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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Wird SMI-Mauerblümchen Lonza im amerikanischen Raum endlich wiederentdeckt?

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Diese Woche: Die SNB und ihre aufgeblähte Bilanz, Roche und der Wiedereinstig in den Markt für GLP-1-Wirkstoffe, die UBS und die ewige Eigenmitteldebatte - Sowie: Viel Vorschusslorbeeren für den Gewinner der Woche.

25.09.2026   11:55
Von cash Insider
Lonza-Gelände in der Walliser Gemeinde Visp

Lonza-Gelände in der Walliser Gemeinde Visp

Quelle: zVg

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Wir blicken auf bewegtere Tage zurück, als es die Wochenbilanz am Schweizer Aktienmarkt vermuten liesse. Denn während der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) – Stand Freitagmittag – auf ein Plus von etwas mehr als eineinhalb Prozent zusteuert, wurden die Kurse einiger Aktien nur so hin- und hergerissen.

Das Interesse galt hierzulande insbesondere der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung von gestern Donnerstag. Angesichts der auch weiterhin eher zahmen Teuerung hält ihr Direktorium erwartungsgemäss an der Nullzinspolitik fest.

Nun, da der Franken in den vergangenen Wochen gegenüber den gängigsten Währungen nachgegeben hat, wäre der Zeitpunkt eigentlich günstig, um endlich die Reduktion der aufgeblähten Bilanz einzuleiten. Zur Erinnerung: Mit Stand von Ende August türmen sich in der Bilanz der SNB noch immer Fremdwährungsreserven in Höhe von mehr als 770 Milliarden Franken auf. Es ist ein Relikt aus vergangenen Tagen, als unsere Währungshüter noch versuchten, den Franken mit milliardenschweren Offenmarkttransaktionen zu zähmen.

Irgendwie haben es die Entscheidungsträger in den letzten Jahren verpasst, Gelegenheiten für eine Bilanzreduktion beim Schopf zu packen. Mit Blick auf die exzessive Staatsverschuldung und die immer zahlreicheren kleinen Brandherde in Übersee – etwa im Private-Credit-Bereich oder am Immobilienmarkt – befürchte ich, dass hinter der nächsten Ecke eine neue Krise lauert. Eine Krise, in welcher die SNB sich wegen ihrer Nullzinspolitik und der aufgeblähten Bilanz selbst ihrer Handlungsfähigkeit beraubt.

Wenden wir uns aber wieder dem hiesigen Börsengeschehen zu. Anders als der Ortsrivale Novartis in der Vorwoche konnte Roche in den letzten Tagen gleich mit mehreren Erfolgsmeldungen aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung nachlegen. Einzig die Studienergebnisse für den GLP-1-Wirkstoff Enicepatide stiessen in hiesigen Börsenkreisen auf unterschiedliche Resonanz. Diesen Wirkstoff - besser bekannt unter seinem Kürzel CT-388 - hatten die Basler einst im Zuge der milliardenschweren Übernahme von Carmot Therapeutics erworben.

Kursentwicklung der Valoren von Roche im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)

Wie unterschiedlich das kommerzielle Potenzial des subkutan verabreichbaren Schlankmachers beurteilt wird, zeigen die vielen einander widersprechenden Schätzungen der Analysten für dessen künftige Spitzenumsätze. Bei der Zürcher Kantonalbank geht man von jährlich bis zu 1,5 Milliarden Franken aus, bei Vontobel sogar von bis zu 2,5 Milliarden Franken. Schon beinahe bescheiden kommt da die Prognose der UBS von einer Milliarde Dollar daher, was zu aktuellen Umrechnungskursen etwas mehr als 800 Millionen Franken entspräche.

Zumindest in einem Punkt sind sich die Analysten allerdings einig: Wichtiger als das Abschneiden von Enicepatide in Studien dürfte aus Sicht der Basler jenes des oral verabreichbaren Wirkstoffs CT-996 sein.

Roche-Chef Thomas Schinecker hat sich den Wiedereinstieg ins Geschäft mit sogenannten GLP-1-Wirkstoffen viel Geld kosten lassen. Ich denke da neben der Übernahme der amerikanischen Carmot Therapeutics für bis zu 3,1 Milliarden Dollar auch an die Forschungszusammenarbeit mit der dänischen Zealand Pharma für bis zu 5,3 Milliarden Dollar – Erfolg bei beiden Transaktionen ungewiss.

