Mit Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft rapportieren gleich vier Firmen der «Magnificent Seven» am Mittwochabend nach Börsenschluss in New York die Ergebnisse für das erste Quartal – Apple folgt dann am Donnerstagabend. Diese fünf Unternehmen machen 24 Prozent der Kapitalisierung des S&P-500-Index aus.
Die möglichen, hohen Kursausschläge nach der Zahlenpublikation sollten die Anleger dabei mit einer gewissen Zurückhaltung betrachten, da diese eher die kurzfristigen Launen und Positionierungen der Marktteilnehmer widerspiegeln. Entscheidend ist vielmehr, ob die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal erfüllt werden konnten, der Ausblick von den Unternehmen für die nächsten Quartale bestätigt wird und wie hoch der freie Cashflow ausfiel.
Einige Unternehmen wie Meta oder Microsoft dürften hierbei eine höhere Profitabilität aufweisen, während Amazon oder Google kurzfristig unter Margendruck stehen könnten. Solange die Vorteile von KI-Investitionen nicht klarer seien, werden die Ergebnisse voraussichtlich ein selektiveres, unternehmensspezifisches Investitionsumfeld bestärken, schreiben die Analysten der Researchboutique Datatrek.
Gerade dem freien Cashflow kommt eine besondere Bedeutung zu, weil dieser die Investitionen in Datenzentren und das Wachstum im KI-Bereich sicherstellt. Auf der anderen Seite können mit den restlichen verfügbaren Mitteln Aktienrückkäufe und Dividenden getätigt werden.
Die einzelnen Vorschauen nachfolgend im Detail:
Alphabet
Vor Jahresfrist galt Alphabet noch als möglicher Verlierer der KI-Revolution. Seither hat der Wind gedreht und das Unternehmen ist dank der Applikation Gemini und dem eigenen Chip «Tensor Processing Units», kurz TPUs, an vorderster Front im Wettlauf um eine Spitzenposition dabei. Dank des Vorstosses in den Hardwarebereich kontrolliert der Tech-Gigant nun die gesamte Wertschöpfungskette.
Das profitable Geschäft verschafft dem Konzern die nötigen finanziellen Möglichkeiten für das kapitalintensive KI-Wettrüsten. Zwar haben sich die langfristigen Verbindlichkeiten auf 46,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Dennoch verbleibt ein Nettovermögen von knapp 60 Milliarden US-Dollar. Dieser Liquiditätspuffer gewährt Alphabet im Branchenvergleich einen Vorteil, wie die Onlineplattform wallstreetonline.com schrieb.
Die Google-Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 115 Prozent nach oben geschnellt und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 29 teuer bewertet. Das KGV entspricht einem Aufschlag von rund 23 Prozent gegenüber dem historischen Fünf-Jahres-Durchschnitt. Entsprechend ist das Management gefordert, bei den Zahlen nicht zu enttäuschen.
Für das anstehende Quartalsergebnis rechnet der Konsens mit einem Umsatz von 106,91 Milliarden Dollar. Das entspräche einem Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte den Prognosen zufolge wegen der hohen Investitionen von 2,83 US-Dollar im Vorjahr auf nun 2,63 US-Dollar sinken, wie Daten von Bloomberg zeigen.
Amazon
Analog zu Alphabet zahlt sich für Amazon der frühe Vorstoss in die hauseigene Halbleiterentwicklung zunehmend aus. Mit seinen proprietären Trainium-Chips verringert Amazon Web Services (AWS) nicht nur die Abhängigkeit von Marktführern wie Nvidia, sondern kann aktiv bei den margenstarken KI-Workloads mitmischen.
Die Investitionsausgaben von Amazon für die KI-Infrastruktur dürften sich auch im laufenden Jahr im dreistelligen Milliardenbereich bewegen. Allerdings ist der finanzielle Spielraum restriktiver als beim Rivalen Alphabet. Mit einer Nettoverschuldung von 55,5 Milliarden US-Dollar ist die Bilanz angespannter. Der Fokus der Analysten liegt deshalb besonders auf dem generierten Cashflow.
