«Buy the dip» - die Strategie, bei der man Aktien nach Kursrücksetzern kauft und wieder steigenden Notierungen erwartet: Bei einer Gruppe von Schweizer Aktien kann sie mittelfristig aufgehen.
Zu diesen Titeln zählen die Valoren des Pharmazulieferers Lonza. 2021 waren sie heiss begehrt, stiegen auf 785 Franken - das Allzeithoch. Und zwischen November 2023 und Juni 2025 schnitt keine andere Aktie des Swiss Market Index (SMI) so gut ab wie jene des Pharmazulieferers aus Basel, die um fast 80 Prozent vorrückte. Anfang 2025 gelang auch nochmals der Sprung über die 600-Franken-Schwelle.
Inzwischen sind die Valoren des Investorenlieblings unter erheblichen Schwankungen auf 507 Franken angekommen. Anleger fragen sich: Kommt hier noch was? Experten antworten: Ja.
Lonza bleibe das qualitativ hochwertigste Unternehmen der Branche, schreiben die Analysten des US-Finanzdienstleisters Stifel diese Woche in einer Studie zum CDMO-Markt («Contract Cevelopment and Manufacturing Organization»; vereinfacht: «Pharmaauftragsfertiger»).
In diesem Markt sehen die Stifel-Experten den Trend hin zu einer vergleichsweise hohen Auslagerung von Biologika durch Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Biologika würden öfter ausgelagert als kleinmolekulare Substanzen. Es handelt sich Wirkstoffe, die in Zellkulturen von Lebewesen hergestellt werden. Diese dienen als eine Art lebende Fabriken für die komplexen Eiweissketten. Die Arzneien werden dann beispielsweise gegen Rheuma, Diabetes und Krebs eingesetzt.
Lonza hat ein starkes Standbein in diesem Feld. Der Bereich hat rund die Hälfte zum Gesamtumsatz 2025 beigesteuert und ist bei einer operativen Marge von 35,3 Prozent um rund 32 Prozent gewachsen. Geholfen hat hierbei die Integration des Werks in Vacaville, das Lonza von Roche gekauft hatte. Ausserdem sind mehr als ein Drittel aller Investitionsausgaben in die Biologika-Sparte geflossen.
Somit trifft Lonza mit dem Schwerpunkt auf Biologika den Trend, den die Stifel-Experten im Markt ausgemacht haben. Sie stufen die Aktien des Basler Unternehmens mit «Buy» ein und trauen ihr mittelfristig den Aufstieg auf 650 Franken zu. Dieses Kursziel bedeutet ein Aufwärtspotenzial von 28 Prozent gegenüber dem aktuellen Preis der Aktie. Der Konsens aller bei Bloomberg erfassten Experten sieht sogar 32 Prozent Raum nach oben, wobei 90 Prozent der Analysten eine Kaufempfehlung für Lonza abgegeben haben.
Nach Höhenflug und Abschwung: Galderma und Swissquote haben Luft nach oben
Galderma hat eine Erfolgsgeschichte an der Schweizer Börse geschrieben. Das Allzeithoch bei 170 Franken wurde im Dezember erreicht, nachdem die Valoren zum Börsengang im Frühjahr 2024 bei 61 Franken in den Handel starteten.
Nach einem Rücksetzer auf 142 Franken Ende Januar haben die Aktien des Dermatologiespezialisten wieder auf 152 Franken angezogen. Von hier aus kann es weiter aufwärts gehen, zumindest nach Einschätzung mancher Analysten und Finanzinstituten. Die Bank of America sieht in Galderma einen qualitativ hochwertigen Wachstumswert. Der zuständige Analyst erwartet ein Umsatzplus von gut 16 Prozent und eine deutlich erweiterte operative Marge im Jahr 2026.
Grosse Stücke haben die Experten auf das Medikament Nemluvio, das schon seit längerem als Hoffnungsträger gilt, nun aber auch viel Geld in die Kassen des in Zug beheimateten Unternehmens einspielen soll. Die Deutsche Bank (DB) veranschlagt den Spitzenumsatz von Nemluvio bei zwei Milliarden US-Dollar; er solle in den nächsten Jahren realisiert werden.