Zuletzt hat die Taktfrequenz bei der Veröffentlichung von Studienergebnissen seitens anderer Anbieter auf dem Gebiet der GLP-1-Wirkstoffe zwar etwas nachgelassen. Man muss allerdings kein eingefleischter Kenner der Pharmaindustrie sein, um erahnen zu können, dass trotz des hohen Marktwachstums auf diesem Therapiegebiet mit immer härteren Bandagen gekämpft wird. Und da wäre auch noch die schier erdrückende Übermacht der beiden Marktführer Novo Nordisk und Eli Lilly.

Ich kann mir deshalb beim besten Willen nicht vorstellen, dass Roche ein vernünftiges «Stück des Kuchens» abbekommen wird, sofern es die für zig Milliarden eingekauften Wirkstoffe gegen Ende dieses Jahrzehnts denn überhaupt bis zur Marktreife schaffen.

Langjährige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, dass ich die Valoren von Roche im Frühling 2024 bei Kursen um die 220 Franken einst für sträflich unterbewertet hielt. Zweieinhalb Jahre später und mehr als 140 Kursfranken höher, ist nun das Gegenteil der Fall.

Kommen wir an dieser Stelle auf die UBS zu sprechen. Das hatte sich Firmenchef Sergio Ermotti vermutlich anders vorgestellt: Geht es nach dem Ständerat, müssen Banken ihre Auslandtöchter künftig mit 90 Prozent hartem Kernkapital (CET1) unterlegen.

Weder ein mehrseitiges Interview Ermottis mit der renommierten NZZ, noch ein Brandbrief mehrerer grosser Wirtschaftsverbände an die Politik in Bern wussten zu verhindern, dass sich die kleine Kammer am Mittwochmorgen für dieses überraschend strenge Eigenmittelkorsett aussprach.

Nun ist der Nationalrat am Zug. Dass sich 33 Ständeräte für und bloss deren zehn bei zwei Enthaltungen gegen Änderungen im Bankengesetz aussprachen, ist an Deutlichkeit kaum zu überbieten und sendet ein unmissverständliches Signal an die grosse Kammer.

Goldrichtig lag der für Kepler Cheuvreux tätige Bankenanalyst Nicolas Payen. Im Vorfeld der Abstimmung berichtete er davon, dass eine Eigenkapitalunterlegung der Auslandtöchter mit 90 Prozent an Zustimmung gewinne. Seinen Berechnungen zufolge würde darauf ein zusätzlicher Bedarf an hartem Kernkapital im Umfang von 16 Milliarden Dollar erwachsen. Die UBS spricht, soviel ich weiss, sogar von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Die Aktien der grössten Schweizer Bank werden bei Kepler Cheuvreux auch weiterhin mit «Buy» und einem Kursziel von 47 Franken angepriesen und zählen zu den «Swiss Top Picks» des Brokers.

Ich frage mich, ob die Bereitschaft der Ständerätinnen und Ständeräte, der UBS derart strenge Eigenmittelvorschriften aufzudrücken, nicht auch ein wenig selbstverschuldet durch die UBS ist. Denn schliesslich hat sich die Grossbank mit ihren milliardenschweren Aktienrückkaufplänen zuletzt etwas gar weit auf die Äste hinausgewagt. Das scheint sich nun zu rächen.

Wann genau auch der Nationalrat das Geschäft behandelt, steht noch nicht fest. Es bietet sich hierfür sowohl die Wintersession vom 30. November bis zum 18. Dezember als auch die Frühlingssession vom 1. bis zum 19. März nächsten Jahres an. Ich würde es begrüssen, wenn die grosse Kammer möglichst bald für Klarheit sorgt, befürchte aber, dass erst im März «Nägel mit Köpfen» gemacht werden. Bis dahin fliesst in der Nähe des Bundeshauses in Bern noch viel Wasser die Aare hinunter...

...dazu passt, dass in Übersee Stimmen laut werden, wonach die UBS ihr Glück aufgrund des regulatorischen Gegenwinds in der Heimat nun im Ausland suchen könnte. Semafor Business etwa bringt einen Zusammenschluss mit Morgan Stanley ins Spiel. Die Amerikaner hätten schon vor einer ganzen Weile ein Auge auf die grösste Schweizer Bank geworfen. Eine transatlantische Hochzeit käme einer Zusammenführung des UBS-Verwaltungsratspräsidenten Colm Kelleher mit seiner früheren Arbeitgeberin gleich. Bei Semafor Business müssen ausserdem Standard Chartered und Deutsche Bank als geeignete Kandidaten für eine «Flucht nach vorn» herhalten.

Die Frage sei erlaubt, ob mit solchen Spekulationen nicht auch versucht wird, so etwas wie eine Drohkulisse für die Politik in Bern aufzubauen? Ähnliche Mutmassungen gingen Ende Oktober bekanntlich auch schon von der New York Post aus.

