Die Ankündigung einer Waffenruhe im Iran-Krieg hat den Börsen ein Kursfeuerwerk beschert. Der Swiss Market Index legt 2,8 Prozent zu. Der Dax notierte am Mittwochvormittag 4,6 Prozent höher bei 23.971 Punkten. Der EuroStoxx50 legte um 3,5 Prozent auf 5078 Zähler zu. Damit steuerten beide Börsenbarometer auf ihr grösstes Plus seit März 2022 zu.
Weniger als zwei Stunden vor Ablauf eines von ihm gesetzten Ultimatums stimmte US-Präsident Donald Trump einer zweiwöchigen Waffenruhe mit dem Iran zu. Bedingung sei, dass der Iran seine Blockade der für Öltransporte wichtigen Strasse von Hormus aufhebt, teilte Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social mit. «Die Waffenruhe ist der erste Schritt in die richtige Richtung», kommentierte Christian Henke, Chefanalyst des Brokers IG. «Allerdings werden die Verhandlungen in Pakistan zeigen, inwieweit die USA und der Iran an einem dauerhaften Frieden interessiert sind.» Für eine Einigung spreche jedoch unter anderem, dass beide Seiten ein wirtschaftliches Interesse hätten: Der Iran leide deutlich unter den Sanktionen, während die USA an einem günstigen Ölpreis interessiert seien.
Ein Risiko bleibt
Andere Marktbeobachter zeigten sich jedoch vorsichtig. Die Waffenruhe «ist ein guter Anfang und könnte den Weg für eine dauerhaftere Wiederöffnung ebnen - allerdings gibt es noch viele offene Fragen», sagte IG-Analyst Tony Sycamore. Zugleich könnte sich der Iran laut Saul Kavonic von MST Marquee selbst bei einem Friedensabkommen ermutigt fühlen, die Strasse von Hormus künftig häufiger zu bedrohen. Je nach Ausgestaltung eines solchen Abkommens bestehe zugleich weiterhin Spielraum dafür, dass sich am Markt auf absehbare Zeit eine geopolitische Risikoprämie verfestigt, fügte Vivek Dhar von der Commonwealth Bank hinzu.
Auch mit Blick auf den Rückgang beim Ölpreis verwiesen Experten auf anhaltende Risiken. «In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen», schrieben die Analysten der LBBW. Damit blieben anhaltende Lieferkettenstörungen an den Energie- und Gütermärkten ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
Die fallenden Energiepreise liessen zugleich unter Händlern die Hoffnung auf einen Rückgang der Inflation und eine Zinssenkung der US-Notenbank noch im laufenden Jahr aufkeimen. Sie bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung auf der letzten Zinssitzung im Dezember laut dem FedWatch-Tool der CME Group als nahezu ausgeglichen. Am Dienstag hatten sie die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Zinspolitik der Fed noch auf 74,5 Prozent taxiert. Die Fed versucht, mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.
Zu den grössten Gewinnern unter den Einzelwerten gehörten Aktien aus dem Reise-, Industrie-, Bank- und Technologiesektor, die als Hauptprofiteure niedrigerer Energiekosten und fallender Anleiherenditen gelten. Die entsprechenden Branchenindizes kletterten um rund sechs bis sieben Prozent. Der Energie-Sektorindex rutschte hingegen im Kielwasser der fallenden Ölpreise um vier Prozent ab.
Im MDax stachen Redcare Pharmacy mit einem Kurssprung von fast 15 Prozent nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen heraus. Um knapp zehn Prozent nach unten ging es hingegen für K+S. Ein Händler verwies darauf, dass der Düngemittelkonzern zuletzt von stockenden Kali-Exporten aus dem Nahen Osten profitiert hatte. Unter Druck gerieten auch europäische Rivalen von K+S, etwa Yara in Norwegen und OCI in den Niederlanden.

