Kleine Biotech-Startups gehören zu den Favoriten spekulativ orientierter Anleger. Eine Konstante begleitet die Valoren von Idorsia, Molecular Partners, Newron oder Santhera: Kursgewinne von mehreren hundert Prozent im Idealfall bis zum Totalverlust sind an der Tagesordnung.
Wer das Risiko der Einzeltitel in diesem Sektor nicht scheut, wird bei der US-Investmentbank Stifel fündig. Deren Analysten decken mehr als 20 kleinere europäische Biotechunternehmen ab. Bei den Empfehlungen für Abivax, Nanobiotix, Oxford Biomedica oder Synektik lagen die Stifel-Experten mit ihren Kaufempfehlungen in den letzten Jahren goldrichtig. Alle drei Titel verdoppelten sich mindestens. Der Top-Performer Abivax stieg innert Jahresfrist gar auf 102 von 5 Euro mit weiterem Raum nach oben. Stifel hat das Kursziel jüngst auf 142 Euro hochgeschraubt.
cash.ch hat unter den Stifel-Kaufempfehlungen fünf vielversprechende Biotech-Titel ausgewählt, die über ein Kurspotenzial von mehr als 200 Prozent verfügen:
BioInvent
Die schwedische BioInvent ist auf die Erforschung und Entwicklung neuartiger, immunmodulatorischer Antikörper in der Krebstherapie spezialisiert. Der Wettbewerbsvorteil von BioInvent ist die proprietäre Technologieplattform, welche es ermöglicht, klinisch relevante Ziele bei der Medikation und hochwertige Antikörper gleichzeitig zu identifizieren.
Das Unternehmen ist Partnerschaften mit Casi Pharmaceuticals, AstraZeneca, Merck & Co und Pfizer eingegangen. Mit fünf Wirkstoffkandidaten in der klinischen Entwicklung hängt der Erfolg nicht von einem einzigen Molekül ab. Sitfel attestiert dem Titel ein Kurspotenzial von 200 Prozent auf einen Preis von 90 schwedischen Kronen.
Bioversys
Das Schweizer Biotechunternehmen Bioversys hat seit dem IPO zu 35 Franken und einem Kursverlust über elf Monate von knapp 35 Prozent keine Stricke zerrissen. Das letzte Update vom Dezember stimmt den Sifel-Analysten Clemence Thiers aber durchaus optimistisch. BioVersys gab damals den Übergang beim wichtigsten Antibiotika-Wirkstoff BV100 in die Phase 3 bekannt.
Die operativen Schritte verlaufen weitgehend planmässig, so das Fazit des Stifel-Experten. Die Zulassungsstudie basiert auf Phase-2-Daten, die bereits einen deutlichen Überlebensvorteil belegten und somit eine klinisch fundierte Grundlage für die Zulassungsprüfung bieten. 2025 stärkte BioVersys seine strategische Position durch die Finanzierung, Partnerschaften und konkreten klinischen Fortschritten bei mehreren Wirkstoffkandidaten erheblich. Das Kursziel lautet 70 Franken, was ein Upside von etwas mehr als 200 Prozent ergibt.
Kooth
Kooth ist ein seit über 20 Jahren etabliertes Unternehmen in Grossbritannien, das Dienstleistungen rund um die digitale mentale Gesundheit bei Jugendlichen erbringt. Die Integration in das staatliche Gesundheitssystem schafft einen starken Burggraben - ein sogenannter Moat - gegen Wettbewerber. Das Unternehmen schliesst eine strukturelle Lücke im Gesundheitssystem zwischen «keiner Hilfe» und «klinischer Therapie». Dabei ist die Expansion in die USA derzeit der wichtigste Wachstumstreiber.
Kooths Ansatz und der Antrag bei der FDA konzentrieren sich auf den verantwortungsvollen Einsatz von KI zur Unterstützung seiner Anwender, anstatt eine autonome, verbraucherorientierte App bereitzustellen, so der Analyst Peter McNally von Stifel. Dies sei ein Ansatz, der sich im Zuge der Regulierung zunehmend durchsetzen dürfte. Der Stifel-Experte erwartet, dass die Firma 2026 eigene KI-Tools auf den Markt bringen wird. Diese können Kooths einzigartigen klinischen Datensatz nutzen, der als Plattform für Dienstleistungen dient und dazu beitragen kann, die Position des Unternehmens in der Branche sowie bei potenziellen Kostenträgern - wie Regierungen und Versicherungen, zu festigen. Das Kurspotenzial veranschlagt Stifel auf 380 Prozent.
