Das Tauziehen um die Commerzbank entwickelt sich immer mehr zur Schlammschlacht. Die italienische Grossbank UniCredit, die die Frankfurter Bank gegen deren Willen übernehmen will, warf der Commerzbank-Führung um Bettina Orlopp vor, bei den eigenen Aktionären für Verwirrung zu sorgen, und drohte indirekt damit, die Macht im Aufsichtsrat des Frankfurter Geldhauses zu übernehmen. Dann könne man den Commerzbank-Vorstand abberufen. Bisher ist UniCredit als Grossaktionär nicht im Aufsichtsrat vertreten. Die Commerzbank hatte die Frage aufgeworfen, weshalb Aktionäre UniCredit fast zwölf Prozent ihrer Aktien angedient hatten, obwohl das angesichts des Aktienkurses derzeit ein schlechtes Geschäft für sie ist.
«Wir tun eigentlich nichts dafür, um das hochzuspielen», sagte Orlopp auf einer Veranstaltung. Aber es sei ökonomisch irrational, das UniCredit-Angebot anzunehmen. «Wir wollten nur sicherstellen, dass nicht der Eindruck entsteht, dass das jetzt ein attraktives Angebot ist.» Die Anteilseigner, die ihre Aktien angedient hätten, seien nach Erkenntnissen der Commerzbank über Derivate mit UniCredit verbunden.
Zusammen mit den 26,8 Prozent, die UniCredit bereits an der Commerzbank hält, kommen die Italiener zwei Tage vor Ablauf der Annahmefrist auf 38,6 Prozent an der Commerzbank. Über Optionen, die in Aktien getauscht werden können, könnte UniCredit bis auf 41,8 Prozent aufstocken. «Behauptungen, die tatsächliche Zahl der eingelieferten Aktien sei niedriger, (...) sind falsch und entbehren jeder Grundlage», erklärte UniCredit. «Eingelieferte Aktien sind eingelieferte Aktien und unwiderruflich gebunden», erklärte UniCredit.
UniCredit hatte offengelegt, dass sie Derivategeschäfte mit Banken eingegangen war, mit denen sie sich gegen Kursverluste mit Commerzbank-Aktien absichern wollte. Insidern zufolge sind diese nicht mit normalen, sondern mit angedienten Commerzbank-Aktien unterlegt. Damit könnten die UniCredit-Partner einen Anreiz haben, auf das Tauschangebot einzugehen.
Die Commerzbank wolle mit «unzutreffenden und irreführenden Informationen» nur von den Vorteilen ablenken, die eine Übernahme der Bank und eine Fusion mit der HypoVereinsbank (HVB) «für Aktionäre, weitere Interessengruppen und Deutschland bringen könnte», erklärte die Mailänder Grossbank. UniCredit habe daher die BaFin eingeschaltet. UniCredit reagiert damit auf die Ankündigung der Commerzbank, von der BaFin prüfen zu lassen, ob UniCredit und ihre Derivate-Partner sich abgesprochen hätten («Acting in Concert»). Dann würden ihre Anteile addiert und UniCredit hätte unter Umständen ein höheres Pflichtangebot für die Commerzbank vorlegen müssen. Die Münchner HVB war schon vor 20 Jahren von UniCredit übernommen worden. Sie ist seither deutlich geschrumpft, aber hoch profitabel.
Unicredit schielt auf Mehrheit bei Hauptversammlung
Indirekt droht UniCredit dem Commerzbank-Vorstand damit, ihn über den Aufsichtsrat abberufen zu lassen: «Sollte UniCredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre.» Dafür würde eine einfache Mehrheit reichen, die für UniCredit schon jetzt greifbar nahe ist. Dann liesse sich der von UniCredit vorgeschlagene Umbau der Commerzbank leichter durchsetzen. Die Bundesregierung, mit zwölf Prozent zweitgrösster Anteilseigner der Commerzbank, hat zwar das Recht, zwei Aufsichtsräte zu nominieren. Gewählt werden müssen sie freilich nicht.
Orlopp sagte mit Blick auf die Stellungnahme von UniCredit, solche Ankündigungen seien «natürlich nicht ideal». «Das ist schon bemerkenswert, weil das noch mehr Unruhe stiftet», wenn es um die Verlässlichkeit von Zusagen von UniCredit gehe. Sie sei aber weiterhin gesprächsbereit. Voraussetzung dafür sei aber, dass UniCredit den Commerzbank-Aktionären eine Prämie auf den Aktienkurs biete. «Es ist auf jeden Fall deutlich mehr als das, was jetzt im Moment geboten ist».
(Reuters)

