Aktienmärkte - Ist die Angst vor einem «Flash-Crash» begründet?

Ein bekannter Markttechniker warnt vor einem «Flash-Crash» und hält die Korrektur an den Aktienmärkten für noch nicht ausgestanden - Und: Weckt Weltmarktführer Sonova das Interesse von Finanzinvestoren?
19.03.2018 12:30
cash Insider
Ist die Angst vor einem «Flash-Crash» begründet?
Bild: fotolia.com

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Die Wogen an den Aktienmärkten haben sich gelegt. Die Turbulenzen der letzten Wochen scheinen ausgestanden. In New York schrieb der Nasdaq Composite Index gar neue Rekorde - Schwergewichten wie Netflix oder Amazon sei Dank.

Noch wurden diese Rekorde allerdings weder vom Dow Jones Industrial Index noch vom breiter gefassten S&P-500-Index bestätigt. Was auffällt: Nicht nur in New York, auch am Schweizer Aktienmarkt wird die jüngste Erholung nur von einigen wenigen Aktien getragen und von dünnen Handelsvolumina begleitet. Überzeugung sieht anders aus.

Klare Worte findet Craig Johnson von Piper Jaffray. Der bekannte Markttechniker sieht gewisse Parallelen zur Situation von Anfang Mai 2010. Damals riss ein "Flash Crash" den S&P-500-Index innerhalb weniger Minuten um gut 8 Prozent in die Tiefe. Boden fand das Börsenbarometer damals erst Wochen später und mehrere hundert Punkte tiefer.

Der Nasdaq Composite Index (grün) lässt den S&P-500-Index (rot) sowie den SPI (gelb) im 12-Monats-Vergleich hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Auch wenn Johnson den S&P-500-Index bis Ende Jahr auf 2850 Punkte steigen sieht, hält er die Börsenkorrektur für noch nicht abgeschlossen.

Seit Jahren dominiert der Programmhandel das Börsengeschehen. Schätzungen zufolge gehen heute zwischen 60 und 80 Prozent der gesamten Volumina auf vollautomatische Handelssysteme zurück. Viele dieser Systeme orientieren sich an ähnlichen Gesichtspunkten, was einen geradezu idealen Nährboden für einen nächsten "Flash Crash" schafft.

In ständiger Angst zu leben, wäre allerdings falsch. Denn die Gefahr, als Anleger schmerzhafte Fehlentscheide zu treffen, ist bei einem "Flash Crash" eher gering - vorausgesetzt, man wird nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf Aktienpositionen "ausgestoppt".

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Ins Visier dieser Finanzinvestoren geraten für gewöhnlich Unternehmen, die sich entweder in einem frühen Turnaround-Prozess befinden, über eine solide Bilanz verfügen und/oder einen hohen operativen Cash Flow aufweisen.

Der Weltmarktführer Sonova erfüllt gleich alle drei Kriterien. Zwar trifft der Begriff Turnaround die Situation des Unternehmens nicht ganz. So richtig bezahlt gemacht hat sich der Einstieg ins Geschäft mit Hörimplantaten allerdings nie. Auch die Übernahme von Audionova hat der Hörgerätehersteller aus Stäfa noch immer nicht richtig verdaut.

Stummer Zeuge ist der Kursverlauf der Aktien von Sonova. Während sich die Aktionäre vieler mittelgrosser Schweizer Publikumsgesellschaften eine goldene Nase verdienten, erwiesen sich die letzten drei Jahre für jene des Weltmarktführers unter dem Strich als ein Nullsummenspiel.

Der Hörgerätehersteller könnte das Interesse ausländischer Finanzinvestoren auf sich ziehen, so schrieb ich kürzlich (siehe "Mischt ein Finanzinvestor die Schweiz auf?" vom 26. Februar).

Und selbst wenn EQT als naheliegendster Käufer wegfallen dürfte - die Skandinavier sind bereits substanziell am Rivalen Sivantos beteiligt - könnten andere finanzkräftige Risikokapitalspezialisten in die Lücke springen.

Die Sonova-Aktien stehen in etwa dort, wo sie schon vor drei Jahren standen (Quelle: www.cash.ch)

In einer Studie preist Christoph Gretler von der Credit Suisse das Unternehmen potenziellen Interessenten geradezu an – wenn auch unbewusst. Der bekannte Medizinaltechnikanalyst rechnet vor, dass Sonova über die nächsten drei Jahre selbst nach Dividenden und ergänzenden Firmenübernahmen rund 900 Millionen Franken zufliessen. Darüber hinaus ist der Hörgerätehersteller um einiges weniger stark verschuldet als die beiden Erzrivalen William Demant und GN Store Nord.

Ich wäre jedenfalls nicht erstaunt, würden bei Sonova in naher Zukunft Finanzinvestoren oder gar industrielle Interessenten anklopfen...

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