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Der Schweizer Aktienmarkt konnte in den letzten Tagen nahtlos an die jüngsten Rekorde anknüpfen. Dass ausgerechnet die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis die nötigen Akzente setzten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie – gelten doch gerade diese Valoren als langweilig und träge. Alleine am gestrigen Donnerstag waren die drei Schwergewichte beim Swiss Market Index (SMI) für knapp 200 Punkte des Tagesgewinns von 240 Punkten verantwortlich.
Die Flut hebt alle Boote, so heisst es. Dem ist hierzulande leider nicht so. Den neuen Börsenrekorden zum Trotz gibt es noch immer Aktien, welche seit Wochen nahezu täglich neue Jahrestiefstkurse zu beklagen haben. Ich denke da etwa an jene des Stromzählerherstellers Landis+Gyr oder des Rüstungszulieferers Cicor Technolgoes.
Mit Sunrise Communications fällt heute Freitag nun sogar die dividendenstärkste Aktie aus der Schweiz bei 38,72 Franken auf den tiefsten Stand seit ihrem Börsendebüt im Spätherbst 2024. Im Zuge der Kursschwäche der letzten Wochen ist die Dividendenrendite auf knapp 9 Prozent (!!!) gestiegen.
Ein Blick auf die Aktienkursentwicklung bei der Schweizer Marktführerin Swisscom lässt erahnen, dass die besagte Kursschwäche nicht firmenspezifischen Gründen geschuldet ist. Vielmehr macht es auf mich den Anschein, als ob Grossinvestoren Gelder aus der europäischen Telekommunikationsindustrie abziehen, um diese in anderen Wirtschaftszweigen anzulegen.
Kursentwicklung der Sunrise-Aktien seit Januar (Quelle: www.cash.ch)
Am Beispiel von Sunrise zeigt sich einmal mehr eindrücklich, dass eine hohe Dividendenrendite alleine nicht vor Kursrückschlägen schützt. Für die britische Barclays sind die Valoren selbst jetzt noch kein Kauf. Ganz im Gegenteil: Die Grossbank hält heute Freitag eisern an der «Underweight» lautenden Verkaufsempfehlung sowie am Kursziel von 38 Franken fest. Es ist dies das tiefste mir bekannte Kursziel. Auch Goldman Sachs ist für «Sell» und sieht die Aktien bis in zwölf Monaten bei immerhin 39 Franken stehen.
Kommen wir auf Galderma zu sprechen. Den Aktionärinnen und Aktionäre bot sich am Mittwochmorgen ein ungewohntes Bild: Die Börse strafte die Aktien mit Kursverlusten von bis zu sieben Prozent ab, nachdem das Dermatologieunternehmen darüber informierte, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA beim Wirkstoff Relfydess bereits zum zweiten Mal in Folge Nachbesserungen einfordert. Diesmal betrifft dies die Produktionsabläufe. Dadurch könnte dort das Faltenmittel der neusten Generation später als ursprünglich gedacht auf den Markt kommen.
Zugegeben: Die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr wann Relfydess auf den amerikanischen Markt kommt. Dennoch sind sich die erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre solche Rückschläge nicht gewohnt.
Dass die Neuigkeiten derart einschlugen, dürfte nicht zuletzt auch der geradezu beeindruckenden Kursbilanz der Aktien geschuldet gewesen sein. Auf den seinerzeitigen Ausgabepreis des Börsendebüts Galdermas im März 2024 von 53 Franken bezogen, haben sich die Aktien selbst jetzt noch mehr als verdreifacht.
Wie der für die UBS tätige Pharmaanalyst Matthew Weston schreibt, könnte der Verkaufsstart von Relfydess in den USA im ungünstigsten Fall eine Verzögerung um 12 Monate erfahren. An seiner Schätzung eines US-Spitzenumsatzes mit dem Faltenmittel in Höhe von 750 Millionen Dollar ändert sich nichts. Weston hält deshalb sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am Zwölf-Monats-Kursziel von 200 Franken fest.
Auch wenn es der Londoner Pharmaanalyst nicht explizit schreibt, lässt er zumindest durchblicken, dass sich die Verzögerungen bei Relfydess in den USA bloss als ein «Sturm im Wasserglas» erweisen dürften. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es die UBS war, welche Galderma einst mit der Hilfe von Goldman Sachs an die Börse brachte.
Und wenn wir schon beim Thema UBS sind, dann sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Grossbank ebenfalls am Mittwoch bei Tecan einmal mehr eindrucksvoll ihre Marktmacht unter Beweis stellte. Im Zuge einer Heraufstufung von «Neutral» auf «Buy» und einem überarbeiteten Zwölf-Monats-Kursziel von 208 (zuvor 162) Franken legte der Aktienkurs des Laborausrüsters aus Männedorf alleine an diesem Tag in der Spitze um mehr als zehn Prozent zu. Bei Börsenschluss resultierte dann immerhin noch ein Plus von rund neun Prozent.
Will man Chefanalyst Sebastian Vogel Glauben schenken, dann dürfte die Umsatzentwicklung bei Tecan die Talsohle wohl endgültig durchschritten haben und das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückfinden. Um den bereits eingeleiteten Massnahmen zur Rentabilitätssteigerung Rechnung zu tragen, erhöht er seine Gewinnschätzungen fürs übernächste Jahr um 18 Prozent. Seine überarbeiteten Annahmen liegen neuerdings um gut 20 Prozent über den durchschnittlichen Schätzungen seiner Berufskollegen bei anderen Banken.
