Die Top- und Flop-Aktien im ersten Halbjahr

Wer sein Geld Anfang Jahr in Schweizer Biotechfirmen steckte, erzielte bis zu 900 Prozent Rendite. Die Bankaktien hingegen erwiesen sich als Rohrkrepierer. Eine Rangliste der besten und schlechtesten Aktien seit Januar.
30.06.2014 00:55
Von Frédéric Papp
Das Basler Pharmaunternehmen Santhera Pharmaceuticals gilt als Übernahmekandidatin.

Eine so steile Kursentwicklung innert weniger Monaten gibt es selten an der Schweizer Börse. Die Aktie des Basler Biotechunternehmens Santhera schossen seit Januar über 900 Prozent hoch (siehe Tabelle). Noch eindrücklicher ist die Kurs-Performance innert Jahresfrist mit knapp 1600 Prozent.
 

Kursentwicklung der Santhera-Aktie seit 1.1.14

Hochgespült haben die Aktien vielversprechende Daten zu Raxone, ein Medikament gegen Muskelschwund. Der nächste und zugleich wichtigste Schritt für Santhera ist nun die schnellstmögliche Zulassung des Medikaments in den USA und der Europäischen Union. Eine Zulassung in Europa wird ab 2015 gerechnet. Der Erfolg von Santhera macht das Unternehmen zu einem interessanten Kaufobjekt und bringt Fantasie in den Aktienkurs. Im Markt machen Spekulationen die Runde, ein Interessent wolle ein Angebot von 50 Franken pro Aktie unterbreiten. Derzeit notieren die Titel bei 37 Franken.

Erfolgreiche Studiendaten und Übernahmespekulationen treiben den ganzen Biosektor an. Unter den besten Schweizer Aktien seit Jahresbeginn befinden sich neben Cosmo Pharmaceutic auch Actelion in den Top Ten. Actelion ist mit einer Performance von 50 Prozent mit Abstand bester Titel im SMI (siehe Tabelle). Im selben Zeitraum haussierte der Schweizer Leitindex rund 4 Prozent.

Doch der Steigflug von Biotech-Aktien kann rasch wieder in einen Sturzflug übergehen. Dies zeigte sich kürzlich bei Basilea. Ein Rückschlag im Zulassungsverfahren für ein Antibiotikum in den USA liess den Aktienkurs 8 Prozent einbrechen. Vor einer ungewissen Zukunft steht das Zürcher Biotechunternehmen Cytos, nachdem es letzten April einen Misserfolg mit einem Medikament gegen Asthma vermelden musste. Die Aktie sackte innerhalb eines Tages 97 Prozent ab und ist damit der grösste Loser im ersten Halbjahr (siehe Tabelle).

Biotech-Aktien sind somit nur risikotoleranten Anlegern zu empfehlen und auch nur als "würzige" Beimischung fürs Depot. Um das Risiko breiter zu streuen, bieten sich Anlagefonds an (zum Artikel).

Die 4'000-Franken-Aktie

Jubeln können auch die Publigroupe-Aktionäre. Die Titel der Werbevermarkterin haben sich nach der Übernahmeschlacht um die Publigroupe-Sparte Local.ch mehr als verdoppelt. Ende Mai einigten sich Swisscom und Tamedia, local.ch gemeinsam zu betreiben. Im Gegenzug tritt Tamedia ihre eigenen bereits erworbenen Aktien dem Blauen Riesen ab, falls dessen Übernahmeangebot erfolgreich ist. Swisscom bietet 214 Franken pro Aktie. Derzeit notieren die Publigroupe-Titel bei 211 Franken. Insofern hat die Aktie nicht mehr viel Zunder.

Bei Conzetta hingegen liegt noch mehr drin. Die Aktie blieb lang unter dem Radar der Analysten. Doch kürzlich hat die Mainfirst-Bank das Zürcher Firmenkonglomerat auf die Kaufliste gesetzt mit einem Kursziel von 4000 Franken. Bernhard Signorell, Fondsmanager bei 3V Asset Management, sieht gar Preise deutlich über der 4'000-Franken-Marke für möglich, so seine Einschätzung in einem früheren Börsen-Talk.

Zwei Faktoren machen Conzzeta attraktiv: ein Cashbestand von 500 Millionen Franken und Immobilien im Wert von einer weiteren halben Milliarde Franken. Die Aktie kletterte rund 87 Prozent seit Jahresbeginn notiert derzeit bei 3870 Franken.

Die Jammertal-Aktien

Am unteren Ende der SPI-Tabelle dominiert vor allem eine Branche – die Banken. Die VP Bank und EFG International fielen seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zurück, Vontobel 16 Prozent. Unter die Räder kam auch Julius Bär. Mit minus 15 Prozent fasste die Bank die rote Laterne im SMI.

Die Bankenbranche hat seit Längerem an diversen Fronten mit Problemen zu kämpfen. Zum einen verunsichert die Bussgeldpolitik der USA die Anleger. Die anschwellende Flut an Regulierungen treiben die Kosten hoch und drücken somit auf die Margen, die wegen der härter werdenden internationalen Konkurrenz kaum erhöht werden können.

Ungemach droht auch im Zinsgeschäft. Um ein Immobiliencrash wie in den 1990er-Jahren zu vermeiden, zurrt die Schweizerische Nationalbank die Zügel bei der Hypothekarvergabe immer enger. Neu sollen Eigenheime nicht mehr durch Pensionskassengelder finanziert und die zweite Hypothek soll bereits nach 15 Jahren abgestottert werden. Solange diese Probleme bestehen, sollten sich Anleger von Bankaktien distanzieren.

Schwachstrom herrscht bei ABB. Dem auf Energieübertragungssysteme spezialisierten Unternehmen fehlen die Aufträge, weil die Regierungen ihre Budgets aus Spargründen kürzen. Die Aktie wird nach sechs Monaten rund 13 Prozent tiefer gehandelt und belegt damit den zweitletzten Rang unter den SMI-Titeln.

 

Die Top- und Flop-Aktien im SMI

Top-Werte Performance seit 1.1.14 Flop-Werte Performance seit 1.1.14
Actelion +49% Julius Baer -14%
Holcim +17% ABB -13%
Geberit +15% Transocean -10%
Givaudan +15% Swatch -9%
Novartis +13% Syngenta -7%
Swisscom +11% CS Group -6%
Nestlé +6% UBS -4%
Roche +5% Swiss Re -3%
SGS +4% Zurich IG +3%
Richemont +4% Adecco +3%

Quelle: cash.ch, Stand: 27.6.14, 14 Uhr

 

Die Top- und Flop-Aktien im SPI

Top-Werte Performance seit 1.1.14 Flop-Werte Performance seit 1.1.14
Santhera +903% Cytos Biotechnology -93%
Norinvest +174% Addex Therapeutic -39%
Publigroupe +137% Zwahlen&Mayr -33%
CI Com +106% Swmtl Holding -22%
Leonteq +88% VP Bank -20%
Conzzeta +87% EFG International -19%
Cosmo Pharmaceutic +80% Vontobel -17%
Charles Voegele +70% Alpha PetroVision -17%
Bobst +52% Inficon -16%
Tornos +47% Perfect Holding -15%

Quelle: cash.ch, Stand: 27.6.14, 14 Uhr