Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen kurbelt das Geschäft von Amazon an. Die ‌Cloud-Tochter Amazon ⁠Web Services (AWS) beschleunigte ihr Wachstum. «AWS boomt», sagte Andy Jassy, der Chef des weltgrössten Online-Händlers, bei der Vorstellung der ⁠Quartalsergebnisse am Donnerstag. Die überraschend starken Zahlen dämpften die Sorgen einiger Anleger, dass sich die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren nicht auszahlen.

AWS ‌steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden ‌Dollar. Dies sei das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen, ​betonte Jassy. Analysten hatten mit einem Plus von rund 31 Prozent gerechnet. Die Cloud-Sparten der Konkurrenten Google und Microsoft wuchsen jedoch um 82 beziehungsweise 43 Prozent. Ein weiterer Wermutstropfen der Amazon-Bilanz war der Mittelabfluss von 7,6 Milliarden Dollar durch die hohen Kosten für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Google verbrannte im gleichen Zeitraum fast sechs Milliarden Dollar.

«Die Flut hebt alle Boote»

Amazon-Aktien stiegen im nachbörslichen Handel an der Wall Street dennoch um bis zu neun Prozent. «Die Sorgen, dass AWS Marktanteile verlieren könnte, haben sich zerstreut», sagte Portfoliomanager Dan Morgan vom Vermögensverwalter Synovus. Die Amazon-Tochter könne ​ihre Position als weltgrösster Cloud-Anbieter behaupten. «Die KI-Flut hebt alle Boote.»

Wegen der zunehmenden Verbreitung von ​KI und des rasant wachsenden Bedarfs an Rechenleistung werden die ​Investitionen in KI-Infrastruktur 2026 um mehr als 60 Prozent auf 822 Milliarden Dollar steigen, prognostizieren die Experten der Beratungsfirma Gartner. Die Analysten der ‌Bank Morgan Stanley rechnen damit, dass diese Summe im kommenden Jahr auf mehr als eine Billion Dollar anwachsen wird.

Gewinnschub durch Anthropic-Beteiligung

Amazons Konzernerlöse legten weiteren Angaben zufolge im Berichtszeitraum um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar zu. Der ​Reingewinn übertraf ​mit 5,75 Dollar je Aktie die Markterwartungen um ein ⁠Vielfaches. Hier wirkten sich Buchgewinne aus der Beteiligung am KI-Entwickler Anthropic positiv ​aus. Dieser war bei ⁠einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet worden. Inzwischen hat das Startup einen vertraulichen Antrag für ‌sein Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq gestellt.

Für das laufende Quartal stellte Amazon ein Umsatzplus von neun bis zwölf Prozent auf 197 bis 202 Milliarden Dollar in Aussicht. Der operative Gewinn werde ‌voraussichtlich um 29 bis 52 Prozent auf 22,5 bis 26,5 Milliarden Dollar steigen. ​Diese Prognose bleibe zwar hinter den Markterwartungen zurück, schrieb Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Das Management sei mit seinen Vorhersagen jedoch traditionell konservativ und übertreffe sie häufig. 

(Reuters)