Die unbekannten Schweizer Börsenstars

Vor allem die Aktien von kleinen und unbekannten Unternehmen haben einen Blitzstart ins Schweizer Börsenjahr hingelegt. cash sagt, was hinter diesen Firmen steckt und wo sich ein Einstieg lohnen könnte.
22.01.2014 11:50
Von Ivo Ruch
Die Cosmo-Aktie hat in diesem Jahr 16 Prozent zugelegt.
Die Cosmo-Aktie hat in diesem Jahr 16 Prozent zugelegt.
Bild: ZVG

An der Schweizer Börse geben seit Jahresbeginn vor allem kleinere und relativ unbekannte Titel den Ton an. Aktien wie jene von Norinvest, Evolva oder Therametrics haben alleine in den ersten drei Wochen des 2014 bis zu 90 Prozent zugelegt. Im Vergleich dazu gewann die UBS als bester SMI-Titel gerade mal 11 Prozent. Das reicht der Grossbank nicht einmal zu einer Platzierung unter den Top-20-Aktien des noch jungen Jahres. 

So hat denn auch der Index der Schweizer Small Caps (SPI Small Caps) den Swiss Market Index (SMI) deutlich abgehängt. Der Leitindex kommt in diesem Jahr auf ein Plus von 3,3 Prozent, während der SPI Small bereits 6,4 Prozent dazugewonnen hat. Das ist auch im internationalen Vergleich bemerkenswert, wie ein Blick auf den MSCI World Index zeigt – er hat in diesem Jahr 0,2 Prozent verloren.

Hier eine Übersicht, wer die unbekannten Blitz-Starter sind und welche Titel selbst risikobewusste Anleger meiden sollen: 

 

Norinvest: Keine andere Aktie hat 2014 so stark zugelegt wie die Finanzbeteiligungsgesellschaft aus der Romandie. Sie hat sich in den ersten drei Wochen bereits um 91 Prozent auf 2,64 Franken verteuert. Allerdings hat der Titel die Kursexplosion von tiefem Niveau aus gestartet. Seit ihrem Allzeithoch von August 2009 bei 8 Franken ist die Aktie im letzten Jahr bis auf ein Tief bei 1,25 Franken gefallen. 

Die Strategie der Genfer Finanzholding ist es, Zukäufe im Finanzsektor zu tätigen und somit die Erträge zu diversifizieren. Zum Portfolio gehört aber auch der Schmuckanbieter Louis Golay, der nach einer Restrukturierung verkauft werden soll. Im ersten Halbjahr 2013 hat Norinvest den Umsatz zwar um mehr als 8 Prozent gesteigert. Unter dem Strich resultierte allerdings ein kleiner Verlust.

Für Anleger gilt aber: Trotz des kometenhaften Anstiegs Hände weg. Einerseits ist die Kursavance fundamental nicht begründbar, andererseits ist die Aktie ultra-illiquid. Gerade mal 23 Prozent der Titel sind im freien Umlauf, zudem beläuft sich das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen auf knapp 25'000 Franken. Das kann zu erratischen Kursverläufen führen. 
 

Evolva: Das Biotech-Unternehmen Evolva hat seinen Börsenwert in den letzten drei Wochen um 40 Prozent erhöht. Das, nachdem die Aktie bereits im Vorjahr sich fast verdreifacht hatte. Dennoch notiert der Valor erst bei 1,40 Franken. Jüngst hat Evolva den Gang an den US-Kapitalmarkt in die Wege geleitet, was der Aktie Schub verliehen hat.

In den letzten Jahren haben sich die Reinacher vom Biotechunternehmen zum Spezialisten für Nahrungsmittelzusatzstoffe entwickelt. Im Geschäft mit der Herstellung von kalorienfreiem Süssstoff liegt die grosse Hoffnung – die Markteinführung des Produkts Stevia ist für 2015 geplant. Ein grosser Teil dieser Hoffnung mit ungewissem Ausgang steckt im Höhenflug der Evolva-Aktie. Kommt das Produkt nicht auf den Markt, wird die Aktie massiv unter Druck kommen.

