Eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Elektroautos hat den deutschen Automarkt zu Jahresbeginn in Schwung gebracht. Von ‌Januar ⁠bis März wurden nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts fast 700'000 Autos erstmals zugelassen, das sind 5,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Allein der März war ⁠dabei mit fast 300'000 verkauften Autos der stärkste Monat seit Juni 2024. Der Motor für das Wachstum sei das starke Plus bei Elektroautos gewesen, sagte Constantin Gall, Autoexperte ‌bei der Unternehmensberatung EY. Dabei spiele die neue Förderprämie von bis zu 6000 Euro eine ‌Rolle. Auch für die kommenden Monate sei deswegen ein deutliches Wachstum bei Elektroautos ​zu erwarten.

Im März sprang der Absatz von Elektroautos um zwei Drittel nach oben. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen stieg in dem Monat auf 24 Prozent, das sind 7,2 Prozentpunkte mehr als vor Jahresfrist und 2,1 Prozentpunkte mehr als im Februar. Zählt man Plug-in-Hybride dazu, deren Batterie mit einem Stecker aufgeladen werden kann, fährt inzwischen gut jeder dritte Neuwagen in Deutschland zumindest zeitweise elektrisch. Reine Verbrenner sind dagegen weniger gefragt ‌als noch vor einem Jahr, sowohl bei Diesel- als auch bei Benzinfahrzeugen wurde ein Rückgang verzeichnet.

Weiteren Schub für Elektroautos könnte der Iran-Krieg bringen. Bislang sind nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA die Auswirkungen des Krieges noch nicht in den Zahlen zu erkennen, weil üblicherweise zwischen der Bestellung eines Neuwagens und ​seiner Erstzulassung mehrere Monate liegen. Allerdings dürften die hohen Spritpreise den einen oder anderen Autokäufer dazu bewegen, sich ​nun für ein E-Auto statt für einen Verbrenner zu entscheiden, sagte EY-Experte Gall. «Viel ​wird allerdings davon abhängen, ob die Preise bei einer längeren Krise dauerhaft so hoch bleiben, oder ob sie wieder auf ihr Vor-Krisenniveau sinken.»

Benzin und Diesel kosten in Deutschland derzeit ‌so viel wie nie zuvor. Nach Angaben des ADAC verteuerte sich Benzin auf 2,235 Euro je Liter, Diesel kostete sogar erstmals mehr als 2,50 Euro je Liter. «Die Kraftstoffpreise kennen auch weiterhin nur eine Richtung: nach oben», sagte ein Sprecher. Gebrauchtwagenhändler berichteten zuletzt von einer höheren Nachfrage nach Elektroautos, auch ​auf Online-Marktplätzen ​wie Carwow oder Mobile.de informieren sich mehr Menschen zu Elektroautos als vor ⁠Ausbruch des Krieges. Allerdings warnte EY-Experte Gall vor allzu grossem Optimismus. Die steigenden Benzin- und ​Dieselpreise dürften die Kauflaune belasten. «Weniger ⁠verfügbares Einkommen heisst: Grosse Anschaffungen werden zurückgestellt», sagte er. «Wir stehen daher vor einem weiteren schwachen Autojahr.»

Tesla verkauft deutlich mehr - Porsche schwächelt

Bei den Herstellern ‌gelang Tesla ein deutlicher Sprung nach oben: Der US-Elektroautobauer verkaufte allein im März mehr als 9000 Autos in Deutschland, das ist rund viermal so viel wie vor einem Jahr. Der Marktanteil verbesserte sich auf gut drei Prozent und lag ‌damit deutlich über dem des chinesischen Rivalen BYD mit lediglich 1,2 Prozent. Auch Opel schaffte ein deutliches ​Absatzplus von 43 Prozent. BMW und Audi setzten 16,5 beziehungsweise 25 Prozent mehr Autos ab, Mercedes-Benz steigerte seinen Absatz um 7,5 Prozent. Marktführer Volkswagen fuhr mit einem Anstieg um lediglich 3,2 Prozent im März hinterher. Schlechter als vor Jahresfrist lief es bei Porsche: Der Stuttgarter Sportwagenbauer verkaufte 12,1 Prozent weniger Neuwagen als vor ‌Jahresfrist. 

(Reuters)