Die Furcht vor einem Wiederaufflammen des Krieges in Nahost hat die Dax-Anleger am Mittwoch in die Flucht geschlagen. Der deutsche Leitindex rauschte um bis zu 2,5 Prozent auf 24.830 Punkte in die Tiefe - am Montag hatte er noch eine Rekordmarke von 25.900,10 Zählern markiert.
Der EuroStoxx50 gab 2,2 Prozent nach. Die Ölpreise wiederum zogen merklich an. Nach neuen gegenseitigen Angriffen erklärte US-Präsident Donald Trump die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran für hinfällig. Der Nahostkonflikt sei zurück auf der Hauptbühne der Märkte, konstatierte Timo Emden von Emden Research. «Was zuletzt wie ein Hintergrundrisiko wirkte, rückt nun wieder ins Rampenlicht und zwingt Anleger, die geopolitische Risikokarte neu zu bewerten.»
Die USA hatten als Reaktion auf Angriffe auf drei Tanker in der Strasse von Hormus neue Militärschläge gegen den Iran gestartet und eine Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte widerrufen. Der Iran attackierte daraufhin US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait. Die Angst vor neuen Lieferunterbrechungen verteuerte das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI um fast sieben Prozent auf 79,26 beziehungsweise 75,30 Dollar je Fass. Seit Dienstag summiert sich das Plus auf jeweils rund acht Prozent. Zuletzt waren die Ölpreise auf Vorkriegsniveau zurückgefallen, da sich die USA und der Iran Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt hatten, das eine Waffenruhe und eine 60-tägige Frist zur Aushandlung einer Friedensvereinbarung vorsah. Der monatelang blockierte Schiffsverkehr durch die wichtige Wasserstrasse von Hormus lief langsam wieder an und verringerte die Versorgungsängste.
Zu viel Optimismus eingepreist
Der Optimismus sei offenbar verfrüht gewesen, meint capital.com-Analystin Daniela Hathorn. Dennoch geht die Expertin nicht davon aus, dass die Anleger nun einen dauerhaften Angebotsschock einpreisen müssen. Ein länger anhaltender Konflikt zwischen den USA und Iran «würde für beide Seiten erhebliche wirtschaftliche und politische Kosten mit sich bringen». Der Markt dürfte aber weiter zwischen Phasen der Eskalation und Deeskalation schwanken, prognostizierte Hathorn.
Am Devisenmarkt fachte der Ölpreisanstieg die Spekulationen auf baldige US-Zinserhöhungen wieder an. Investoren griffen beim Greenback zu, der Dollar-Index rückte um 0,2 Prozent auf 101,24 Punkte vor. Der Goldpreis fiel dagegen um bis zu 1,6 Prozent auf 4041 Dollar je Feinunze. Gold verliert tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen steigen, da das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft.
Die Währungshüter der US-Notenbank Fed hatten den Leitzins auf der Sitzung im Juni konstant gehalten, aber eine mögliche Straffung im Jahresverlauf wegen der Inflationsgefahr durch die höheren Energiepreise avisiert. Am Abend stehen die Protokolle der ersten Zinssitzung unter der Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh zur Veröffentlichung an. Sie könnten Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed bringen.
Steigender Ölpreis macht Airline-Aktien zu schaffen
Auf der Unternehmensseite setzte der steigende Ölpreis den Airline-Aktien zu. Die Papiere von Air France, WIZZ Air und der British-Airways-Mutter IAG fielen in der Spitze zwischen sechs und 4,6 Prozent. Im MDax ging es für die Aktien der Lufthansa 5,3 Prozent bergab. Die Titel wurden zusätzlich durch eine Verkaufsempfehlung der Citigroup belastet. Das Nachsehen hatten auch die zinssensiblen Immobilienwerte. Im Dax verloren Vonovia mehr als fünf Prozent. Im MDax gaben Aroundtown, LEG und TAG Immobilien zwischen 7,6 und 6,3 Prozent nach.
Im Aufwind waren dagegen die Aktien europäischer Ölkonzerne. Der entsprechende Branchenindex rückte um 1,9 Prozent vor. Die Papiere von TotalEnergies, OMV, Shell und BP gewannen mehr als zwei Prozent.
(Reuters)

