Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
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Der Schweizer Aktienmarkt konnte zuletzt zwar Boden gutmachen. Allerdings errechnet sich am breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) gemessen für den Monat März noch immer ein sattes Minus von knapp acht Prozent. Einige Einzelaktien gerieten noch viel stärker unter die Räder. Ich denke da etwa an jene des Rüstungszulieferers Cicor (-31 Prozent), des Pharmaunternehmens Cosmo (-29 Prozent), des Automobilzulieferers Komax (-28 Prozent) oder des Logistiksystemanbieters Interroll (-24 Prozent).
Die Angst vor den verheerenden Folgen der Eskalation in Nahost – sowohl in Bezug auf die Weltwirtschaft als auch auf die Teuerung - ist allgegenwärtig. Ob berechtigt oder nicht, wird sich zeigen müssen. Ein erster Lackmustest steht den Aktienmärkten mit Blick auf die anlaufende Unternehmensberichterstattung für die ersten drei Monate bevor. Eingeläutet wird diese in weniger als zwei Wochen durch den Automobilzulieferer Bossard. Ab dann zeigt sich, ob die Geschäftsentwicklung in den vergangenen Wochen erste Bremsspuren aufweisen.
Nicht weniger wichtig als der Blick in den Rückspiegel dürfte jener durch die Windschutzscheibe sein – sprich: Äussern sich die Firmenverantwortlichen in Bezug auf die Zukunft zurückhaltender als zuvor? Bereits kleinste Nuancen könnten bei den Aktien der jeweiligen Unternehmen grössere Kursveränderungen nach sich ziehen.
Dass die Firmenlenker gerade an der New Yorker Börse trotz der zuletzt stark rückläufigen Kurse noch immer als Verkäufer von Aktien des eigenen Unternehmens in Erscheinung treten, lässt nicht viel Gutes erahnen. Wie ich gestern Dienstag im morgendlichen Insider Briefing berichtete, wurden der amerikanischen Börsenaufsicht SEC alleine letzte Woche 55 Transaktionen im Gesamtumfang von 2,4 Milliarden Dollar gemeldet. Bei sämtlichen 55 Transaktionen handelte es sich übrigens um Aktienverkäufe. In so einer Deutlichkeit gab es das noch nie – selbst wenn ein Überhang von Verkäufen zu dieser Zeit des Jahres nicht eben ungewöhnlich ist.
Aus New York höre ich zudem, dass sich ein Gros der dortigen Marktakteure in den letzten Tagen in Erwartung eine Börsenerholung entsprechend positioniert hat. Neue Aktienbestände wurden aufgebaut und Absicherungstransaktionen glattgestellt. Ich frage mich nun, wie diese Marktakteure reagieren werden, sollte die erhoffte Erholung ausbleiben.
Bilanz der Aktienfavoriten der letzten Jahre
| Jahr | Aktienfavoriten** | SPI |
| 2013 | +40,1 Prozent | +23,9 Prozent |
| 2014 | +11,4 Prozent | +15,2 Prozent |
| 2015 | + 4,1 Prozent | + 2,4 Prozent |
| 2016 | - 3,7 Prozent | - 1,7 Prozent |
| 2017 | +23,6 Prozent | +20,1 Prozent |
| 2018 | - 19,1 Prozent | - 8,8 Prozent |
| 2019 | +25,4 Prozent | +30,6 Prozent |
| 2020 | + 9,8 Prozent | + 3,1 Prozent |
| 2021 | +10,0 Prozent | +23,4 Prozent |
| 2022 | - 17,2 Prozent | - 16,5 Prozent |
| 2023 | + 3,9 Prozent | + 6,0 Prozent |
| 2024 | + 7,6 Prozent | + 7,6 Prozent |
| 2025 | +22,8 Prozent | +17,8 Prozent |
| 2026* | - 4,8 Prozent | - 2,1 Prozent |
* Schlusskurse vom 31. März 2026
** Entwicklung vor anfallenden Kosten und unter Wiederanlage der Nettodividende
Kommen wir an dieser Stelle auf meine Schweizer Aktienfavoriten zu sprechen. Mit Skan (-20 Prozent), der R&S Group (-19 Prozent), Sika (-19 Prozent) und Belimo (-18 Prozent) sind gleich vier meiner Jahresfavoriten auf der Liste der 25 schwächsten Schweizer Aktien im März zu finden. Es sind denn auch diese vier Papiere, welche mich in den vergangenen vier Wochen viel Rendite gekostet haben. Zugegeben: Wenn die Risikobereitschaft der Aktienanlegerinnen und -anleger abnimmt, werden kleinere Nebenwerte dadurch besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.
