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Den Aktionärinnen und Aktionären der UBS stehen womöglich holprige Wochen bevor. Ende April wartet die grösste Schweizer Bank mit ihrem Zahlenkranz für die ersten drei Monate auf. Saisonal betrachtet gilt das erste Quartal als das stärkste des ganzen Jahres. Dementsprechend hoch sind denn auch die Erwartungen.
Seit nunmehr fast zwei Jahren übertrifft die Gewinnentwicklung mit geradezu beeindruckender Regelmässigkeit selbst die kühnsten Analystenschätzungen. Allerdings entscheidet nicht zuletzt auch die Zahlenqualität darüber, ob die Aktien der Grossbank mit üppigen Gewinnen belohnt oder aber mit schmerzhaften Verlusten abgestraft werden.
Schon Tage vor der Veröffentlichung der Erstquartalszahlen – nämlich am Morgen des 22. Aprils – dürfte sich der Nebel rund um das strengere Eigenkapitalregime lichten. Darüber, ob und wie sehr der ursprüngliche Gesetzesentwurf im Zuge des politischen Vernehmlassungsverfahrens zerzaust wurde, wurde viel geschrieben. Vermutlich sieht der Entwurf auch weiterhin vor, dass die UBS ihre Auslandtöchter künftig vollständig mit Eigenmitteln unterlegt. Alles andere würde überraschen.
Die UBS-Aktien konnten in den letzten zwei Wochen deutlich Boden gut machen. (Quelle: www.cash.ch)
Ein Kompromiss zeichnet sich hingegen bei der Anerkennung von aktivierten Kosten für Software und Steuergutschriften sowie beim Einsatz von Pflichtwandelanleihen ab. Ausserdem könnte der Gesetzgeber der Grossbank mehr Zeit bei der Umsetzung der neuen Vorgaben einräumen.
Der Gesetzesentwurf birgt insofern Sprengkraft, als dass er direkte Auswirkungen auf die künftige Dividendenpolitik genauso wie auf die Aktienrückkauftätigkeit der UBS hat. Je strenger die Vorlage, desto geringer der finanzielle Spielraum für die Kapitalrückführung an die Aktionärinnen und Aktionäre.
Eigentlich heisst es ja, dass die Börse nichts so sehr scheut wie die Ungewissheit. Und Ungewissheit gibt es bei der Grossbank momentan reichlich. Doch selbst diese hält die die Finanzwertespezialisten von Keefe, Bruyette & Woods nicht davon ab, eine taktische Empfehlung für die Aktien der UBS auszusprechen.
Offiziell stufen sie die Valoren zwar auch weiterhin bloss mit «Market Perform» und einem Kursziel von 32 Franken ein. In einem mir zugespielten Kommentar raten die Londoner Analysten um Thomas Hallett dennoch dazu, den Valoren von Barclays, UBS und BNP Paribas neuerdings ein überdurchschnittliches Gewicht in den Portefeuilles und jenen von Deutsche Bank, Société Générale und Crédit Agricole ein unterdurchschnittliches Gewicht einzuräumen.
Die Analysten tragen damit den jüngsten Verwerfungen an den Kreditmärkten, der erhöhten Schwankungsanfälligkeit der Finanzmärkte sowie den möglichen Folgen des Nahost-Konflikts Rechnung. Sie stützen sich bei ihren Empfehlungen übrigens auf einen eigens durchgespielten Stresstest ab. Wie die besagten Banken in diesem Stresstest abgeschnitten haben, lässt sich dem Kommentar leider aber nicht entnehmen.
Die Aktienkursentwicklung der UBS im mehrjährigen Vergleich (Quelle: www.cash.ch)
Vor etwas mehr als zwei Wochen wies ich darauf hin, dass sich gleich fünf eigentlich beliebte Aktien aus dem Swiss Market Index (SMI) gemäss Lehrbuch in einem Bärenmarkt befänden – darunter auch jene der UBS. Ich begegnete meinen Beobachtungen damals mit folgenden Worten:
Als ich diese Zeilen schrieb, war mir nicht bewusst, dass die Welt für die Aktionärinnen und Aktionäre der grössten Schweizer Bank nur wenige Wochen später weniger Düster sein würde. Die Valoren sind auf der SMI-Rangliste zwar nur vom letzten auf den drittletzten Platz aufgestiegen. Gleichzeitig hat sich das rechnerische Minus seit Jahresbeginn jedoch mehr als halbiert.
Mit Blick auf die wegweisenden Neuigkeiten, welche bei der UBS anstehen, erscheint mir die Empfehlung durch die Finanzwertespezialisten von Keefe, Bruyette & Woods durchaus mutig. Doch wie sagt man doch so schön: Den Mutigen gehört die Welt...
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