Nachdem schon Mercedes-Benz ungeachtet aller Widrigkeiten vom Ukraine-Krieg über die Corona-Pandemie bis hin zum Chipmangel und massiv gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten seine Prognose angehoben hatte, zeigte sich nun auch Volkswagen zuversichtlicher.

Der Wolfsburger Autokonzern konkretisierte bei der Vorlage der Quartalsbilanz am Donnerstag seine Prognose und rechnet nun mit einer operativen Rendite am oberen Rand der in Aussicht gestellten Spanne von bis sieben bis achteinhalb Prozent. "Wir haben die 8,5 Prozent fest im Blick", sagte Finanzchef Arno Antlitz der Nachrichtenagentur Reuters.

An der Börse kam die Zuversicht gut an. Die Aktie des grössten europäischen Autobauers legte in einem schwächeren Umfeld um fast drei Prozent zu.

«Finanzielle Robustheit bewiesen»

"Trotz beispielloser globaler Herausforderungen hat Volkswagen beachtliche finanzielle Robustheit bewiesen", sagte Antlitz mit Blick auf die Quartalsbilanz. Ertragsstützen seien erneut die Premiummarken Audi und Porsche gewesen.

Aber auch die lange schwächelnde Hauptmarke VW habe mit einem robusten zweiten Quartal bewiesen, dass sie in einem schwierigen Umfeld gute Ergebnisse liefern könne. Nach einer Steigerung der Rendite im ersten Halbjahr auf 5,6 (Vorjahr 3,4) hob VW ihre Prognose für das Gesamtjahr von vier auf bis zu fünf Prozent an.

Die deutlich höheren Kosten für Rohstoffe und Energie wollen die Wolfsburger mit weiteren Einsparungen wettmachen. Antlitz sagte Reuters, der Wettbewerb zwischen den Herstellern werde in den nächsten Monaten zunehmen, da der Halbleitermangel nachlasse. Es würden auch wieder Fahrzeuge mit geringerer Ausstattung verkauft, an denen der Konzern nicht so viel verdient. Der Konzern werde die hohen Rohstoffkosten nicht mehr wie bisher durch höhere Preise an die Kunden weiterreichen können, sondern müsse stärker auf die Kostenbremse treten. "Wir müssen uns darauf vorbereiten, auch die Produktivität wieder stärker in den Blick zunehmen." Die Fixkosten sollen trotz der hohen Inflation nicht steigen.

Gewinnsprung bei Porsche

Bei der Stuttgarter Tochter Porsche, die noch in diesem Jahr an die Börse gebracht werden soll, lief es ungeachtet der steigenden Kosten weiter rund. Die operative Rendite sprang im ersten Halbjahr um zweieinhalb Prozentpunkte auf 19,4 Prozent, was der Sportwagenbauer auf einen hohen Anteil der teuersten Fahrzeuge, Währungseffekte und andere Geschäftsfelder zurückführt. Im Gesamtjahr strebt Porsche eine Rendite zwischen 17 und 18 Prozent an, langfristig sogar mehr als 20 Prozent.

— cash (@cashch) July 26, 2022

Von der Volkswagen-Tochter soll im vierten Quartal ein Anteil von 12,5 Prozent an die Börse gebracht werden. Porsche-Chef Oliver Blume wird im September Nachfolger von Konzernchef Herbert Diess, soll Porsche aber zugleich weiter führen. Wegen möglicher Interessenkonflikte der beiden Posten machten sich zuletzt Bedenken breit, ob ein Börsengang stattfindet und die versprochenen Vorteile bringt.

Schon vor der überraschenden Ablösung von VW-Konzernchef Diess durch Porsche-Chef Blume vor knapp einer Woche rechneten Insider mit einer schlechteren Bewertung von Porsche-Aktien als vor einigen Monaten noch. VW-Finanzchef Antlitz sagte jedoch, der Plan werde "jetzt mit noch mehr Nachdruck als zuvor" vorangetrieben. Volkswagen habe Vorkehrungen getroffen, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden.

Kleinere Brötchen

Im Vergleich zu Porsche backt der Wolfsburger Mutterkonzern, bei dem neben VW auch die Volumenmarken Skoda und Seat geführt werden, bei der Ertragskraft kleinere Brötchen. Das operative Ergebnis des Dax-Konzerns vor Sondereinflüssen sackte im Zeitraum April bis Juni um fast ein Drittel auf 4,7 Milliarden Euro ab. Analysten hatten sogar mit einen noch stärkeren Rückgang gerechnet. Dabei schlugen negative Bewertungseffekte aus der Absicherung von Rohstoffgeschäften von 2,4 Milliarden Euro zu Buche. Aufs erste Halbjahr betrachtet legte der Betriebsgewinn um 16 Prozent auf gut 13 Milliarden Euro zu. Der VW-Konzern erreichte damit eine Rendite von zehn Prozent.

Noch stärker legte dim Halbjahr die Opel-Mutter Stellantis zu. Der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA erstandene Konzern steigerte den bereinigte Betriebsgewinn von Januar bis Juni um 44 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Dabei brachten Preiserhöhungen dem Konzern allein 5,8 Milliarden Euro ein. Die Umsatzrendite erreichte mit 14,1 Prozent Sphären, in denen sich sonst Premiumhersteller bewegen. Mercedes-Benz etwa verbesserte sich im Pkw-Geschäft um rund anderthalb Prozentpunkte auf 14,2 Prozent.

(Reuters)