Über sämtliche meiner Schweizer Aktienfavoriten für 2026 hinweg errechnet sich seit Januar ein Minus von 4,8 Prozent. Dem steht ein um 2,1 Prozent rückläufiger SPI gegenüber. So sehr ich es mir auch wünschen würde, sind diese Zahlen leider kein schlechter 1.-April-Scherz. Umso mehr möchte ich nachstehend nun im Detail auf die vier Verliereraktien eingehen – so viel bin ich meinen geschätzten Leserinnen und Lesern schuldig.
Sika findet sich an einem beinahe gewohnten Ort wieder: Am ganz unteren Ende der diesjährigen SMI-Rangliste. Dort sind der Bauchemiehersteller und seine Aktien beileibe nicht zum ersten Mal anzutreffen. Das kommt nicht von ungefähr, reiht sich beim einstigen Vorzeigeunternehmen nach einer wachstumsstarken Phase doch ein Übergangsjahr ans nächste.
Und mit ausbleibendem Wachstum ging an der Börse verständlicherweise auch eine tiefere Bewertung einher. Da dürfte es nur die allerwenigsten überraschen, wenn die Aktien bei den gängigsten Bewertungskennzahlen mittlerweile einen Abschlag von 30 Prozent und mehr gegenüber dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre aufweisen.
Die Wachstumsflaute – auch 2026 verspricht wohl noch keine Abhilfe – lässt mich etwas ratlos zurück. Firmenchef Thomas Hasler bleibt jedenfalls gefordert, und ich könnte mir gut vorstellen, dass nicht eben wenige Aktionärinnen und Aktionäre beim Blick auf die Kursbilanz frustriert sind...
...und der Frust könnte sogar noch grösser werden. Mit Martin Flückiger von Kepler Cheuvreux hegt nun ein erster Analyst Zweifel an der Erreichbarkeit der Mittelfristziele. Zur Erinnerung: Der Bauchemiespezialist senkte im Oktober die mittelfristigen Wachstumsvorgaben, nicht aber die Margenvorgaben.
Zusammensetzung der Aktienfavoriten für 2026 per 6. März
| Titel | Anzahl | Stand Ende 2025 | Stand aktuell | akt. Wert* | G/V |
| Barmittel | 5'582 | ||||
| Amrize N | 305 | 43,57 | 43,54 | 13'280 | - 0,1 Prozent |
| Lonza N | 30 | 537,80 | 504,80 | 15'144 | - 6,1 Prozent |
| Nestlé N | 203 | 78,74 | 78,42 | 15'919 | - 0,4 Prozent |
| Partners Group N | 14 | 982,40 | 846,20 | 11'847 | - 13,9 Prozent |
| Sandoz N | 230 | 57,84 | 61,74 | 14'200 | + 6,7 Prozent |
| SGS N | 146 | 90,86 | 84,10 | 12'279 | - 7,4 Prozent |
| Sika N | 50 | 162,60 | 129,90 | 6'495 | - 20,1 Prozent |
| Belimo N | 9 | 781,00 | 635,50 | 5'720 | - 18,6 Prozent |
| Dätwyler I | 42 | 163,00 | 141,00 | 5'922 | - 13,5 Prozent |
| Julius Bär N | 107 | 62,40 | 58,16 | 6'223 | - 6,8 Prozent |
| R&S Group N | 420 | 15,82 | 20,50 | 8'610 | +29,6 Prozent |
| Skan N | 126 | 52,80 | 42,25 | 5'324 | - 20,0 Prozent |
| Total | 126'544 | - 4,8 Prozent |
* Schlusskurse vom 31. März 2026
Eine schmerzhafte Bewertungskorrektur durchlief auch Skan. Zeitweise kosteten die Aktien des Herstellers von Isolatoren, Reinraumgeräten und Dekontaminationsverfahren keine 36 Franken mehr. Das liegt weit unter dem Ausgabepreis von 54 Franken bei der Publikumsöffnung im Oktober 2021 und noch viel weiter unter dem erstbezahlten Kurs von 75 Franken am ersten Handelstag.
