Anleger an den europäischen Aktienmärkten bleiben mit Beginn der dritten Woche des Kriegs im Nahen Osten in Habachtstellung. Nach den jüngsten Verlusten stabilisiert sich der SMI bei 12'859 Punkten (+0,15 Prozent). Der deutsche Leitindex Dax zieht zum Wochenanfang leicht um 0,2 Prozent auf 23.490 Punkte an. Auch der EuroStoxx50 notierte mit 5721 Zählern etwas fester.
«Es ist die erste von drei Kriegswochen, die für den Dax ohne deutliche Kursverluste beginnt», sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. «Damit bleibt auch die Vorstellung bestehen, der Iran-Krieg könne in absehbarer Zeit an Schärfe verlieren.» Gleichzeitig wachse der Zweifel, ob die Regierung in Teheran den Druck, den die Kontrolle über die Strasse von Hormus erzeugt, rasch preisgeben werde.
Der Ölpreis gab nach anfänglichen Zuwächsen im Handelsverlauf leicht nach. Mit 102,95 Dollar je Barrel hielt sich der Preis für Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee aber über der 100-Dollar-Marke. US-Leichtöl WTI verbilligte sich um 1,5 Prozent auf 97,27 Dollar je Barrel. Beide Ölsorten haben sich in diesem Monat um mehr als 40 Prozent verteuert und damit den höchsten Stand seit 2022 erreicht. «Die US-Angriffe am Wochenende auf die Insel Charg haben die Sorgen um die Versorgungslage verstärkt, da der Grossteil der iranischen Ölexporte über diese Insel abgewickelt wird», sagten die Rohstoffstrategen von ING.
Strasse von Hormus bleibt Achillesferse
Vor allem die Blockade der für den weltweiten Öl- und Gastransport wichtigen Strasse von Hormus durch den Iran schürt die Furcht vor einer weltweiten Energieknappheit und steigender Inflation bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum. Mit seiner Forderung nach einer internationalen Militärkoalition zum Schutz der Meerenge stiess US-Präsident Donald Trump unterdessen bei wichtigen Verbündeten auf Ablehnung.
Japan und Australien teilten am Montag mit, keine Pläne für die Entsendung von Marineschiffen in den Nahen Osten zu haben. Die EU-Aussenminister wollen über die Verstärkung einer kleinen Marinemission im Nahen Osten diskutieren. Eine Ausweitung des Mandats des EU-Marine-Einsatzes «Aspides», die bislang Handelsschiffe im Roten Meer schützt, wird Diplomaten zufolge aber nicht erwartet.
Welche Staaten bereit seien, Marineschiffe zu entsenden, und ob die Strasse von Hormus damit überhaupt befahrbar gehalten werden kann, sei aktuell völlig unklar, kommentierte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. «Solange all das offen ist, bleibt die Strasse von Hormus die Achillesferse des Ölmarktes und damit auch die Achillesferse der Weltwirtschaft und der Börsen weltweit.»
Wirbel um Commerzbank
Bei den Einzelwerten rückte unterdessen die Commerzbank ins Rampenlicht. Mit einem förmlichen Übernahmeangebot will die italienische UniCredit das zweitgrösste börsennotierte deutsche Bankhaus an den Verhandlungstisch bringen. Commerzbank-Aktien schossen um bis zu 7,6 Prozent nach oben und waren damit auf Kurs zum grössten Tagesgewinn seit gut einem Jahr. Dagegen gaben die Titel der UniCredit zeitweise um 2,6 Prozent nach. Andreas Thomae, Corporate Governance Experte bei der bei der Commerzbank investierten Fondsgesellschaft Deka, bezeichnete das freiwillige Umtauschangebot der UniCredit an die Commerzbank als einen geschickten Schachzug.
UniCredit mache deutlich, dass sie nicht die Kontrolle über die Commerzbank anstrebe, kommentierte Filippo Alloatti vom Vermögensverwalter Federated Hermes. «Gleichzeitig verschafft die heutige Ankündigung UniCredit mehr Flexibilität bei der Verwaltung ihrer Beteiligung und erhöht den Druck auf das Commerzbank-Management sowie die deutsche Regierung, sich aktiv in den Prozess einzubringen.»
Angesichts des Kriegs im Nahen Osten waren auch Aktien von Rüstungsunternehmen gefragt. Ein weitgefasster europäischer Branchenindex legte in der Spitze rund ein Prozent zu. Die Anteilsscheine von Hensoldt zogen zeitweise mehr als fünf Prozent an. Für Rückenwind sorgte eine Hochstufung durch die Analysten von Kepler Cheuvreux, die die Aktie auf «Hold» von «Reduce» setzten und auf den wachsenden Markt für Luftverteidigung verwiesen. Allerdings bewerteten die Experten die Aktie absolut gesehen weiterhin als «unangenehm» teuer.

