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Erst am Freitag machte ich einige abenteuerlich hohe Aktienkursziele zum Thema meiner Kolumne. Ich denke da etwa an die Kurszielerhöhung auf 300 (zuvor 240) Franken für die Valoren von Tecan durch den Berenberg-Bank-Analysten Harry Gillis oder auch an das 33 Franken lautende Kursziel seiner Berufskollegin Laura Pfeifer-Rossi bei Octavian für jene von Kuros Biosciences. Zur Erinnerung: Die Aktien des Laborausrüsters aus Männedorf gingen bei Kursen von 235 Franken ins Wochenende, die Valoren des Knochenersatzmaterialherstellers aus Schlieren sogar nur bei 18,35 Franken.
Dass es noch extremer geht, zeigt der für Lucid Capital Markets tätige Elemer Piros. In einem mir zugespielten Kommentar verleiht er seiner Kaufempfehlung für die Valoren von Newron einmal mehr Nachdruck. Mit 73 Franken liegt das Kursziel Piros' weit über den am Freitagabend bezahlten 7,60 Franken. Rein rechnerisch traut der Lucid-Analyst den Aktien des kleinen Pharmaunternehmens über die nächsten zwölf Monate nicht weniger als eine Verzehnfachung des Aktienkurses zu.
Seit die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Ende April einen Aufnahmestopp für neue Studienteilnehmer für das Schizophreniemittel Evenamide in den dortigen Zentren verfügte, gilt Newron an der Börse als ein «Sorgenkind». Vergangene Woche ging beim Unternehmen ein weiteres Schreiben ein. Darin äussert die Behörde Bedenken in Bezug auf die gesamte Wirkstoffklasse der Natriumkanalblocker, zu welchen auch Evenamide zählt. Eigenen Angaben zufolge will Newron den Inhalt des Schreibens nun prüfen und anschliessend beantworten.
Kursrückgang bei den Aktien von Newron seit Januar (Quelle: www.cash.ch)
Trotz eines Aufbäumens am Freitag finden sich die Aktien des kleinen Pharmaunternehmens mit einem Minus von etwas mehr als 68 Prozent seit Januar unter den diesjährigen Börsenschlusslichtern wieder. Nur jene des Branchennachbarn MindMaze – der ehemaligen Relief Therapeutics – schneiden noch schlechter ab.
Bei seinem Kursziel von 73 Franken stützt sich der Lucid-Analyst auf einen um die Zulassungswahrscheinlichkeit und um Steuern bereinigten Nettobarwert des Schizophreniewirkstoffs Evenamide ab. Dieser liegt bei 2,1 Milliarden Dollar, was 91 Dollar oder umgerechnet eben 73 Franken je Aktie entspricht.
Neugierig, wie ich bin, habe ich mich kurz schlau gemacht. Die Erstabdeckung der Aktien von Newron mit «Buy» und einem Kursziel von 73 Franken geht auf Mitte Dezember 2025 zurück, als noch Kurse um die 20 Franken bezahlt wurden.
Wer Kaufempfehlungen wie der vorliegenden Folge leisten möchte, sollte sich nicht zu sehr von den teils abenteuerlich hohen Kurszielen den Mund wässrig machen lassen. Auch bei Newron setzt ein Einstieg einen langen Anlagehorizont sowie ein hohes Mass an Risikobereitschaft und Risikofähigkeit voraus – gerade im Wissen, dass das Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der Verzögerungen bei Evenamide zu weiteren Kapitalrunden gezwungen sein könnte. Und da der Lucid-Analyst sein Kursziel seit fast einem Jahr nicht mehr überarbeitet hat, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass er dieses schon bald unter negativen Vorzeichen überarbeiten könnte.
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Die Roche-Stärke bringt die sträflich unterinvestierten Profis an den Rand der Verzweiflung. Auch heute Montag warten die Basler wieder mit einer Erfolgsmeldung aus den eigenen Laboren auf. Das Augenmittel Vamikibart zeigt in Studien ermutigende Ergebnisse. Ein Zulassungsantrag bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA ist bereits gestellt.
Warnende Worte entnehme ich einer 14 Seiten starken Studie aus der Feder des für Jefferies tätigen Michael Leuchten. Seinen Berechnungen zufolge wird die Pharma- und Diagnostikgruppe an der Börse momentan mit einem Bewertungsaufschlag von 40 Prozent gegenüber anderen Branchennachbarn gehandelt. Er erachtet diesen Bewertungsaufschlag als nicht gerechtfertigt und hält mit «Underperform» und einem Kursziel von 250 (zuvor 230) Franken dagegen.
Kursentwicklung der Partizipationsscheine von Roche im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)
Für Leuchten – er gilt als ein Veteran unter den Pharmaanalysten – laufen insbesondere die Umsatzerwartungen an Giredestrant zusehends aus dem Ruder. Er spielt damit auf die Prognosen einiger seiner Berufskollegen an, welche dem Brustkrebsmittel Spitzenumsätze im zweistelligen Milliardenbereich zutrauen.
Interessant erscheinen mir die drei Szenarien des Jefferies-Analysten für Roche. Denn seinen Berechnungen zufolge bietet den Partizipationsscheinen selbst das «Upside Scenario» von 370 Franken kaum noch Spielraum nach oben. Im Gegenzug spräche das «Downside Scenario» für eine Kurszäsur auf gerade einmal 220 Franken.
Lange Rede, kurzer Sinn: Geht es nach Leuchten, überwiegen bei Roche ganz klar die Risiken. Eine Einschätzung, welche ich durchaus teile – wenn auch aus anderen Gründen. Selbst bezweifle ich, dass die Basler mit dem milliardenschweren Wiedereinstieg ins Geschäft mit GLP-1-Wirkstoffen auch wirklich Aktionärswerte schaffen können.
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