Die Bank Vontobel empfiehlt den Titel weiterhin zum Kauf. Doch weil Evolva zur Zeit noch Verlust macht, ist grosse Vorsicht geboten. Die Aktie kann also nur risikoaffinen Anlegern empfohlen werden.
 

Myriad: Bei der Myriad-Aktie hat 2014 der Wind um 180 Grad gedreht: Der Titel liegt 17 Prozent im Plus, nachdem er im Vorjahr noch 43 Prozent nachgegeben hatte. Dieser Absturz ist in erster Linie auf eine Kapitalerhöhung von 21 Millionen Franken im August 2013 zurückzuführen. Das Anlegervertrauen kam erst im November wieder zurück, als Mitglieder des Verwaltungsrats und des Managements insgesamt 500'000 Myriad-Aktien gekauft haben. Grösster Aktionär des Herstellers von Handysoftware ist Investor Martin Ebner mit einem Anteil von 22 Prozent.

Das Myriad-Management vollzieht zur Zeit einen Strategieschwenk: Sie setzen auf Applikationen für Gratisnachrichten und begeben sich damit in den Konkurrenzkampf mit erfolgreichen Anbietern wie Whatsapp. Allerdings konzentriert sich das ehemalige ETH-Startup auf Einsteigerhandys in den Schwellenländern.

Interessierte Anleger sollten den Geschäftsgang der Zürcher genau verfolgen, denn im ersten Halbjahr 2013 steckte Myriad noch immer in der Verlustzone fest. Zudem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 auch nicht mehr ganz günstig.
 

Therametrics: Die Aktie von Therametrcis ist eine eigentliche Trauergeschichte an der Schweizer Börse - und dennoch gehört sie im jungen 2014 zu den Top-Aktien - mit einem Plus von 20 Prozent. Das täuscht über den bisherigen Kursverlauf hinweg: Seit dem Börsengang 2009 hat der Titel - anfänglich unter dem Namen Mondobiotech - praktisch 100 Prozent des Börsenwerts verloren - von 38 Franken auf 12 Rappen. 

Das Unternehmen hat sich im letzten Jahr mit Pierrel Research International zusammengeschlossen, eine Kapitalerhöhung um 3,2 Millionen Franken durchgeführt und die Namensänderung vorgenommen. Der Zusammenschluss sollte ein Neuanfang für den angeschlagenen Konzern sein. Doch die Umstrukturierungen fruchten noch nicht. Zwischen Januar und September hat Therametrics erneut einen Verlust erwirtschaftet.

Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Das Unternehmen hat bis dato noch kein Produkt in die klinische Phase der Entwicklung gebracht. Anleger sollten ihre Finger - und ihr Geld - deshalb mit diesem Titel nicht verbrennen.  
 

Cosmo: Weiter so im Takt, lautet das Motto der Cosmo-Aktie in diesem Jahr. Bisher steht der Titel mit 16 Prozent im Plus, nachdem er bereits 2013 rund 174 Prozent haussiert hatte. Die jüngsten Avancen des italienischen Pharmaunternehmens sind unter anderem auf Gewinnaussichten aus einer Beteiligung und verbesserten Patentbedingungen in den USA zurückzuführen.

Cosmo stellt unter anderem eine Tablettenform her, die den Wirkstoff verzögert freigibt und bevorzugt bei Darmkrankheiten eingesetzt wird. Dank dem strategisch geschickten Verkauf einer Beteiligung konnten die Mailänder jüngst rund 100 Millionen Franken einstreichen – das letzte Halbjahresergebnis wies einen Reingewinn von 63 Millionen auf. Erhält Cosmo weitere wichtige Patente, werden die Medikamentenverkäufe weiter wachsen.

Die Aussichten auf eine Fortsetzung der italienischen Erfolgsstory an der Schweizer Börse sind gut. Für risikotolerante Anleger kann sich ein Einstieg lohnen.