Bitcoin verlor zeitweise bis zu 8,3 Prozent auf 66'596 Dollar und erreichte damit den niedrigsten Stand seit November 2024. Grosse Käufer wie börsengehandelte Fonds und Krypto-Treasuries ziehen sich zunehmend zurück.

«Die Kursentwicklung im Kryptomarkt war in den vergangenen 24 Stunden unbestreitbar heftig, wobei Bitcoin die allgemeine Stimmung am stärksten belastete», meinte Joel Kruger, Marktstratege bei der LMAX Group. «Gleichzeitig sind viele typische Anzeichen einer Kapitulation nun vorhanden: Die täglichen technischen Indikatoren sind stark überverkauft, der Fear-&-Greed-Index ist auf extreme Tiefstände gefallen, und Bitcoin notiert nun rund 45 Prozent unter seinem Oktober-Hoch.»

Die Handelsvolumina bleiben schwach, die Terminmärkte befinden sich laut Glassnode-Analysten in einer Phase des «erzwungenen Schuldenabbaus», und Kapitalzuflüsse seien nahezu versiegt. Dadurch sei ein Nachfragevakuum entstanden, in dem «anhaltender Verkaufsdruck» Investoren dazu zwinge, Positionen mit Verlust zu schliessen.

In den vergangenen 24 Stunden wurden an den Futures-Märkten Krypto-Wetten im Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar liquidiert, darunter 906 Millionen Dollar auf Long-Positionen und 166 Millionen auf Short-Positionen. Das geht aus Daten von Coinglass hervor. Die Finanzierungsrate für unbefristete Bitcoin-Futures, eine Derivateform mit dem grössten Handelsvolumen bei digitalen Vermögenswerten, ist ins Negative gedreht. Dieser wichtige Stimmungsindikator ist angesichts des traditionell optimistischen Blicks vieler Krypto-Investoren normalerweise positiv.

Die Spekulation mit Bitcoin verliert bei Privatanlegern an Attraktivität, da sich das Angebot an Alternativen ausweitet. Die bevorstehende Super-Bowl-Woche sorgt für steigende Aktivitäten auf Sportwettenmärkten, während Prognoseplattformen Kontrakte zu Themen von Politik bis Unterhaltung anbieten. Gleichzeitig fliessen Privatanlegergelder weiterhin in Zero-Day-Optionen bei Aktien sowie in höher verzinste Krypto-Investments auf dezentralen Börsen.

Bitcoin fungiert nicht mehr als Absicherung

Der jüngste Kursrutsch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem digitale Vermögenswerte nahezu alle Narrative verlieren, die zuvor die Nachfrage gestützt hatten. Bitcoin fungiert nicht mehr als Absicherung und steigt in Phasen geopolitischer Spannungen nicht mehr parallel zu Gold.

Auch als Momentum-Handel versagt der Token, da selbst stark überverkaufte Signale keine Gegenbewegung auslösen. Seine wachsende Präsenz in institutionellen Portfolios hat ihn zudem anfälliger für breit angelegte Risikoabbauphasen gemacht, insbesondere bei erhöhter Volatilität von Technologieaktien und Edelmetallen.

Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETF hatten einen Grossteil des Jahres 2025 als wichtige Stütze gedient, nachdem zig Milliarden Dollar in diese Produkte geflossen waren und den Preis des Tokens stabilisiert hatten. Diese Entwicklung hat sich jedoch umgekehrt: Allein im vergangenen Monat wurden rund zwei Milliarden Dollar aus Bitcoin-ETFs abgezogen, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Über einen Zeitraum von drei Monaten summieren sich die Abflüsse auf mehr als fünf Milliarden Dollar.

Der Einbruch der grössten Kryptowährung hat den gesamten Markt für digitale Vermögenswerte erfasst. Kleinere, weniger liquide spekulative Token verzeichneten teils noch stärkere Verluste. Der MarketVector Digital Assets 100 Small-Cap Index, der die 50 kleinsten digitalen Vermögenswerte innerhalb eines Korbs von 100 abbildet, ist im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen.

(Bloomberg)

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