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Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank liess sich ganz schön viel Zeit. Gestern Montag dann setzte der bekannte Pharmaanalyst bei Idorsia dann aber doch noch den fetten Korrekturstift an. Er streicht sein Kursziel von 5,50 Franken auf gerade mal noch "einen Stutz" zusammen.

Mit diesem einschneidenden Schritt trägt der Analyst einerseits dem schleppenden Absatz beim Schlafmittel Quviviq, andererseits aber auch den jüngsten Rückschlägen bei den Wirkstoffen wie etwa Clazosentan oder Lucerastat Rechnung. Bei dieser Gelegenheit verleiht er seiner Verkaufsempfehlung von Ende April nochmals Nachdruck.

Zeitnah geht nun bei der SIX Swiss Exchange eine Meldung ein, wonach der Stimmenanteil der UBS bei Idorsia wieder auf unter drei Prozent gefallen sei. Es ist erst wenige Wochen her, dass sich die Grossbank beim diesjährigen Börsenschlusslicht mit gut acht Prozent eingenistet hat. Seither fluktuiert ihr Stimmenanteil zwischen weniger als drei und mehr als acht Prozent – und das teils innerhalb von weniger als 24 Stunden. Raus, rein, raus und wieder rein.

Dass in der Offenlegungsmeldung von Erwerbs- und Veräusserungspositionen die Rede ist, lässt darauf schliessen, dass die UBS über ein kompliziertes Derivatkonstrukt am schlingernden Pharmaunternehmen beteiligt ist oder war. Nicht aus der Meldung hervor geht, ob die Grossbank auf eigene Rechnung oder auf die von Kunden als bedeutende Aktionärin in Erscheinung tritt.

Kurszerfall bei den Idorsia-Aktien seit Jahresbeginn (Quelle: www.cash.ch)

Eine ähnlich undurchsichtige Rolle als Grossaktionärin wird der mit Abstand grössten Schweizer Bank auch bei anderen Sorgenkindern wie etwa beim Sensorenhersteller AMS Osram, beim Solarunternehmen Meyer Burger oder bei der Versandapotheke DocMorris zuteil. An AMS Osram ist die UBS momentan mit etwas über 10 Prozent beteiligt, an DocMorris sogar mit mehr als 20 Prozent. Bei Meyer Burger sind es – wie bei Idorsia – bloss um die acht Prozent.

Unklar ist nicht nur, ob die Grossbank auf eigene Rechnung handelt oder nicht, sondern auch, ob sie mit den jeweiligen Beteiligungskonstrukten denn nun auf steigende oder auf fallende Kurse setzt. Aus der Offenlegungsmeldung geht weder das eine noch das andere hervor.

Im Aktionariat von DocMorris tummeln sich "die Bankgesellen" seit Juni dieses Jahres und in dem von AMS Osram seit August und in jenem von Meyer Burger seit September.

Zwei Dinge haben diese Unternehmen übrigens gemeinsam: Sie alle haben Wandelanleihen ausstehend und ihre Aktien unterliegen ungewöhnlich starken Kursschwankungen. Und gleich noch etwas eint sie: Es laufen satte Wetten der Leerverkäufer gegen AMS Osram, DocMorris, Meyer Burger und Idorsia.

Auch die Aktien von Meyer Burger bekunden schon seit Monaten Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Bei DocMorris und Meyer Burger wurde zuletzt mit rund 24 Prozent aller ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse spekuliert, bei Idorsia mit rund 23 Prozent und bei AMS Osram sogar mit mehr als 28 Prozent. Noch vor vier Wochen waren es gerade mal um die 7 Prozent. Diese Zahlen gehen aus den neusten Erhebungen von S&P Global Market Intelligence hervor. Die Beratungsfirma stützt sich dabei auf Wertpapierleihgeschäfte ab.

Damit gehören diese vier Aktien zu den am häufigsten leerverkauften Titeln an der Schweizer Börse. Inwiefern da auch die Beteiligungskonstrukte der UBS mithinein spielen, ist unklar. Meine Bitte um eine kurze Stellungnahme blieb seitens der Grossbank bisher unbeantwortet.

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