Der EuroStoxx 50 verlor am Vormittag 0,42 Prozent auf 4223,34 Punkte. Der französische Cac 40 gab mit 0,32 Prozent auf 7143,67 Punkte ebenfalls etwas nach, während der britische FTSE 100 sich dank der Gewinne der Öl- bzw. Rohstoffwerte besser hielt und um 0,2 Prozent auf 7835,44 Zähler anzog.

Zu der Zurückhaltung trugen enttäuschende Zahlen der grossen Drei aus den USA bei. Sowohl Apple als auch Amazon und die Google-Mutter Alphabet hatten mit ihren nachbörslich vorgelegten Zahlen enttäuscht. Das dämpfte die Euphorie nach den jüngsten Notenbanksitzungen

"Die Notenbankpolitik hat lange Zeit zu stark das Marktgeschehen dominiert, so dass den Investoren und Analysten der Bezug zum makroökonomischen Sentiment verloren gegangen ist", merkte Marktexperte Andreas Lipkow kritisch an. "Es ist nicht nur bei der Inflationsbekämpfung noch ein weiter Weg zu gehen, auch die globale Konjunkturerholung wird nicht in wenigen Handelstagen vollzogen sein." Daher dürften die Börsen nun eine etwas bedächtigere Gangart an den Tag legen.

Die Folgen der Zinserhöhungen dürften sich zudem in den kommenden Monaten immer stärker zeigen."Die verzögert wirkenden, von der Fed gesteuerten schlechteren Finanzierungsbedingungen kühlen sowohl die Wirtschaft als auch die Inflation in den USA ab", so Marktstratege Robert Greil von Merck Finck. "Ich rechne damit, dass wir diese Effekte aufgrund der erst später als von der Fed begonnenen EZB-Leitzinserhöhungen um einige Monate zeitverzögert auch im Euroraum sehen werden."

Die Entwicklung der Einzelsektoren war spiegelbildlich zum Vortag. Die zuletzt gefragten Immobilienwerte schwächelten, während defensive Sektoren wie Pharma und Lebensmittel gefragt waren. Die Gewinne der Schwergewichte Novartis und Roche , die sich von ihren jüngsten Verlusten erholten, überdeckten die Schwäche von Sanofi . Das Unternehmen hat zwar ein starkes Jahr mit kräftigen Umsatz- und Gewinnwachstum hinter sich, für 2023 richtet sich der französische Pharmakonzern jedoch auf deutlich geringere Zuwächse beim Ergebnis ein. Die Aktie fiel um 2,7 Prozent.

Im Bankensektor knüpften Aktien der spanischen Bank Santander an die Vortagesgewinne an und legten um 2,5 Prozent zu. Dazu trugen Analystenstimmen bei. Die Credit Suisse hatte das Kursziel angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen.

Spektakuläre Ausnahme in dem verhaltenen Markt war ein Nebenwert. Die Aktie von Zur Rose , bekannt als Mutter der Online-Apotheke DocMorris, legte zur Handelseröffnung fast eine Kursverdoppelung hin, um sich dann bei einem Plus von über 30 Prozent einzupendeln. Das Unternehmen will das Geschäft in der Schweiz an die Handelskette Migros verkaufen, um sich auf das Wachstum in Deutschland zu konzentrieren. Der Schritt sei so etwas wie ein "Befreiungsschlag" für die Online-Apotheke, hiess es am Markt. Zur Rose stärke damit die Kapitalstruktur, fokussiere sich mehr und die Erlöse aus der Transaktion machten das Unternehmen so gut wie schuldenfrei, betonte Analyst Volker Bosse von der Baader Bank./mf/mis

(AWP)