Maat Pharma
Maat Pharma ist spezialisiert auf Mikrobiom-Therapien (Darmflora) zur Behandlung von Krebskomplikationen. Wichtigster Treiber ist das Medikament Xervyteg gegen eine lebensgefährliche Abstossungsreaktion. Hier wird eine EU-Zulassungsentscheidung für Mitte 2026 erwartet. Gelingt dies, wäre MaaT Pharma ein Vorreiter in Europa mit einem Produkt, das eine hohe medizinische Notwendigkeit adressiert.
Die Analysten von Stifel zeigen sich zuversichtlich, dass das französische Biotechnologieunternehmen aus Lyon die letzte regulatorische Hürde schafft. Das Kursziel liegt bei 19 Euro, was ein Kurspotenzial von 320 Prozent ergibt.
Nanoform Finland
Das aus Helsinki stammende Unternehmen Nanoform Finland ist kein klassischer Medikamentenentwickler, sondern ein spezialisierter CDMO-Dienstleister wie Lonza oder Siegfried. CDMO steht für «Contract Development and Manufacturing Organization». Der Fokus liegt auf der sogeannten «Nanonisierung» von Wirkstoffen, weil 70 bis 90 Prozent der klassischen Wirkstoffe nicht wasserlöslich sind und entsprechend die Zulassungskriterien nicht erfüllen.
Nanoform Finland nutzt bei dieser Herausforderung seine proprietäre Technologie, um Wirkstoffpartikel in den Nanobereich zu verkleinern. Dadurch vergrössert sich die Oberfläche, die Löslichkeit steigt und die Bioverfügbarkeit verbessert sich. Die Experten von Stifel zeigen sich zuversichtlich, dass Nanform seine mittelfristig ambionierten Ziele einhalten kann. Das Kurspotenzial beträgt gut 200 Prozent.
Risikomanagement ist das A und O
Systematisch engagieren Anleger im Biotechnologie-Sektor in Holdingsgesellschaften, Biotech-ETFs oder Fonds wie den BB Biotech, den «HBM Healthcare» oder den an der Schweizer Börse BX Swiss kotierten Fonds Pictet Biotech. Alternativ bieten sich auch der «iShares Nasdaq US Biotechnology ETF» oder der «Vanguard Health Care ETF» an, wobei letzterer in den Sektoren Pharma, Biotechnologie und Medizinaltechnik diversifiziert ist. Am Schweizer Aktienmarkt bietet sich zudem das Unternehmen Xlife Science an, welches in aufstrebende Startups investiert und diesen mit Know-how im Wachstumsprozess zur Seite steht. Mit diesem kann eine breite Diversifikation auch in den nicht-kotierten Wachstumsbereich erreicht werden.
Wer auf einen oder mehrerer dieser fünf Einzeltitel setzt, sollte nur einen kleinen Teil von maximal ein Prozent seines gesamten Vermögens in einen Valor investieren. Das Risiko ist gross, dass diese Biotechnologiefirmen den Durchbruch nicht schaffen und als Non-Valeur im Depot enden.
Ein strukturierter Ansatz könnte sein, rund fünf Prozent des Vermögens im Pharma- und Biotechnologie-Sektor auf einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren zu investieren. Ein Portfolio-Zusammensetzung könnte dann wie folgt aussehen: 40 Prozent in einem von den vorhin erwähnten, bekannten und etablierten Pharma- oder Biotech-Anlageinstrumenten, 10 Prozent in Xlife Science sowie je weitere 10 Prozent an den fünf Einzeltiteln BioInvent, BioVersys, Kooth, Maat Pharma und Nanoform Finland. Defensiver orienterte Investierende können den ETF-Anteil erhöhen und die Einzeltitel anteilsmässig reduzieren.
Eine Diversifkation über Biotech-Titel und Segmente hinweg bleibt für Anlegerinnen und Anleger überlebenswichtig. Das zeigt die Kursperformance über die letzten fünf Jahre bei den bekannten hiesigen Biotechunternehmen. Newron und Kuros top mit Kursgewinnen von über 1'000 Prozent. Auf der anderen Seite der Skala stehen Addex, Molecular Partners, Relief Therapeutics je mit einem minus von 80 Prozent und mehr. In diese Kategorie gehört auch die jüngst wieder auferstandene Idorsia, die auf fünf Jahre immer noch 86 Prozent tiefer gehandelt wird.