Anfang November zwangen Projektverzögerungen das Unternehmen zu einer einschneidenden Umsatz- und Gewinnwarnung. In der Hoffnung, dass die entgangenen Umsätze dann irgendwann im neuen Jahr anfallen würden, konnten sich die Valoren damals rasch wieder fangen. Spätestens seit der Veröffentlichung des letztjährigen Ergebnisses neigen die Aktien nun allerdings wieder zur Schwäche.
Stein des Anstosses sind die diesjährigen Finanzziele. So stellt Skan den Aktionärinnen und Aktionären ein Umsatzwachstum im oberen Zehnprozentbereich bei einer operativen Gewinnmarge (EBITDA) zwischen 13 und 15 Prozent in Aussicht. Beides liegt unter den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten. Und auch die Kürzung der Dividende um 45 Prozent auf 0,22 Franken je Aktie hatte so wohl kaum jemand auf dem Radar.
Nach der überraschenden Gewinnwarnung vom November überrascht es mich nicht, wenn das Unternehmen mit einem eher vorsichtigen Jahresausblick aufwartet. Diese Zurückhaltung ist verständlich, will der neue Firmenchef Jonas Greutert doch nicht denselben Fehler wie sein Vorgänger Thomas Huber begehen. Man scheint gelernt zu haben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Finanzziele im Jahresverlauf als (zu) konservativ erweisen und der neue Firmenchef das Vertrauen der Anleger nach und nach zurückgewinnen kann. Beides müsste dann eigentlich auch mit steigenden Kursen einhergehen.
Zumindest bei Swisscanto scheint man nicht so recht an eine Rückkehr auf die Erfolgsspur zu glauben, hat die Fondstochter der Zürcher Kantonalbank ihre Beteiligung kürzlich doch auf unter drei Prozent reduziert. Zuvor zählte Swisscanto bei Skan seit Mai 2024 zu den bedeutenden Aktionären und hielt in der Spitze sogar etwas mehr als fünf Prozent der Stimmen...
Die Aktien der R&S Group und jene von Belimo hingegen neigten in den letzten Wochen aus ein-und-denselben Gründen zur Schwäche. Im Zentrum stehen dabei Befürchtungen, dass die Investitionen in neue grosse Rechenzentren ihren Höhepunkt durchschritten haben und sich die künftigen Erwartungen auch an diejenigen Unternehmen, welche indirekt davon profitieren, als zu hoch erweisen könnten. Und zu genau dieser Gruppe von Unternehmen zählen sowohl der Trafohersteller als auch der Gebäudeautomationsspezialist.
Auch dass Belimo bei den diesjährigen Gewinnvorgaben eher leise Töne anschlägt, kam an der Börse nicht gerade gut an. In Bankenkreisen ist man sich allerdings einig, dass das Unternehmen womöglich tiefstapelt. Die allermeisten Analysten nahmen im Anschluss an die Jahresergebnisveröffentlichung vom Februar denn auch nur währungsbedingte Schätzungsreduktionen vor, um den Folgen des weiterhin starken Frankens Rechnung zu tragen.
Meines Erachtens geht die Kurszäsur der vergangenen Wochen zu weit. Ich nutze deshalb das Rebalancing zum Quartalswechsel dazu, um diese Titelposition wieder aufzustocken. Diese Transaktion erfolgt unter anderem zu Lasten der R&S Group, da die Aktien des Trafoherstellers seit Jahresbeginn noch immer klar im Plus liegen. Grundsätzlich werden sämtliche Positionen auf ihre ursprüngliche Gewichtung herauf- oder heruntergeschraubt.
Schauen Sie sich doch auch das Tracker Zertifikat auf die Schweizer Aktienfavoriten des cash Insider an. Mit diesem setzen Sie einfach und bequem auf die von ihm favorisierten Aktien. Die Nettodividenden werden dabei jeweils zeitnah reinvestiert.
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