Aktienkorb für eine US-Leitzinserhöhung

Eine Grossbank verrät, welche Aktien aus der Schweiz am stärksten von steigenden US-Zinsen profitieren - Der cash Insider mit einer Derivatwette auf Swisscom - Und: Gibt ABB ein Gegenangebot für KUKA ab?
03.06.2016 12:30
cash Insider
Aktienkorb für eine US-Leitzinserhöhung
Bild: fotolia.com

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Noch bis vor zwei Wochen schien eine weitere Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank vom Tisch. Seither meldeten sich gleich mehrere Vertreter des Offenmarktausschusses zu Wort und schworen die Märkte auf einen Zinsschritt noch in diesem Sommer ein.

Nicht ohne Folgen: Von den jüngsten Kursverschiebungen an den Anleihemärkten lässt sich eine Eintrittswahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung bis spätestens im Juli von mehr als 60 Prozent ableiten.

Aus aktuellem Anlass wagen die Autoren einer Strategiestudie aus dem Hause UBS einen Blick in die Vergangenheit. Sie haben einen Korb von Aktien mit einer hohen Korrelation zur amerikanischen Zinsentwicklung zusammengestellt. Um es vorweg zu nehmen: Es handelt sich dabei vorwiegend um solche mit einer hohen konjunkturellen Abhängigkeit.

Während Siemens die höchste Korrelation aufweist, teilt sich mit Adecco ein erster Vertreter aus der Schweiz den zweiten Rang mit Renault und BNP Paribas. Doch auch Credit Suisse und Clariant schaffen es mit in den Aktienkorb.

Doch nicht nur für die Aktionäre dieser Unternehmen wäre eine weitere Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank eine gute Nachricht. Denn gemäss Berechnungen der UBS liess sich mit europäischen Aktien während den vergangenen sechs Zinszyklen in den ersten zwölf Monaten nach dem ersten Zinsschritt durchschnittlich 7 Prozent verdienen.

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Auch wenn die Grosswetterlage es nicht vermuten lässt, steht der Swisscom ein heisses Wochenende bevor. Schliesslich zielt die zur Abstimmung kommende "Service Public"-Initiative nicht nur auf staatsnahe Betriebe wie die SBB oder die Post, sondern eben auch auf den Telekommunikationsriesen ab.

Die Folgen der Vorlage für die Wettbewerbsfähigkeit des einstigen Monopolunternehmens sind nicht zu unterschätzen. Die Aktien der Swisscom könnten gegebenenfalls sogar in die Region von 400 Franken zurückfallen, sollte der Souverän der Initiative am Sonntag zustimmen, so lasse ich mir aus London sagen. Angeblich haben dortige Grossinvestoren denn auch vorgesorgt und sich entweder mittels Derivaten oder Umschichtungen in die Valoren des Rivalen Sunrise Communications gegen diesen Schlimmsten aller Fälle abgesichert.

Wie auch immer das Abstimmungswochenende ausgeht: Die Swisscom-Aktionäre müssen am Montag in jedem Fall mit einer grösseren Kursbewegung rechnen.

Mutigen Anlegern bietet sich quasi in letzter Minute eine Wette an (siehe heutigen Artikel). Dabei steht das Ausmass der Kursbewegung und nicht deren Richtung im Vordergrund.

Mit dem Kauf des Call-Warrants SCMCJB (Valorennummer 30338753), er läuft bis Mitte Juni und weist einen Ausübungspreis von 475 Franken sowie mit dem gleichzeitigen Kauf des Put-Warrants SCMAIZ (Valorennummer 29520588), er weisst ebenfalls einen Ausübungspreis von 475 Franken auf, lässt sich dann Geld verdienen, wenn sich der Aktienkurs am Montag um mehr als 21 Franken auf die eine oder die andere Seite bewegt.

Ich vollziehe diese im Fachjargon auch "Straddle" genannte Derivattransaktion der Einfachheit halber mit 2500 Franken je Seite (ohne Rücksicht auf die Anzahl der zugrundeliegenden Aktien) für meine Schweizer Aktienfavoriten für 2016 und werde diese Wette voraussichtlich schon am Montag wieder glattstellen. An dieser Stelle möchte ich allerdings einmal mehr auf die hohen Risiken im Zusammenhang mit Optionsgeschäften hinweisen.

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Lange Zeit sah man in Europa den kaufwütigen Chinesen tatenlos zu. Damit ist nun aber Schluss: In Deutschland regt sich erstmals politischer Widerstand gegen ein Übernahmeangebot aus dem Reich der Mitte. Dass der Industrieroboterhersteller KUKA vom chinesischen Rivalen Midea einverleibt werden soll, brachte das Fass zum überlaufen. Lauthals fordert die Bundesregierung grosse europäische Industriekonzerne dazu auf, doch bitte ein Gegenangebot für dieses strategisch wertvolle Mittelstandsunternehmen abzugeben.

Zumindest der Mischkonzern Siemens habe schon mal dankend abgelehnt, sich auf ein solch kostspieliges Abenteuer einzulassen, so heisst es aus Bankenkreisen. An der Börse muss nun sogar unsere gute alte ABB als "weisser Ritter" für KUKA herhalten.

Aufgrund der führenden Stellung des Industriekonzerns aus Zürich im Geschäft mit Industrierobotern und der schon heute starken Präsenz im Schlüsselmarkt China mache eine derart überzahlte Übernahme aber keinen Sinn, so ist einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank zu entnehmen.

Um die unliebsamen Käufer aus dem Reich der Mitte in die Schranken zu verweisen, bedient sich die deutsche Politik genau jener Mittel, die sie der Regierung in Peking und ihren staatlich kontrollierten Grosskonzernen vorwirft. Man höre und staune: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Ob dem von RBR Funds und Cologny bei der Gategroup errichteten Abwehrdispositiv bessere Erfolgsaussichten beschert sind, wage ich stark zu bezweifeln. Das Ergebnis der von den beiden Grossaktionären in Auftrag gegebenen "Fairness Opinion" - sie kommt auf einen fairen Übernahmepreis von 100 Franken je Aktie - wird an der Börse bestenfalls belächelt. Dass die chinesische HNA Aviation das 53 Franken je Aktie schwere Barangebot nachbessere, sei reines Wunschdenken, so lasse ich mir von Händlern jedenfalls sagen.
 

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