Diese Summe ist deutlich mehr als Galderma zuletzt über alles hinweg in einem Quartal umgesetzt gesetzt hat - so waren es im dritten Jahresviertel 2025 rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Über den Umsatz des Gesamtjahres 2025 wird das Management Anfang März informieren.
Nicht mehr vom Fleck kommt derzeit Swissquote. Die Aktie hält sich derzeit noch knapp über der 400-Franken-Marke, wobei sie im vergangenen Sommer zum Allzeithoch von 570 Franken gehandelt wurde. Die Valoren gelten als «Bitcoin-Ersatz». Der Logik nach können Anleger, denen die Kryptowährungen nicht behagt, die Aktien der Online-Bank kaufen, zumal die Kursentwicklungen beider Vermögenswerte miteinander einhergehen. Damit liesse sich der Verfall der Swissquote-Titel über die vergangenen Monate hinweg wenigstens teilweise erklären.
Allerdings, so hat der zuständige Analyst der Basler Kantonalbank (BKB) schon im November festgehalten, werde die Rolle als «Bitcoin-Proxy» dem Unternehmen aus Gland im Kanton Waadt nicht oder nicht vollends gerecht. «Der Finanzdienstleister ist strategisch breit aufgestellt und operativ sehr gut unterwegs», schrieb er.
Seiner damalige Einschätzung liess er im Januar eine weitere folgen: Angesichts der noch immer tiefen Durchdringung des europäischen Marktes habe Swissquote überdurchschnittlich hohe Wachstumschancen. Zudem seien die Margen vor Abschreibungen und Steuern verhältnismässig hoch. Die Einstufung der BKB von Swissquote lautet «Übergewichten». Das Kursziel steht bei 550 Franken. Es entspricht dem Konsens der bei Bloomberg verzeichneten Analysten.
Zu diesen zählen die Experten der Deutschen Bank. Sie schreiben der Online-Bank strukturelles Wachstumspotenzial zu, etwa wegen Nettoneugeldzuflüssen, diversifizierten Gebühreneinnahmen und einer skalierbaren Plattform. Unterstrichen wird die DB-Einschätzung durch eine Kaufempfehlung und ein Preisziel von 620 Franken - demnach ist ein Comeback sowie Aufstieg zu einem neuen Allzeithoch der Swissquote-Aktie in den kommenden zwölf Monaten erwartbar.
Rekordkursziel für Schliesstechnikkonzern
Von nahezu 80 Franken im August 2025 auf gegenwärtig rund 62 Franken zurückgefallen sind die Valoren von Dormakaba. Gemessen am Anspruch des Managements müsste mehr möglich sein. Zur jüngsten Berichterstattung im September stellte es ein organisches Umsatzwachstum von zwischen 3 und 5 Prozent und eine operative Marge über 16 Prozent für das Geschäftsjahr 2025/26 in Aussicht. Das entsprach den Erwartungen von Analysten, wendete den Abwärtstrend der Aktie aber nicht nachhaltig ab.
Diese Woche nun zeichnet der zuständige Analyst der Deutschen Bank ein ermunterndes Bild. Gegenwind komme zwar von den Wechselkursen. Doch das Effizienzprogramm «Shape4Growth» bringe schneller als erwartet Ergebnisse und begünstige eine operative Marge von zwischen 16 und 18 Prozent. Das Preisziel der Deutschen Bank für die Valoren des Schliesstechnikkonzerns liegt bei 92 Franken und wird von einem «Buy»-Rating begleitet. Es ist das höchste aller Kursziele und bedeutet ein neues Allzeithoch.
Nicht alle Experten teilen die Zuversicht des deutschen Geldhauses. Die verantwortliche Analystin von Oddo BHF stuft die Titel mit «Neutral» und einem Kursziel von 63 Franken ein. Ihrer Einschätzung zufolge können Anleger kaum mehr als den momentanen Wert der Aktie erwarten. Der Konsens - 77 Franken - lässt indes auf einen 24-prozentigen Aufstieg schliessen.
Weitere Klarheit dürfte sich am 24. Februar ergeben. Dann berichtet das Management des in Rümlang beheimateten Unternehmens über das ersten Semester des Geschäftsjahres 2025/2026.

