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Das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt ist launisch und dürfte es wohl noch eine ganze Weile bleiben. Die Angst vor kostspieligen Fehlern überwiegt dabei ganz klar.

Man kann den Anlegern ihre Zurückhaltung nicht verübeln. Momentan vergeht kaum ein Tag, ohne dass hierzulande nicht irgendein Unternehmen seine erst vor wenigen Wochen kommunizierten Jahresvorgaben kappt oder das Aktienrückkaufprogramm aussetzt.

Alleine in den letzten 24 Stunden kassierten der Industriekonzern ABB und der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli ihre Jahresziele. Ausserdem gab der Schraubenspezialist Bossard eine Halbierung der Dividende bekannt. Der Stromzählerhersteller Landis+Gyr hingegen reduzierte die Jahresvorgaben und stellte gleichzeitig die Aktienrückkäufe ein - getreu der Direktive: Das Eine tun und das Andere nicht lassen.

Wer die Banken und ihre Strategen um eine Meinung fragt, wird auch nicht viel schlauer. Während die Experten von Morgan Stanley zum Kauf von Aktien in Schwächen raten ("Buy the dip"), empfehlen jene von Goldman Sachs in stärkere Tage hinein zum Verkauf von Aktien ("Sell any rally"). Wer soll da denn bitteschön noch den Überblick behalten?

Interessantes wissen die Strategen der UBS zu berichten. Sie machen nämlich erste Anhaltspunkte dafür aus, dass die Aktienverkäufer der letzten Wochen langsam aber sicher müde werden. So richtig überzeugt sind allerdings auch sie noch nicht, dass die Aktienmärkte die Talsohle bereits durchschritten haben. Dazu fehlt den Strategen noch die Kapitulation bei den frenetisch gefeierten Wachstumsaktien.

Anders als an der New Yorker Börse spielten sich bei Schweizer Wachstumsaktien wie Lonza, Sonova oder Givaudan vor gut zwei Wochen Szenen ab, die einer Kapitulation schon ziemlich nahe kommen.

Kursentwicklung von Wachstumsaktien wie jenen von Lonza (rot), Givaudan (grün) und Sonova (gelb) über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Ermutigend ist auch, dass die Ankeraktionäre von Swatch Group, Dormakaba, Huber + Suhner und Stadler Rail seit Wochen die tiefen Kurse nutzen, um sich günstig mit Titeln einzudecken. Gleichzeitig treten bei Unternehmen aus der Halbleiterindustrie wie U-blox, AMS oder Comet vermehrt Verwaltungsräte oder Geschäftsleitungsmitglieder als Käufer in Erscheinung. Selbst bei Kudelski kaufte zuletzt ein Verwaltungsrat Aktien zu - obwohl die beiden Obligationen des Lausanner Technologiekonzerns finanziellen Stress andeuten.

Vermutlich ist es noch zu früh, um an den Aktienmärkten zum "courant normal" überzugehen. Umso mehr gilt es, diese ermutigenden Beobachtungen etwas genauer im Auge zu behalten.

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Kepler Cheuvreux reduziert zwar das Kursziel für die Aktien von AMS. Mit 70 (zuvor 80) Franken traut Analyst Sébastien Sztabowicz den Papieren des Sensorenherstellers aus heutiger Sicht allerdings nicht weniger als eine Versiebenfachung zu. Was für eine Ansage.

Ein "blinder Kauf" sind die Aktien trotzdem nicht. Denn noch berücksichtigt Sztabowicz weder die Übernahme von Osram Licht, noch die damit verbundene Kapitalerhöhung. Beides will er erst dann in sein Bewertungsmodell einfliessen lassen, wenn das Ergebnis der milliardenschweren Bezugsrechtsemission vorliegt. Meine Vermutung: Der Analyst wird sein Kursziel wohl noch einmal mit dem dicken Rotstift überarbeiten müssen. Dass er an seiner Kaufempfehlung festhält, erachte ich als sehr wahrscheinlich. Schliesslich geht diese in den Sommer letzten Jahres zurück, als die Papiere noch um die 50 Franken kosteten.

Aggressive Deckungskäufe lassen den Kurs der AMS-Aktien wieder steigen (Quelle: www.cash.ch)

Am vergangenen Donnerstag bin ich bei AMS im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2020 eine erste Teilposition eingegangen. Nachdem die Leerverkäufer beim Sensorenhersteller am Ziel angelangt sind, dürften sie ihre Wetten auf tiefere Kurse schliessen und den Aktien gegebenenfalls sogar ein kleines Kursfeuerwerk bescheren. Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal festhalten, dass sich die Papiere im momentanen Börsenumfeld nur für sehr risikobewusste Anleger eignen.

 

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