Nach der jüngsten Rekordrally ist dem Dax am Donnerstag die Luft ausgegangen. Der deutsche Leitindex markierte mit 25'217 Punkten in den ersten Handelsminuten zunächst ein frisches Rekordhoch, fiel dann ‌aber zurück. ‌Gegen Mittag notierte er 0,1 Prozent schwächer bei 25'089 Zählern.

Ein dynamischer Rutsch unter die am Mittwoch eroberte 25'000-Punkte-Marke könnte der Stimmung einen Dämpfer versetzen, konstatierte Jochen Stanzl von der Consorsbank. Die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen in den USA und rückläufige Ölpreise hatten den Dax an den ersten Handelstagen des neuen Jahres um zweieinhalb Prozent nach ​oben getrieben.

Analysten zufolge könnten nun vor allem Gewinnmitnahmen einer Fortsetzung der Rekordrally im Wege stehen. Anleger seien mit Blick ‌auf die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten vielleicht versucht, Kasse zu machen, prognostizierte Frank Sohlleder ‌von Activ Trades. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes wie auch die Inflationsdaten sind für den Zinspfad der US-Notenbank Fed von zentraler Bedeutung. Die Währungshüter hatten den Leitzins im vergangenen Jahr in drei Schritten um insgesamt 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt.

Die Fed stand dabei vor einem Balanceakt: Sie wollte die Inflation eindämmen, ohne den schwächelnden Arbeitsmarkt abzuwürgen. Zudem sah sich die Notenbank erheblichem Druck von US-Präsident Donald Trump ausgesetzt, der aggressivere Zinssenkungen forderte. Am ⁠Devisenmarkt hielten sich die Investoren vor den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag zurück. Der Dollar-Index wie auch der Euro traten bei 98,74 Punkten beziehungsweise 1,1677 Dollar auf der Stelle.

Rüstungswerte wieder gefragt

Bei den Unternehmen sorgten erneut die Rüstungswerte für Gesprächsstoff. Die Aussicht auf steigende Militärausgaben in den USA wie auch in Europa trieb den europäischen Branchenindex ​auf ein Allzeithoch. Zeitweise legte er 2,1 Prozent zu. Die Nachfrage nach Rüstungsaktien bleibe vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen hoch, ‌kommentierten die Analysten der LBBW.

Im Dax ging es für Rheinmetall um bis zu 4,1 ‍Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn haben die Titel bereits 20 Prozent zugelegt. Im MDax rückten die Aktien von Hensoldt und Renk zeitweise um 2,9 beziehungsweise 5,6 Prozent vor. Trump hat eine massive Aufstockung ​des US-Militärbudgets auf 1,5 Billionen Dollar für das Jahr 2027 gefordert. Im vorbörslichen Handel legten die US-Rüstungsaktien zu - die Papiere von Lockheed Martin und Northrop Grumman stiegen um jeweils mehr als sechs Prozent.

Gefragt waren im MDax auch TKMS. Im Zuge des Rüstungsbooms kletterten die Aktien der Thyssenkrupp-Tochter um bis zu 4,4 Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch ‌von 80,35 Euro. Der U-Boot- und Kriegsschiffbauer steht Medienberichten zufolge vor dem Abschluss eines Grossauftrags ⁠aus Indien. TKMS hatte im November von Gesprächen mit den indischen Verteidigungsbehörden berichtet. Dabei soll es ‌um einen milliardenschweren Auftrag zum Bau von U-Booten gehen.

AB Foods auf Neun-Monate-Tief

An der Londoner Börse vergraulten die eingetrübten Geschäftsaussichten von AB Foods die Anleger. Die Aktien fielen in London um ‍bis zu 12,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit April 2025. Der Einzelhändler rechnet wegen einer schwachen Nachfrage bei seiner Modekette Primark in Europa und verhaltener Verkäufe im US-Lebensmittelgeschäft mit einem geringeren Jahresgewinn.

Am Ölmarkt gingen die Preise nach dem jüngsten Rücksetzer auf Erholungskurs. Das Nordseeöl ​Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich mit 60,69 und 56,70 Dollar je Fass in der Spitze um 1,1 ‍Prozent. Ein überraschender Rückgang der US-Rohölbestände in der Woche bis zum 2. Januar reduzierte die Überangebotssorgen der Investoren etwas. Die Aussicht auf eine höhere venezolanische Rohölproduktion nach der Gefangennahme des Präsidenten Nicolàs Maduro durch die USA hatte die Preise unter Druck gesetzt. Brent und WTI verbilligten sich an den vergangenen beiden Handelstagen um jeweils rund drei Prozent.