Für die Aktien von Tecan ging es diese Woche steil nach oben (Quelle: www.cash.ch)
Freuen darf sich insbesondere Thomas Schmidheiny. Gemeinsam mit anderen Investoren hält der Industrielle über sein Beteiligungsvehikel SEO etwas mehr als fünf Prozent am Laborausrüster. Schmidheiny hatte sich Ende März bei Kursen von 115 Franken mit drei Prozent eingenistet und das Aktienpaket in den darauffolgenden Wochen nach gewohntem Drehbuch weiter ausgebaut.
Dank der UBS und ihrer Kaufempfehlung hat das besagte Paket quasi über Nacht gut 8 Millionen Franken an Wert zugelegt. Ich wäre deshalb nicht überrascht, wenn in diesen Tagen eine Kiste mit ausgelesenem französischem Jahrgangswein gemeinsam mit einer Dankeskarte in Richtung des UBS-Analysten unterwegs wäre...
Zu einem ungewöhnlichen Schritt sah sich diese Woche der Börsenüberflieger Sandoz gezwungen. Mit Blick auf die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen von Anfang August verschickte die Investor Relations Abteilung ein sechs Seiten starkes Dokument mit dem Titel «Aide Mémoire». Darin rief das Unternehmen den Empfängern nochmals in Erinnerung, dass es im Jahresvergleich von einer Verbesserung der operativen Kerngewinnmarge (EBITDA) um rund 100 Basispunkte ausgehe – wobei ein beachtlicher Teil davon erst in der zweiten Jahreshälfte anfallen dürfte.
Den Ausschlag für dieses «Aide Mémoire» dürften die ganz offensichtlich zu hohen Erwartungen an die Margenentwicklung für die erste Jahreshälfte gegeben haben. Mit 21,7 Prozent liegen die durchschnittlichen Analystenschätzungen nämlich weit über den 20 Prozent der ersten sechs Monate vergangenen Jahres. Von den firmeneigenen Finanzzielen hingegen lässt sich für das gesamte Geschäftsjahr 2026 auf eine operative Kerngewinnmarge (EBITDA) in Höhe von rund 22,6 Prozent schliessen. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Margenerwartungen der Analysten für die erste Jahreshälfte könnten sich als zu ambitioniert erweisen.
Dass sich die Aktien von Sandoz in den letzten Tagen dennoch zu behaupten wussten, erkläre ich mir mit den vielversprechenden längerfristigen Wachstumsaussichten. Obendrauf kommt noch das nicht unbeträchtliche kommerzielle Potenzial eigener Nachahmerversionen von Semaglutide, dem Wirkstoff in Wegovy und Ozempic von Novo Nordisk, sowie von Tirzepatide, dem Wirkstoff in Mounjaro und Zepbound von Eli Lilly. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch Sandoz ein Stück vom Kuchen abschneiden kann, als hoch ein.
Angesichts der vielversprechenden Wachstumsaussichten wird die Börse mit Blick auf Anfang August hoffentlich grosszügig über kurzfristige Verfehlungen in Sachen Kerngewinnmarge hinwegschauen. Und falls nicht, dann eröffnen sich günstige Kaufgelegenheiten.
Auch an der Börse leben Totgesagte bekanntlich länger. Wer hierzulande nach einem Anschauungsbeispiel sucht, wird spätestens bei DocMorris fündig. Um mehr als 50 Prozent konnten die Aktien der Versandapotheke seit Januar zulegen.
Gerade den langjährigen Aktionärinnen und Aktionäre dürfte dieses Aufbäumen höchstens ein müdes Lächeln abringen. Sie orientieren sich teils an Einstandskursen von 300 Franken und mehr. Nicht so die neuen starken Kräfte im Grossaktionariat. Ich denke da etwa an den Sterling Strategic Value Fund oder auch an Nicolas Mathys. Beide Investoren haben sich schon vor Monaten zu deutlich tieferen Kursen mit jeweils gut drei Prozent an DocMorris beteiligt.
Auch in den Büroräumen von DocMorris scheint man beim Aktienkurs noch Luft nach oben zu sehen. Nur so lässt sich nämlich erklären, weshalb sich ein Verwaltungsrat nach dem starken Lauf der letzten Wochen knapp 6700 Aktien zu Kursen von gut 9 Franken anlachte. Es ist dies die grösste solche Transaktion seit Mitte April, als noch deutlich tiefere Kurse bezahlt wurden.
Da überrascht es mich nicht, wenn die Leerverkäufer ihre Wetten gegen die Versandapotheke zuletzt deutlich zurückgefahren haben. Wie Erhebungen der Beratungsfirma S&P Global zeigen, ist DocMorris zwar auch weiterhin die am häufigsten leerverkaufte Aktie der Schweiz. Mittlerweile wird jedoch nur mehr mit knapp 23 Prozent aller ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse spekuliert – wobei es sich bei rund der Hälfte eigentlich um sogenanntes «Delta-Hedging» seitens von Wandelanleihegläubigern handeln müsste.
Bei den verbleibenden Leerverkäufern dürften die Nerven zusehends blank liegen. Wie mir aus hiesigen Börsenkreisen berichtet wird, treffen aus diesem Lager jedenfalls auch weiterhin Deckungskäufe ein.
Kommende Woche eröffnen der Schokoladehersteller Barry Callebaut und die Spezialitätenchemiegruppe Ems-Chemie die Berichterstattung fürs zweite Quartal. Ich erhoffe mir davon wertvolle Anhaltspunkte für die vielen Zahlenkränze, welche in der Zeit danach noch zur Veröffentlichung anstehen werden. Mehr dazu voraussichtlich am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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