Architektur - Amazon, Facebook, Google: Die Traumpaläste der Tech-Riesen

Selbst in Zeiten von Homeoffice planen Tech-Konzerne riesige Firmensitze. Macht zeigt sich auch in der Architektur.
28.02.2021 12:40
von David Torcasso
Eyecatcher in Virginia: Amazon Headquarters 2 in Arlington.
Eyecatcher in Virginia: Amazon Headquarters 2 in Arlington.
Bild: ZVG

Seit Ausbruch der Coronakrise bewegen wir uns noch mehr online – wir arbeiten im Homeoffice, tätigen von dort aus Videocalls, kaufen übers Netz ein und verbringen viel Freizeit auf Sozialen Netzwerken. 

Home Office? Remote Living? Ausgerechnet die Tech-Giganten setzen andere Akzente. Reihenweise haben sie in letzter Zeit prunkvolle, grosse und architektonisch auffällige Hauptquartiere aus dem Boden gestampft oder in Pläne gegossen. Die Projekte bieten Platz für tausende Mitarbeiter, sollen zu Pilgerstätten werden und sind vor allem für eins gedacht: für Arbeit vor Ort, für den Austausch. Und nicht fürs Homeoffice. 

Der Apple Park, früher Apple Campus, in Cupertino wurde 2017 eröffnet (Bild: Imago Images/Zuma Wire).

Der Apple Park, erbaut vom britischen Stararchitekten Sir Norman Foster, ist ein Exempel für die Attitüde der Tech-Konzerne. Die ringförmige Anlage mit 260'000 Quadratmeter Nutzfläche – womit sie sogar das Pentagon übertrifft – stand auch schon in der Kritik.

Sie sei das "ultimative Beispiel" für Büroparks, welche wieder zu einer Zersiedlung beitragen und die Mitarbeiter dazu bewegen, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, liessen Umweltschutzorganisationen ausrichten. Andere Interessengruppen bemängelten, dass eine solch teure Immobilien nicht für Büros, sondern erschwinglichen Wohnraum genutzt werden könnte, wie die "New York Times" berichtete

Amazon braucht zwei Hauptquartiere

Eine Neigung zum Klotzen beweist nun Amazon. Der E-Commerce- und Cloud-Konzern hat seinen Hauptsitz in Seattle – dort wurde bereits mit mehreren Gebäuden ein Campus mitten in der Stadt errichtet. Nun plant Amazon noch ein zweites Headquarter.

Dieser so genannte Helix ist ein Hochhaus, das in Arlington, Virginia, zu stehen sein: Es ist, wenig erstaunlich, als "sustainable building" geplant, eine Rampe mit Bäumen und Parks schlängelt sich an dem Hochhaus hinauf. Wie bei den anderen Tech-Unternehmen bietet der Amazon-Bau nicht nur Arbeitsplätze und Meeting Rooms, sondern auch Fitnessstudios, Läden und eigene Gesundheitseinrichtungen. 

Denn dafür sind AmazonAppleGoogle und Co bekannt: Sie wollen zumindest ihren hochqualifizierten Mitarbeitern alles bieten, was sie zum Leben benötigen. Böse Zungen behaupten, dass sie ihre Mitarbeiter damit ständig auf dem Campus halten können – und damit in der Firma und bei der Arbeit. 

Ein Viertel aller Facebook-Mitarbeiter an einem Ort

Mit viel Grün und Flächen zum Verweilen zeichnet sich auch das erweitere Hauptquartier von Facebook in Menlo Park aus. Der Social-Media-Gigant war schon immer in dieser kalifornischen Stadt beheimatet, hat jetzt aber noch ausgebaut.

Facebook beschäftigt weltweit rund 50'000 Mitarbeiter, rund ein Viertel arbeitet im Hauptquartier in Menlo Park, das über 30 Gebäude umfasst. 

Architektonisch hat sich Facebook im Vergleich zu anderen Unternehmen zurückgehalten und kein Gebäude hingestellt, welches auch zum Eyecatcher wird. Trotzdem zeigen die Betreiber des grössten Sozialen Netzwerks der Welt auch das Bestreben, die Mitarbeiter ständig an einem Ort zu versammeln und ihnen dafür möglichst viel Unterhaltung und Freizeitmöglichkeiten innerhalb des Campus zu bieten. Arbeit und Freizeit sollen dabei ineinanderfliessen.

