Mit Enttäuschung aufgenommene Unternehmens-Bilanzen haben den Dax-Anlegern am Donnerstag auf die Stimmung geschlagen. Der deutsche Leitindex verlor - angeführt von deutlichen Verlusten bei SAP - 1,3 Prozent auf 24.503 Zähler. Der EuroStoxx50 hielt sich knapp im Plus.
SAP-Aktien brachen zeitweise um 16,7 Prozent ein, da Europas grösstes Softwarehaus für das laufende Jahr eine erneute Verlangsamung beim Anstieg der wichtigen Cloud-Auftragseingänge prognostizierte. Im abgelaufenen Jahr blieb das Volumen der neuen Verträge mit 21 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück.
Der Fokus der Anleger liege gerade vor allem auf den Prognosen, sagte Marija Veitmane von State Street. Entscheidend sei die Frage, ob man auch in Zukunft mit dem gleichen Wachstumstempo rechnen könne.
Das Nachsehen hatten auch die Aktien der Deutschen Bank - trotz eines Gewinnsprungs im vergangenen Jahr und einer höheren Dividende. Die Titel verloren im Dax zeitweise 2,9 Prozent. Nach den positiven Nachrichten gebe es erst einmal keine neuen Impulse mehr, sagte ein Börsianer. Überschattet wurde die Bilanz von neuen Geldwäsche-Ermittlungen gegen das Bankhaus. Am Mittwoch hatte das Bundeskriminalamt Räume der Deutschen Bank durchsucht.
Siemens nach ABB-Zahlen gefragt
Unter die Räder gerieten ebenfalls Microsoft nach der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse. Das Wachstum der Cloud-Sparte übertraf die Markterwartungen nur hauchdünn. Die in Deutschland notierte Titel fielen um 6,5 Prozent, im vorbörslichen US-Handel gaben die Papiere 5,6 Prozent nach. Der europäische Tech-Index verlor 1,3 Prozent.
Auf der Gewinnerseite standen dagegen die Aktien von Siemens, die nach den Zahlen des Rivalen ABB um 3,7 Prozent in die Höhe kletterten. Sie zählten damit zu den stärksten Dax-Werten. Papiere von ABB gewannen an der Schweizer Börse in der Spitze 10,4 Prozent, nachdem der Elektrotechnikkonzern im vergangenen Jahr Rekorde bei Umsatz und Ergebnis eingefahren hat.
Für Zurückhaltung im Dax sorgte neben den Bilanzen auch die Angst vor einer möglichen Intervention der USA im Iran. US-Präsident Donald Trump hat Teheran unter Androhung eines massiven Militärschlags erneut zu Verhandlungen über ein neues Atomabkommen gedrängt. Die rhetorische Eskalation von US-Präsident Trump im Atomstreit lasse das geopolitische Risiko für den Dax massiv ansteigen, sagte Frank Sohlleder von Activ Trades. «Eine militärische Intervention könnte die mühsam aufgebaute Stabilität im Handumdrehen zerstören und die Märkte auf eine weltweite Tauchfahrt schicken.»
Ölpreise ziehen deutlich an
Am Ölmarkt kletterten die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI aus Angst vor Versorgungsengpässen um mehr als zwei Prozent auf 69,83 und 64,63 Dollar je Fass. Beide Kontrakte sind seit Montag um etwa fünf Prozent gestiegen und notierten auf dem höchsten Stand seit Ende September. Der Iran ist mit einer Fördermenge von 3,2 Millionen Barrel pro Tag der viertgrösste Ölproduzent unter den erdölexportierenden Ländern (OPEC). Am Aktienmarkt trieb der anziehende Ölpreis die Papiere von Energieunternehmen in die Höhe. Der entsprechende Branchenindex rückte um 2,1 Prozent vor.
Auf der Suche nach sicheren Häfen griffen die Investoren erneut bei Edelmetallen zu. Der Goldpreis stieg um bis zu 3,6 Prozent auf ein frisches Rekordhoch von 5594,82 Dollar je Feinunze - seit Jahresbeginn hat sich das gelbe Metall bereits um knapp 30 Prozent verteuert. Silber notierte mit 120,45 Dollar je Feinunze ebenfalls auf einem neuen Allzeithoch.
Am Devisenmarkt konnte die US-Währung trotz einer Zinssenkungspause der US-Notenbank Fed keinen Boden gut machen. Der Dollar-Index verlor 0,1 Prozent auf 96,40 Punkte, der Euro trat bei 1,1952 Dollar auf der Stelle. Die von US-Präsident Trump immer wieder zu Zinssenkungen gedrängte Notenbank beliess den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. «Wir rechnen derzeit nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung», prognostizierten die Analysten der LBBW. Die Inflationsgefahren in Verbindung mit der US-Zollpolitik seien noch nicht vom Tisch.

