zudem schafften sie die Strafzahlungen für Autohersteller ab, die die bundesstaatlichen Vorgaben zur Kraftstoffeffizienz nicht erfüllen. Tesla verkauft in den USA und anderen Märkten sogenannte regulatorische Gutschriften, mit denen andere Automobilhersteller die Emissionsvorschriften einhalten können. Im dritten Quartal ging dieser Erlösstrom im Jahresvergleich um 44 Prozent zurück.
Was unternimmt Tesla, um sich zu erholen?
Neben günstigeren Versionen von Model 3 und Model Y expandierte Tesla nach Indien und eröffnete im Juli seinen ersten Showroom in Mumbai. Die anfängliche Nachfrage im noch jungen E-Markt blieb jedoch enttäuschend. Wegen hoher Importzölle in Indien liegt der Preis für das Einstiegsmodell Y bei rund 70'000 Dollar – für die meisten indischen Fahrer unerschwinglich.
Um in China Marktanteile zurückzugewinnen, nimmt Tesla Anpassungen vor, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Zudem brachte das Unternehmen ein Model Y mit sechs Sitzen mit einem Einstiegspreis von 47'200 Dollar auf den Markt, vergleichbar mit rivalisierenden Elektrofahrzeugen mit drei Sitzreihen.
Wie sieht die Zukunft jenseits von Elektrofahrzeugen aus?
Musk treibt vor allem das voran, was er als eigentliche Berufung des Unternehmens sieht: selbstfahrende Autos und humanoide Roboter. Er sagte, der Optimus-Roboter habe das Potenzial, «das grösste Produkt aller Zeiten» zu werden und werde langfristig 80 Prozent des Unternehmenswerts ausmachen. Zudem schürt Musk Erwartungen, dass der Cybercab die Basis für ein fahrerloses Ride-Hailing-Netzwerk bilden wird. Der 2024 vorgestellte Prototyp des zweisitzigen Kleinwagens hatte weder Lenkrad noch Pedale.
Zwischen Anspruch und Umsetzung klafft jedoch weiterhin eine grosse Lücke. Nach fast einem Jahrzehnt, in dem Musk autonome Fahrfunktionen in Aussicht stellte, startete Tesla im Juni erstmals einen als Robotaxi-Service bezeichneten Dienst. Monate später können Kunden Fahrten nur mit wenigen Fahrzeugen im texanischen Austin und der San Francisco Bay Area buchen – und Sicherheitsverantwortliche sitzen weiterhin auf dem Beifahrersitz.
Sowohl autonome Fahrzeuge als auch Roboter sind noch weit davon entfernt, «finanziell ins Gewicht zu fallen», wie Musk im April bei einer Telefonkonferenz sagte. Dennoch genehmigten die Aktionäre ein neues Vergütungspaket für Musk, das bei Erreichen verschiedener Meilensteine potenziell 1 Billion Dollar wert ist, um ihn zur Umsetzung seiner Vision zu motivieren.
(Bloomberg)

