Auch in der neuen Handelswoche bleibt der Iran-Krieg im Fokus der Anleger. Bereits vor der Wiedereröffnung der für Öltransporte wichtigen Strasse von Hormus erreichten Börsenindizes an der Wall Street und in Japan in den vergangenen Tagen Allzeithochs. Der Schweizer Aktienmarkt legte dann zum Wochenausklang kräftig zu.
«Reichen bereits die Andeutungen weiterer Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien zur Erklärung dieser Kurssprünge, oder steckt mehr dahinter?», fragt sich Sascha Rehbein, Portfoliomanager bei der Weberbank.
Israel und der Libanon hatten am Donnerstag einer zehntägigen Waffenruhe zugestimmt. Damit ist ein Haupthindernis für ein umfassenderes Friedensabkommen im Nahen Osten beseitigt. Daraufhin gab der Iran die Strasse von Hormus für die Dauer der Waffenruhe im Libanon wieder vollständig für die Handelsschifffahrt frei. Zudem könnten sich die Verhandlungsdelegationen der USA und des Iran laut US-Präsident Donald Trump schon dieses Wochenende wieder treffen.
Rehbein führt die steigenden Aktienkurse zudem unter anderem auf US-Innovationen im KI-Sektor und positive Überraschungen zum Auftakt der neuen Bilanzsaison zurück.
Am Freitag ging der Swiss Market Index (SMI) mit einem Plus von 1,92 Prozent auf 13'426,72 Punkten aus dem Handel, was gleichzeitig das Tageshoch war. Für die Gesamtwoche resultiert ein Plus von 1,8 Prozent, womit die Märkte das vierte Wochenplus in Folge verzeichneten. Der SMIM für die mittleren Werte gewann 2,28 Prozent auf 3071,39 Punkte und der breite SPI legte 1,95 Prozent auf 18'874,94 Zähler zu.
Die US-Aktienmärkte legten ebenfalls zu. Der technologielastige Nasdaq 100 sowie der marktbreite S&P 500 schraubten ihre jüngsten Rekorde weiter hinauf. Zum Handelsschluss stieg der Nasdaq 100 um 1,29 Prozent auf 26'672,43 Punkte und verbuchte damit ein Wochenplus von 6,2 Prozent. Der S&P 500 gewann am Feitag 1,20 Prozent auf 7126,06 Zähler, womit sich auf Wochensicht ein Plus von 4,5 Prozent ergibt.
Derweil drückten die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs und die Wiederöffnung der Strasse von Hormus die Ölpreise auf Wochensicht um rund 13,5 und 7,5 Prozent nach unten. Im März hatten die Preise um rund 25 und 40 Prozent zugelegt.
ABB, Nestlé und Roche geben Zahlen bekannt
Ben Laidler, Chefstratege bei Bradesco BBI, zeigt sich jedoch optimistisch. «Anleger sind vorausschauend. Die relativen Bewertungen sehen gut aus, die Unternehmensgewinne sind nach wie vor sehr stark, und geopolitische Ereignisse haben sich in der Vergangenheit fast immer als Kaufgelegenheit erwiesen.» Für eine Fortsetzung der Rally bräuchte es jedoch eine Bestätigung der jüngsten Kursgewinne - nicht nur durch eine Deeskalation im Iran, sondern auch durch starke Bilanzen für das erste Quartal.
Anleger blicken daher gespannt auf die Bilanzsaison. In der neuen Woche werden unter anderem ABB, Holcim, Kühne+Nagel, Nestlé und Roche die Bücher öffnen.
In den USA steht nach den Bilanzen der grössten Banken eine Reihe von Finanzberichten weiterer wichtiger Konzerne an. Ihre Ergebnisse präsentieren unter anderem Boeing, Tesla, Intel und Procter & Gamble.
Einkaufsmanagerindizes und Ifo-Index im Blick
Auf der Konjunkturseite steht die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes im Euroraum und in den USA am Donnerstag auf der Agenda. Diese dürften im April «in den Bereich abrutschen, der in der Vergangenheit mit einer Kontraktion der Wirtschaft einherging, denn die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Iran-Kriegs und einen baldigen Rückgang der Energiepreise hat sich nicht erfüllt», sagt Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. Deshalb dürfte auch der am Freitag anstehende Ifo-Index für April erneut deutlich sinken.
Anleger achten zudem auf Daten zu den deutschen Erzeugerpreisen für März, die am Montag veröffentlicht werden. Am Dienstag legt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Umfrage zur Konjunktureinschätzung der Investoren im April vor.
Ebenfalls am Dienstag stehen die Zahlen zu den US-Einzelhandelsumsätzen im März an. Zur Wochenmitte warten Börsianer auf Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im April.
(Reuters)

