Wie die Autos selber ist die Kursentwicklung von Ferrari seit dem Börsengang im Jahr 2016 ein wahrer Traum. Eine Performance von 780 Prozent. Die Aktien von Ferrari haben in diesem Zeitraum dabei den Gesamtmarkt gemessen am Stoxx 600 (Performance von 39 Prozent seit 2016) wie auch den europäischen Automobilsektor (plus 14,6 Prozent) mehr als deutlich geschlagen. 

Kursentwicklung der Ferrari-Aktien (in Euro).

Die Qualität der Valoren des Sportautoherstellers aus Maranello hat jedoch ihren Preis. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 48 liegen sie derzeit deutlich über dem Niveau der europäischen Märkte. Der Stoxx 600 weist ein KGV von 13 auf, der Automobilsektor bloss 6.

Fundamental scheint alles zu stimmen

Die massive Kursentwicklung wurde durch ein solides und auf Knappheit ausgerichtetes Geschäftsmodell ermöglicht. Der Umsatz hat sich von zwei Milliarden Euro im Jahr 2012 auf knapp sechs Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr verdreifacht. Dabei konnte die operative Marge von 15 Prozent auf knapp 27 Prozent erhöht werden. Für das Geschäftsjahr 2025 gehen Analysten von einer operativen Marge von fast 29 Prozent aus. Automobilhersteller der tieferen Preisklassen können da nicht mithalten. Beispielsweise hat Tesla eine Marge von 9,8 Prozent oder Volkswagen eine von 7,1 Prozent. 

Die Margenhöhe macht sich in der Profitabilität bemerkbar. Gemäss den Daten von Bloomberg erreichte Ferrari eine Eigenkapitalrendite im Geschäftsjahr 2023 von 44 Prozent. Tesla, auch bekannt für seine Profitabilität, erreichte «nur» 27,9 Prozent, während Volkswagen mit 10,2 Prozent leicht über dem Sektordurchschnitt von 7,5 lag.

Neben der Profitabilität sprechen auch die positiven Aussichten für Ferrari. Während die Prognosen für Automobilproduzenten aus Europa oder den USA aufgrund des intensiven Wettbewerbs mit den chinesischen Konkurrenten bescheiden ausfallen, geht der Marktkonsens bei Ferrari von einer Steigerung des Gewinns-pro-Aktie von fast 26 Prozent bis 2025 aus. Während bei Tesla beispielsweise ein Rückgang von fast 40 Prozent erwartet wird, gehen Analysten bei Volkswagen von einem leichten Wachstum von 2,5 Prozent aus. Bei Porsche, dem nächstbesten Luxusautohersteller, wird mit einer Steigerung von 10 Prozent gerechnet .

Die Analysten des US-Finanzinstituts Stifel meinen in einer im Juni veröffentlichten Studie, dass «die Transparenz in den nächsten Jahren hoch ist», sie sehen keinen negativen Katalysator. 

Muss man die Aktie noch kaufen? Stifel hat einige Zweifel: «Ein KGV von 48 ist für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Knappheit und damit einem begrenzten Umsatzwachstum beruht, schwer zu rechtfertigen.»

Die Analysten der UBS sind deutlich optimistischer. Sie erwarten, dass der Automobilkonzern den Ausblick für dieses Jahr während der Publikation der Halbjahreszahlen am 1. August anhebt und empfehlen die Aktien zum Kauf. Das Kursziel setzen sie bei 446 Euro fest - das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 18 Prozent.

Eine attraktive Investmentalternative

Ein Pluspunkt für die Aktie könnte die Ferrari-Ankündigung wegen der Einführung von zwei Elektrofahrzeug-Modellen sein. In einer Zeit, in der andere Marken wie Porsche oder Aston Martin zurückschrecken und die EV-Produzenten der tieferen Preisklassen unter intensivem Wettbewerb und Preiskämpfen leiden, sind die Signale von Ferrari gute Neuigkeiten für Investoren auf der Suche nach Anlagealternativen. 

Die positiven Aussichten werden durch das kürzlich neu in Betrieb genommene Produktionswerk unterstützt. Damit wird die Entwicklungszeit für Fahrzeuge verkürzt und eine Steigerung der kundenspezifischen Anpassungen an Fahrzeugen erzielt. Auf den neuen Fliessbändern kann zwischen der Produktion von herkömmlichen Verbrennern, Hybriden und EV-Modellen nach Bedarf gewechselt werden. 

Kundenspezifische Anpassungen machen bis zu 20 Prozent des Verkaufspreises aus. Da mit der hochmodernen Anlage die Kosten für den Einbau der individuellen Spezifikationen reduziert würden, dürfte sich dies positiv auf die Margen des Unternehmens auswirken. Ferrari-CEO Benedetto Vigna erwartet eine daraus resultierende Margensteigerung bei gleichzeitigem Umsatzwachstum. Um mit dem Betrieb des neuen Werks mit der Nachfrage nach Ferraris mithalten zu können, wird die Belegschaft des Konzerns um vier Prozent erweitert.

Von den Entwicklungen der chinesischen Autobauer unberührt, kaufen Investoren mit Ferrari hohe Profitabilität mit tieferen Wachstumsaussichten. Die Vorreiterrolle Ferraris im EV-Luxussegment könnte besonders bei wohlhabenden Kunden auf Anklang stossen. Für Investoren ist jedoch der hohe Preis ein Wermutstropfen.