Obwohl Facebook während der Pandemie seinen Mitarbeitern auch Homeoffice verordnet hat, deutet dieser Bau nicht darauf hin, dass diese künftig konsequent telearbeiten werden.

Ahnung auf Arbeiten der Zukunft

Eines zeigt sich in allen Projekten: Sie lassen ahnen, wie man sich an der Spitze der Tech-Konzerne die Zukunft der Arbeit vorstellt.

Auch Alphabet erwartet, dass grossflächige Campus-Anlagen mit grossem Freizeit-Anteil gefragt bleiben. Der Google- und Youtube-Konzern hat zwar ebenfalls eine ausgedehnte Home-Office-Politik verkündet, doch zugleich erweitert er seine Niederlassungen und den Hauptsitz in Kalifornien stetig.

Beim neuen "Googleplex", derzeit im Bau sollen unter einem riesigen Dach sehr mobile Einheiten und Blöcke entstehen, die auch leicht verschoben werden können.

Der Bau ist auch in einem weiteren Aspekt typisch für die Kultur in der Branche: Er strebt nicht in die Höhe, sondern breitet sich aus (so dass auch eingeplant ist, dass man sich manchmal per Velo von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz bewegt). Eher Campus als die Skyscraper, die für die dominierenden Konzerne des 20. Jahrhunderts noch das Mass aller Dinge waren.

Eine Joggingbahn mitten im Hochhaus

Anders allerdings der Anspruch von Tencent in Shenzhen. Chinas grosses Tech-Konglomerat errichtet laut eigener Angabe einen "vertikalen Campus" – es sind zwei Hochhäuser, die miteinander verbunden sind. Das soll symbolisch dafür stehen, dass sich die rund 10'000 Mitarbeiter in den Gebäuden untereinander treffen sollen.

Könnte bald Realität werden: Tencent-Campus an der Küste bei Shenzhen (Grafik: zVg).

Die beiden Bauten sind mit einer kupferfarbigen Brücke miteinander verbunden. Sie bieten Einrichtungen, die von den Mitarbeitern im Nord- und Südturm gemeinsam genutzt werden, wie beispielsweise ein Gesundheitszentrum, eine Bibliothek und eine Laufbahn, die sich zwischen den beiden Gebäuden hindurch schlängelt. 

Doch damit nicht genug: Tencent möchte in Shenzhen mit dem amerikanischen Architekturbüro NBBJ weiter gehen und die ganze Seeseite mit weiteren Gebäuden bespielen. Dieses Vorhaben ist zwar erst eine Vision, aber passt zu den schier grenzenlosen Möglichkeiten, die ein Unternehmen des Kalibers von Tencent in China hat. 

Europa in China

Dass es nicht immer hoch hinaus muss, zeigt auch das Hauptquartier des 5G-Konzerns Huawei. Es ist ebenfalls in der chinesischen Metropole Shenzhen angesiedelt, aber total anders konzipiert als das von Tencent: Huawei stellte sich ein Stück Europa ins südliche China.

Wobei auch Huawei den Campus am Stadtrand betreibt – der Grund liegt auf der Hand: Der Technologiekonzern hat dort eine Stadt in der Stadt gebaut. Inspiriert von europäischen Universitätsstädten erinnert die Anlage an ein Art zusammengewürfeltes Europa und zeigt die Sehnsucht der Chinesen nach etwa der italienischen Architektur auf. 

Auch hier müssen Mitarbeiter lange Anfahrtswege auf sich nehmen – immerhin möglich mit der Metro – um in den Campus zu gelangen. Das Unternehmen belohnt die Mitarbeiter für den Arbeitsweg mit zahlreichen Restaurants, Cafés, Fitnessanlagen und sonstigen Einrichtungen, die sie zum Leben benötigen.

 

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei der Handelszeitung unter dem Titel «Die Traumschlösser der Tech-Giganten».