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Herrschte an den Aktienmärkten in den ersten Januar-Tagen noch ausgelassene Champagner-Laune, machte sich zuletzt Katerstimmung breit. Am gestrigen Mittwoch berichtete ich im Insider-Briefing davon, dass die Stimmung unter den Aktienanlegern sogar so gedrückt ist, dass die Strategen der Credit Suisse darin schon fast eine Kaufgelegenheit sehen.

In der neusten Umfrage der American Association of Individual Investors, kurz AAII, gaben sich gerade einmal 16 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer optimistisch für Aktien. Es ist dies bereits die dritte Umfrage in Folge mit einem Wert unter 20 Prozent. Nicht weniger als 60 Prozent der Befragten zeigten sich hingegen pessimistisch.

Schweizer Aktienfavoriten: Fondsmanager und Vermögensverwalter in Erklärungsnot

Wie die Bank of America schreibt, muss man die Zeit schon in den Frühling 2009 zurückdrehen, um auf ähnlich pessimistische Umfragewerte zu stossen. Ausserdem ist die neuste Umfrage erst die 35. seit Beginn der Erhebungen mit einem Anteil optimistischer Antworten von unter 20 Prozent. Und wir sprechen hier – wohlverstanden - von einer wöchentlich durchgeführten Umfrage.

Dieses Stimmungstief will so gar nicht zu den jüngsten Aktivitäten angelsächsischer Grossinvestoren am Schweizer Aktienmarkt passen. Denn diese langten zuletzt kräftig zu. Dabei erfreuen sich gerade riskante Aktien wieder grosser Beliebtheit.

Auf grosses mediales Echo stiess hierzulande kürzlich eine Beteiligungsmeldung zu Adecco. Wie das Unternehmen gleich selber in einer Medienmitteilung informierte, verdoppelte Silchester International das Aktienpaket auf etwas mehr als 10 (zuvor 5) Prozent. Beim Stellenvermittler und beim Vermögensverwalter handelt es sich um so etwas wie um "alte Bekannte" – haben die beiden Unternehmen doch eine gemeinsame Vergangenheit.

Aktienkurszerfall bei Adecco in den letzen 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Über die Beweggründe für den kräftigen Beteiligungsausbau lässt sich bloss mutmassen. Im Vordergrund könnte für Silchester International die attraktiv hohe Dividendenrendite gestanden sein. Dass diese bei satten 6,5 Prozent liegt, ist allerdings weniger auf die grosszügige Ausschüttungspolitik Adeccos zurückzuführen, als vielmehr ein Ergebnis des Aktienkurszerfalls der letzten Wochen und Monate.

Mutig ist die Verdoppelung des Pakets deshalb, weil auf den Stellenvermittler nach der milliardenschweren Übernahme der französischen AKKA Technologies hohe Investitionen warten. Und auch das sich eintrübende Wirtschaftsumfeld dürfte wohl gewisse Spuren im Tagesgeschäft hinterlassen. Doch auch Franklin Resources meldet sich erstmals seit 2012 mit einem Stimmenanteil von mehr als 3 Prozent zurück.

Der heute Donnerstag veröffentliche Zahlenkranz für das erste Quartal zeugt nun erstmals von hohen Investitionen. Diese fasen sich in den Gewinn, was an der Börse verständlicherweise gar nicht gut ankommt.

Als nicht weniger mutig gilt in hiesigen Börsenkreisen der Zukauf von Aktien von Zur Rose durch die beiden Fondsriesen Invesco und Capital Group. Erst baute die Capital Group ihr Paket auf 5 (zuvor 3) Prozent aus, dann stieg Invesco mit 5 Prozent bei der Versandapotheke ein.

Mit Kursverlusten von fast 50 Prozent seit Ende Dezember zählen die Aktien von Zur Rose zu den diesjährigen Verlierern am Schweizer Aktienmarkt. Nicht dass die Versandapotheke mit hausgemachten Problemen zu kämpfen hätte. Vielmehr muss sie für die Unzulänglichkeiten des deutschen Gesundheitswesens in Sachen Digitalisierung büssen. Dass nun aber Bewegung in die Sache kommen soll, hat in den letzten Tagen erste Leerverkäufer dazu bewegt, ihre Wetten gegen die Aktien von Zur Rose und jenen der Rivalin Shop Apotheke zu schliessen. Je schneller unsere nördlichen Nachbarn nämlich elektronische Medikamentenrezepte einführen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Versandapotheken zum Überbrücken der Durststrecke noch einmal neues Eigenkapital benötigt.

Die wohl grösste Überraschung ist der Zukauf von Aktien des Sorgenkinds AMS Osram durch den Fondsriesen Fidelity. Im Zuge dessen stieg der Stimmenanteil der Amerikaner auf 5 (zuvor 3) Prozent.

Vor wenigen Tagen wartete der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten zwar mit soliden Erstquartalszahlen, gleichzeitig aber mit eher lauwarmen Vorgaben fürs laufende zweite Quartal auf. Die Börse reagierte – beinahe wie gewohnt – unterkühlt und watschte die Aktien mit Kursverlusten ab.

Seit dem diesjährigen Investorentag von Anfang April wissen wir, dass nicht nur 2022, sondern auch 2023 zu einem wachstumsseitigen Übergangsjahr für das Unternehmen wird. Damit das Wachstum danach abhebt, sind hohe Vorabinvestitionen nötig.

Seit Tagen verspüren die Aktien von Meyer Burger Auftrieb. Kaufen grosse Investoren zu? (Quelle: www.cash.ch)

Bereits ausführlich wurde bei uns auf cash.ch über die Rückkehr von Janus Henderson nach fast vier Jahren ins Grossaktionariat von Meyer Burger berichtet. Neuerdings hält der Vermögensverwalter wieder gut 3 Prozent am Solarunternehmen. Zuvor war er zwischen 2014 und 2018 mit bis zu 5 Prozent in der Spitze mit an Bord. Die Beteiligung stand damals allerdings unter keinem guten Stern und bescherte Janus Henderson schmerzhafte Verluste.

Eines haben Meyer Burger, AMS Osram, Zur Rose und Adecco gemeinsam: Sie alle gelten als riskant – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und gleich noch etwas eint sie: Ihre Aktien unterliegen starken Kurs- und Stimmungsschwankungen. Umso mehr überrascht mich, dass der angelsächsische "Geld-Adel" im grossen Stil zugelangt hat. Was wissen diese Marktkreise, was wir "Normalsterblichen" nicht wissen? Bei dieser Häufung von Beteiligungsnahmen kann es sich jedenfalls um keinen Zufall handeln...

 

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