Die italienische Grossbank UniCredit schrammt nach Ablauf ihres Übernahmeangebots für die Commerzbank nur knapp an einer Mehrheitsbeteiligung an dem Frankfurter Geldhaus vorbei. Die Offerte sei für 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angenommen worden, teilte UniCredit am Mittwoch in Mailand mit. UniCredit hatte vorher bereits 26,77 Prozent gehalten, sodass die Italiener nun auf 44,37 Prozent der Anteile kommen. Das ist deutlich mehr, als zu Beginn der Übernahmeschlacht zu erwarten war. Mit Kaufoptionen für weitere Commerzbank-Aktien können sie sogar auf 47,59 Prozent aufstocken. Damit würde UniCredit auf einer Hauptversammlung 49,65 Prozent der Stimmrechte ausüben können, weil die eigenen Aktien, die die Commerzbank im Bestand hält, keine Stimmrechte haben.
UniCredit sprach von «einem weiteren Schritt zur Umsetzung des strategischen Investments in die Commerzbank». Deren Vorstand wehrt sich allerdings - auch mit Unterstützung der Bundesregierung, die mit zwölf Prozent zweitgrösster Aktionär ist - nach Kräften gegen die als feindlich erachtete Übernahme. Mehrere Anläufe zu Gesprächen auf Führungsebene waren im Sande verlaufen oder gescheitert. UniCredit bekräftigte, man wolle konstruktiv mit allen relevanten Interessengruppen ins Gespräch kommen. Die Italiener hatten bereits erklärt, sie könnten bei einer entsprechenden Kontrollmehrheit alle Mandate der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat besetzen. Dort hat der Bund allerdings das Recht, zwei Kandidaten zu nominieren.
Die Commerzbank-Aktionäre, die UniCredit ihre Aktien angedient haben, müssen auf den Vollzug des Aktientauschs aber noch warten. Denn noch stehen zahlreiche Genehmigungsprozesse aus, unter anderem die Kartellprüfung und die Zustimmung der EZB-Finanzaufseher. Mit Spannung erwartet wird, ob letztere nun feststellen, dass UniCredit die Commerzbank de facto kontrolliert. Dann müssten die Italiener deutlich mehr Kapital vorhalten, um auch die Risiken in der Bilanz der Commerzbank abzupuffern. Neben den angedienten Aktien und den Kaufoptionen hält UniCredit weitere Derivate auf Commerzbank-Papiere, für die ein Barausgleich vereinbart ist, die aber mit Zustimmung der Gegenpartei in knapp zwölf Prozent der Aktien getauscht werden könnten.
(Reuters)