Als Gewinner geht AMS Osram aus der Börsenwoche hervor. Am Montagvormittag informierte der Sensorenhersteller über einen «technologischen Durchbruch» auf dem Gebiet der Dünnschicht-Oberflächenemitter für KI‑Rechenzentren. Dass die Medienmitteilung während des laufenden Handels versandt wurde, sagt mir, dass man diesen Neuigkeiten zumindest seitens des Unternehmens wohl keine übertrieben grosse Bedeutung beimass. Die Börse sah das anders und belohnte die Aktien an diesem Tag mit einem Plus von nicht weniger als 23 Prozent (!!!).

Keine 48 Stunden später zündete dann der für Jefferies tätige Analyst Janardan Menon mit einer Kurszielerhöhung auf 25,50 (zuvor 21) Franken für die mit «Buy» eingestuften Aktien gleich die nächste Stufe der Kursrakete. Nach den Fortschritten auf dem Gebiet der Dünnschicht-Oberflächenemitter sei es AMS Osram künftig möglich, Distanzen von bis zu 30 Metern abzudecken. Er sehe diese Technologie künftig deshalb bei Nvidia-Systemen sowie bei KI-Rechenzentren von Tech-Giganten wie Microsoft zum Einsatz kommen. Alleine schon diese Aussagen bescherten den Valoren des Sensorenherstellers am Mittwoch erneut einen Tagesgewinn von etwas mehr als zehn Prozent.

Kursfeuerwerk bei den Aktien von AMS Osram von dieser Woche (Quelle: www.cash.ch)

Die Reaktion der Börse – erst auf die Medienmitteilung und dann auf die Kurszielerhöhung – zeigt, wie aufgeheizt die Anlegerstimmung entlang der KI-Wertschöpfungskette mittlerweile ist. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, sind gerade amerikanische Rivalen auf besagtem Gebiet technologisch teilweise sogar weiter als AMS Osram. Umso mehr erscheint mir der in der Medienmitteilung verwendete Begriff «Durchbruch» etwas hoch gegriffen. Ich bleibe bei den Aktien des Sensorenherstellers jedenfalls auch weiterhin an der Seitenlinie.

Von der Zürcher Kantonalbank erreicht mich ein Ausblick auf den Investorentag von Lonza. Der Pharmazulieferer aus Basel lädt am 14. Oktober ins kalifornische Vacaville. Dort hatte er vor zweieinhalb Jahren für 1,2 Milliarden Dollar eine Produktionsstätte der Roche-Tochter Genentech erworben. Es dürfte kein Zufall sein, dass der diesjährige Investorentag ausgerechnet dort abgehalten werden soll. In Analystenkreisen gilt die Produktionsstätte in Vacaville nämlich als wichtiger Wachstumstreiber für Lonza.

Wie Autor Dani Jelovcan im Ausblick auf den Investorentag schreibt, erhofft er sich seitens des Unternehmens konkretere Aussagen in Bezug auf die mittelfristige Margenentwicklung. Ausserdem glaubt der Analyst, dass den Teilnehmern an diesem Tag viele interessante Detailinformationen vermittelt werden dürften. Seines Erachtens könnte der Investorentag helfen, potenzielle Investoren aus dem amerikanischen Raum auf Lonza aufmerksam zu machen, seien diese im Aktionariat des Basler Unternehmens doch untervertreten.

Den nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionären wäre dies durchaus zu gönnen. Denn schliesslich fristet Lonza an der Börse nunmehr schon seit Jahren so etwas wie ein Mauerblümchen-Dasein.

Jelovcan preist die Aktien wie bis anhin mit «Übergewichten» und einem rechnerischen fairen Wert von 766 Franken an. Nur seine beiden Berufskollegen bei Jefferies und Bernstein Société Générale sind mit ihren Kursprognosen noch zuversichtlicher.

Eine Rückmeldung von UBS-Analyst Patrick Rafaisz nach einer Teilnahme der beiden IR-Verantwortlichen von Lonza an der «UBS Best of Switzerland Conference» lässt übrigens erahnen, dass am 14. Oktober unter anderem auch die künftige Ausschüttungspolitik ein Thema sein könnte.

Selbentags werden die Basler einen Zwischenbericht fürs dritte Quartal abgeben. Ich erhoffe mir davon wichtige Erkenntnisse in Bezug auf das Tagesgeschäft.

Mal schauen, ob sich nächste Woche weitere Analysten in Sachen Lonza zu Wort melden werden. Falls ja und mit neuen Erkenntnissen, dann womöglich mehr zum Thema am kommenden Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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