Börse - Wall Street plant Rückkehr der Banker ins Büro

New York beendet den Lockdown und die Impfungen nehmen Fahrt auf. Für die Banken an der Wall Street bedeutet dies, dass eine Rückkehr der Mitarbeiter ins Büro anstehen könnte.
21.03.2021 13:10
Händler mit Atemschutz an der New Yorker Börse am Tag der teilweisen Wiedereröffnung der Handelsräume am 26. Mai 2020.
Händler mit Atemschutz an der New Yorker Börse am Tag der teilweisen Wiedereröffnung der Handelsräume am 26. Mai 2020.
Bild: imago images / Xinhua

Ein Jahr nachdem die Wall Street Mitarbeiter in Scharen nach Hause geschickt hatte, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, nimmt eine umfassende Rückkehr Gestalt an - für einige Unternehmen der Branche keinen Moment zu früh. Viele sind Zoom leid und die Arbeit kollidiert oft mit dem Leben daheim, sagen viele Banker und Chefs.

Bei JPMorgan sollen in den kommenden Monaten Hunderte von Praktikanten Büros in New York und London bevölkern. Citigroup stellt für seine Angestellten Covid-Schnelltests bereit als Teil ihrer Pläne, Menschen sicher an den Arbeitsplatz zurückzubringen. Auch Goldman Sachs sagte, man hoffe zum Sommer wieder mehr Mitarbeiter physisch anwesend zu haben.

Mitarbeiter sollen ins Büro

Es gibt Ausnahmen und zunehmende Flexibilität - Unternehmen wie Apollo Global Management ziehen Hybridmodelle in Erwägung. Obwohl andere Branchen offen für eine dramatische Umgestaltungen der Arbeitswelt nach der Pandemie sind, ist die Haltung der New Yorker Finanzbranche klar: Mitarbeiter sollen im Büro sein. Es geht nur darum, wie schnell und wie sicher das vonstatten gehen kann.

“Wir haben das klare Ziel, wieder zusammen im Büro zu sein”, sagte Evercore Co-Chief Executive Officer Ralph Schlosstein in einem Bloomberg-Interview am Dienstag. “Wir ermutigen alle, sich impfen zu lassen, sobald sie dazu berechtigt sind.”

Die Rückkehr in die Banken käme nach diversen Anläufen und ist abhängig von einem Virus, das sich als schwer kontrollierbar erwiesen hat. HSBC etwa musste diese Woche ihr Büro in Hongkong bis auf weiteres schliessen, nachdem drei Personen, die in dem Gebäude arbeiten, positiv auf Covid-19 getestet wurden.

14,5 Prozent am Arbeitsplatz

Die Wall Street hatte bereits im Herbst versucht, Banker und Händler in ihre Büros zurückzulocken, als die Fallzahlen zurückgingen und Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet wurden. Das war schnell Makulatur, als das Virus im Winter zurückkam. Bis zum 3. März waren laut Angaben der Sicherheitsfirma Kastle Systems nur 14,5 Prozent der Büroangestellten in der Region New York zurück an ihrem Arbeitsplatz.

Diesmal könnte es anders laufen. Impfstoffe sind verfügbar und Präsident Joe Biden hat die Bundesstaaten gebeten, sicherzustellen, dass alle Erwachsenen bis zum 1. Mai eine Impfung bekommen können. New York wird seine öffentlichen Schulen wieder für Präsenzunterricht öffnen. Letzte Woche stieg die Nutzung der U-Bahn auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie.

Vorsicht mit konkreten Terminen

Banken sind weiterhin vorsichtig, wenn es um konkrete Termine für eine Wiedereröffnung ihrer Büros geht. Der Prozess könnte sich noch über viele Monate hinziehen. Die Aussicht, dass Unternehmen einen zweiten Jahrgang virtueller Praktikanten und Analysten ausbilden müssen, zeigt die Dringlichkeit. Neulinge lernten oft, indem sie einem erfahrenen Händler über die Schulter schauen und bei Kundenterminen mitgehen - beides nicht so einfach in einer Arbeitswelt aus Videokonferenzen.

“Es ist wichtig, für Zusammenarbeit und Kommunikation beisammen zu sein”, sagte John Buchanan, Chief Operating Officer und Leiter Strategie für Mizuho Americas. „Und eines der wichtigen Dinge ist die Ausbildung unserer jungen Leute. Dies ist ein Geschäft, wo man Lehrzeit braucht. Die Leute lernen von ihren Mentoren.“

Möglicherweise werden die Banken auch keine andere Wahl haben, als viele Arbeitnehmer zurückzubringen. In der Vergangenheit mussten etwa Händler im Büro sein, damit Unternehmen sie leichter auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften hin überwachen konnten. Mit Beginn der Pandemie gab es Sonderregeln von den Aufsichtsbehörden. Jetzt wird überlegt, ob Arbeit von daheim dauerhaft zugelassen wird.

Grosse Branchenunterschiede

Von den grossen Arbeitgebern im Silicon Valley planen viele, einen Grossteil ihrer Leute dauerhaft zu Hause zu lassen, so Rob Dicks, Talent- und Organisationsleiter von Accenture für die Kapitalmärkte.

Facebook hatte etwa gesagt, bis zu 50 Prozent seiner Mitarbeiter können von daheim arbeiten. Twitter stellt es seinen Mitarbeitern grundsäztlich frei, ganz zu Hause zu bleiben, wenn sie das möchten. Salesforce.com der grösste private Arbeitgeber in San Francisco, setzt auf flexible Arbeit nach der Pandemie.

„Hier sehen Sie den Untereschied zwischen den Banken, die sagen:‚ Ja, aber wir wollen Sie hier sehen‘, und den Technologiefirmen, die sagen: ‚Hey, Sie haben wahrscheinlich Recht, Sie haben ja bewiesen, als Team und Individuum, dass Sie von zu Hause aus arbeiten können“, sagte Dicks und fügte hinzu, dass Finanzunternehmen möglicherweise nachgefragten Leuten aus dem Tech-Bereich werden entgegenkommen müssen.

Ford Motor sagte seinen Mitarbeitern am Mittwoch, mehr als 30'000 von ihnen bräuchten auch nach der Pandemie nur dann ins Büro zu kommen, wenn dies erforderlich ist. Apollo testet die Möglichkeit, seine Mitarbeiter zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Buchanan von Mizuho sagte, dass er nur eines sicher weiss. “Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass wir weder zu 100 Prozent von zu Hause noch zu 100 Prozent im Büro arbeiten werden”, sagte er. “Das ist eine breite Spanne.”

(Bloomberg)