Der Ölpreis steigt - die Öl-Aktien auch?

Mit dem fallenden Ölpreis kamen Firmen mit Verbindung zur Ölindustrie arg ins Trudeln. Die Aktienkurse stürzten ab. Nun erholt sich der Preis für das Schwarze Gold. cash hat nachgesehen, was die Aktienkurse machen.
06.05.2015 01:05
Von Marc Forster und Ivo Ruch
Seit Mitte März ist der Preis für ein Fass Rohöl von 42 auf 60 Dollar gestiegen.
Seit Mitte März ist der Preis für ein Fass Rohöl von 42 auf 60 Dollar gestiegen.
Bild: Bloomberg

Von seinem Tief bei 42 Dollar hat sich der Preis für ein Fass Rohöl inzwischen auf 60 Dollar hochgeschnellt. Das ist noch weit weg vom letztjährigen Jahreshoch, das im Juni bei 107 Dollar gelegen hatte. Aber immerhin scheint der monatelange Abwärtstrend etwas vorbei zu sein. Wer im letzten Jahr vom Preisverfall mitgerissen wurde, kann nun darauf hoffen, vom steigenden Preis profitieren zu können.

Burckhardt Compression: Der Kurssturz von Burckhardt Compression war beeindruckend. In nur sechs Monaten, zwischen Juli 2014 und Januar 2015 sank der Aktienwert von 475 auf bis zu 266 Franken. Doch auch die anschliessende Erholung ist nicht minder beachtlich. Seit dem Tiefpunkt hat sich Burckhardt um gut 55 Prozent emporgearbeitet.

Diese Entwicklung korreliert nicht nur stark mit derjenigen des Ölpreises. Auch der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015/2016 überzeugte viele Marktbeobachter. Das Burckhardt-Management rechnet mit einem Umsatz über dem Niveau des Vorjahres, Betriebs- und Nettogewinn würden sich deutlich erhöhen. Auch zog das Unternehmen im März einen Auftrag zur Lieferung von drei Prozessgas-Kompressorensysteme nach Kanada an Land.

Zudem werden die Aktien von Burckhardt von ihrer überzeugenden Dividendenpolitik angeschoben. Sie wurden kürzlich in den "SPI Select Dividend 20 Index" aufgenommen. Ein Index, der die 20 Aktien mit der höchsten Dividende, einer stabilen Dividendenhistorie und einer soliden Rentabilität des SPI vereint. Am 9. Juni präsentieren die Winterthurer ihre definitiven Resultate für das Geschäftsjahr 2014/2015.

Sulzer: Sulzer hat hingegen kaum vom Aufschwung des Ölpreises profitiert. Die Aktie bewegt sich seit Anfang Jahr seitwärts um den Wert von 106 Franken herum. Im ersten Quartal 2015 hat sich Sulzers Schlüsselmarkt, der Bereich Öl und Gas, weiterhin im Kriechgang entwickelt. Grund dafür ist ein rückläufiger Bestellungseingang für neues Equipment in allen Regionen. Daneben konzentriert sich das Winterthurer Industrieunternehmen Märkte Energie und Wasser. Für das Gesamtjahr werden ebenfalls keine Luftsprünge erwartet.

Kein Wunder, steht die Analystengemeinde dem Sulzer-Titel skeptisch gegenüber. Kaum ein Experte hat die Aktie auf dem Einkaufszettel. Die Kursziele bewegen sich zwischen 94 und 125 Franken. Eine Ausnahme macht die St. Galler Kantonalbank (SGKB). Sie erkennt in Sulzer einen Investment Case, weil die Bewertung auf Stufe Unternehmenswert günstig sei. Zudem schreite das Kostensenkungsprogramm "Full Potential" planmässig voran und eine "markante Verbesserung" der Gewinnmarge werde angestrebt, so die SGKB in einem Kommentar.

Transocean: Transocean ist die volatilste Aktie im SMI. Im Sechs-Monate-Vergleich hat der Kurs mit heftigen Auf- und vor allem Ab-Bewegungen um 38 Prozent eingebüsst. Seit Anfang April ist aber so etwas wie eine Erholung auszumachen, mit einem Kursanstieg von 20 Prozent innerhalb von fünf Wochen. Ein gewisses Wohlwollen gegenüber der Aktie stellt ein Experte fest: "Im Moment ist sehr viel Sentiment da", sagt Industrieanalyst Philipp Lienhardt von der Bank Julius Bär. "Mit der Entwicklung des Ölpreises steigt die Hoffnung, dass die Situation bei Transocean besser wird."

Die guten Nachrichten zum amerikanischer Ölplattformen-Konzern mit Schweizer Börsenkotierung dürften dennoch begrenzt sein. Weil die Ölförderung vielerorts zurückgefahren wird, steht Transocean auf lange Sicht im Regen. Der Konzern arbeitet mit Verträgen, die in der Regel über ein bis drei Jahre laufen, und neue Kunden sind wenige in Sicht. Analyst Lienhardt gibt zu bedenken, dass eine ungenutzte Plattform Transocean am Tag 100'000 Dollar Unterhalt kostet. Wer als nicht auf heftige Spekulation aus ist, sollte Transocean verkaufen - oder die Aktie gar nicht erst erwerben. Philipp Lienhardt rät jedenfalls dazu, die Aktie zu veräussern. Auch unter anderen Analysten ist schwer eine Kauf-Empfehlung zu finden.

ABB: Für den Automations- und Elektrotechnikkonzern ist die Ölpreisentwicklung ein zweischneidiges Schwert. Rund ein Zehntel des Umsatzes des Technologieunternehmens stammt von Kunden im Gas- und Ölgeschäft. Wenn die Kunden dort ihre Investitionsbudgets kürzen, merkt dies ABB. Umgekehrt kann der Weltkonzern aber auch andere Produkte absetzen, wenn in der Folge unsteter Ölpreise in mehr Effizienz oder in erneuerbare Energien investiert wird.

Die ABB-Aktie ist in jedem Falle kein Renner. Vergleichen mit dem Jahresanfang ist das Papier nur 1,18 Prozent mehr wert, wobei beim SMI-Titel vor kurzem der Dividenenabschlag erfolgt ist. Nach den Erstquartalszahlen von letzter Woche fielen die Berichte unterschiedlich aus. Der starke Dollar und der Ölpreis wurden aus wichtige Bremsfaktoren für den Konzern und als möglichen Grund genannt, weswegen die Mittelfrist-Ziele inzwischen zu hoch sind. Die Belastung kann aber mit einem stiegenden Preis für Rohöl wieder abnehmen.

Die Analysten geben kaum mehr Orientierung für die Aktie, denn sie halten sowohl Kauf-, Verkauf- und Halteempfehlungen bereit, wobei der Ölpreis bei einem so weitverzweigten Konzern wie ABB nicht der einzige Beurteilungs-Gesichtspunkt ist. Die schwächelnde Konjunktur in China belastet ABB, während neue Grossaufträge den Neuigkeiten-Fluss zuletzt positiv geprägt haben.

Chemie-Aktien: Der Ölpreis spielt auch eine wichtige Rolle für die Chemiebranche. Für Unternehmen wie Ems-Chemie, Clariant, Givaudan oder Lonza ist wegen des Einkaufs ein tiefer Ölpreis eher von Vorteil. Mit einem höheren Ölpreis können sie aber zurechtkommen. Das grösste Problem ist, wenn der Ölpreis laufend schwankt. Dies belastet die Marge.