Die Konsensschätzungen der Analysten sehen einen Anstieg des Umsatzes um 13,8 Prozent auf 177,18 Milliarden Dollar vor. Der Gewinn je Aktie dürfte gemäss Daten von Bloomberg durch die enormen KI-Investitionen aber etwas weniger stark als bei Alphabet gebremst werden. Die Prognose liegt bei einer marginalen Verbesserung um 3,8 Prozent auf 1,65 US-Dollar Gewinn je Aktie.
Meta
Die Valoren von Meta sind im Gegensatz zu Alphabet und Amazon mit einem KGV von 22, das dem Fünf-Jahres-Durchschnitt entspricht, vernünftig bewertet. Und dies, obwohl Meta nach Oracle wohl am aggressivsten in KI investiert. Entsprechend liegt der Fokus der Analysten auf der strategischen Kapitalallokation.
Die Experten erhoffen sich aber auch Antworten zum hauseigenen Large Language Model (LLM) mit dem Namen Llama. Dieses verzeichnet bei der kommerziellen Marktdurchdringung und Adaption einen Rückstand gegenüber den Konkurrenten ChatGPT, Claude und Gemini. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, da die Durchdringung primär von den Meta-eigenen Plattformen Facebook und WhatsApp abhängig ist.
Seit Jahresanfang hat die Aktie - im Gegensatz zu Amazon, Alphabet oder Nvidia - mit einem bescheidenen Plus von 2,8 Prozent keine grossen Stücke zerrissen. Sie befindet sich weiterhin in einer Seitwärtsbewegung. Die jüngst durchzogene Kursbilanz könnte allerdings auch dem Werbegeschäft geschuldet sein. Wie bereits zu Beginn des Ukraine-Krieges könnten die Werbeeinnahmen bei Facebook und Instagram unterdurchschnittlich wegen des Iran-Krieges ausfallen.
Der Markt rechnet mit einem Umsatzanstieg auf 55,56 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie wird lediglich ein marginaler Anstieg um knapp 5 Prozent auf 6,75 US-Dollar vorhergesehen.
Microsoft
Der Softwarekonzern Microsoft stieg als eine der ersten Firmen mit seiner Beteiligung an OpenAI ins KI-Rennen ein. Microsoft konnte durch die Exklusiv-Vereinbarung mit dem ChatGPT-Entwickler – unter anderem seine eigenen Office-Produkte – rasch um KI-Funktionen erweitern. Allerdings wurde dies in den vergangenen Monaten zur Belastung, weil Gemini oder Claude ChatGPT OpenAI den Rang abliefen. Damit ist nun Schluss, die Exklusiv-Vereinbarung von OpenAI und Microsoft wurde am Montag aufgelöst.
Die bescheidene Performance der Microsoft-Aktien in den vergangenen 15 Monaten ist aber nur zu einem gewissen Teil auf die Zusammenarbeit mit OpenAI zurückzuführen. Vielmehr umtrieb die Anlegerinnen und Anleger die Sorge, Microsoft könnte selbst durch KI disruptiert werden. Die sogenannte «SaaS-Apokalypse» – SaaS steht dabei für «Software as a Service» – hat die Aktien von amerikanischen Softwarefirmen reihenweise einbrechen lassen. Im Vergleich zu den Konkurrenten wie Adobe, Salesforce oder Snowflake mit einer Performance von minus 30 Prozent und mehr hielten sich die Kursabgaben beim Software-Giganten aus Redmond im Staate Washington dagegen noch in überschaubarem Rahmen.
Die Valoren werden weiterhin mit einem relativ hohen KGV von 26 gehandelt. Der Markt erwartet einen Umsatz von 81,4 Milliarden Dollar im ersten Quartal und einen Gewinn pro Aktie von 4,07 US-Dollar, wie Bloomberg-Daten zeigen.

