An der Schweizer Börse SIX sind im Jahr 2025 Aktien im Wert von 874,8 Milliarden Franken gehandelt worden. Auch wenn institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Fonds den Markt dominieren, sind Schweizer Privatanlegerinnen und Anleger bedeutende Akteure am Schweizer Aktienmarkt: Rund 20 Prozent der Bevölkerung besitzen Aktien.
Doch gerade Privatinvestoren unterlaufen beim Aktienkauf immer wieder typische Fehler, die Renditen schmälern oder zu Verlusten führen. cash.ch hat die zehn häufigsten Stolpersteine zusammengetragen und zeigt, wie man sie vermeidet.
1. Wertpapiere ohne Basiswissen kaufen
Viele Anleger steigen in den Aktienmarkt ein, ohne die Grundlagen zu verstehen. Was ist eine Dividende? Wie liest man eine Bilanz? Was bedeutet das Kurs-Gewinn-Verhältnis?
Studien der Behavioral Finance zeigen: Anleger mit geringem Finanzwissen erzielen systematisch geringere Renditen und treffen riskantere Entscheidungen. Wer etwa Nestlé-Aktien kauft, ohne zu wissen, wie das Geschäftsmodell funktioniert oder welche Kennzahlen relevant sind, investiert im Blindflug. Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie sich mit den «Basics» vertraut machen: Wie funktionieren Aktienmärkte? Welche Risiken gibt es? Wie bewertet man Unternehmen? Welche wichtigen Kennzahlen sind für die entsprechende Branche relevant (mehr dazu hier)?
2. Fehlende Strategie
Viele Privatanleger kaufen wahllos Aktien: Heute eine Wachstumsaktie, morgen einen Dividendentitel. Die Finanzmarktforschung zeigt, dass Anleger ohne definierte Strategie häufiger ihre Positionen wechseln und basierend darauf unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.
Deshalb lohnt es sich vor dem Kauf zu fragen: Setze ich auf defensive Titel und typische Dividendenaktien wie Novartis - oder auf Wachstumswerte? Welche Branchen interessieren mich? Wie hoch ist das Risiko? Eine klare Linie hilft, impulsive Fehlentscheidungen zu vermeiden und langfristig konsequent zu bleiben (Tipps wie man für sich die richtige Anlagestrategie findet, gibt es hier).
3. Geringe Diversifikation
«Alles auf eine Karte setzen» - dieser Fehler ist besonders verbreitet. Viele Schweizer Anleger konzentrieren sich stark auf heimische Titel wie UBS, Nestlé oder Roche. Dieser so genannte «Home Bias» erhöht das Klumpenrisiko. Mangelnde Diversifikation ist einer der Hauptgründe für Vermögensverluste bei Privatanlegern. Investments über verschiedene Branchen, Regionen und Unternehmensgrössen zu streuen, kann sich auszahlen. Mindestens 15 bis 20 verschiedene Aktien sollten es sein, um Einzelrisiken abzufedern. Auch geografisch lohnt sich Breite: Neben Schweizer Titeln lohnt es sich, je nach Strategie, europäische, amerikanische oder asiatische Unternehmen im Depot zu halten.
4. Anlagetipps blind vertrauen
Der Schwager hat einen heissen Tipp, im Internet kursiert eine Kaufempfehlung, der Bankberater preist eine Aktie an - und schon wird gekauft. Anleger folgen oft Empfehlungen, ohne diese zu hinterfragen, und erleiden dadurch oft überdurchschnittliche Verluste. Tipps können wertvoll sein, jedoch sollte man denen nicht einfach blind vertrauen: Welche Interessen verfolgt der Absender? Auf welchen Fakten basiert die Empfehlung? Ohne eigene Recherche geht es kaum. Das heisst Geschäftsberichte anschauen, Kennzahlen vergleichen, sich bei Finanzportalen wie cash.ch informieren.
5. Selbstüberschätzung
Viele Anleger glauben, sie könnten den Markt dauerhaft schlagen. Sie halten sich für geschickter als andere und vertrauen auf ihr Gespür. Doch diverse Finanzmarktstudien zeigen, dass dies nur einer Minderheit gelingt. Sprich: Übermässiges Selbstvertrauen führt zu häufigem Handeln, höheren Kosten und schlechteren Renditen als bei vorsichtigeren Anlegern. Besonders nach ersten Erfolgen steigt die Selbstüberschätzung. Wer einmal richtig lag, glaubt oft, das System durchschaut zu haben. Eine kritische Selbsteinschätzung zahlt sich langfristig aus. Auch viele professionelle Fondsmanager scheitern meist daran, den Markt langfristig zu übertreffen.
6. Emotionale Anlageentscheide
Euphorie bei steigenden Kursen, Panik bei fallenden Preisen - Emotionen sind die grössten Feinde erfolgreicher Geldanlage. Anleger kaufen oft auf Höchstständen aus Angst, etwas zu verpassen, und verkaufen in Crashphasen aus Panik. Also genau das Gegenteil einer rationalen Strategie. Gerade in turbulenten Märkten ist Disziplin gefragt. Wer 2020 während des Corona-Crashs in Panik verkaufte, verpasste die anschliessende Erholung. Mögliche Rezepte gegen die Emotionen: Auf rationale Kriterien statt auf Bauchgefühl setzen, klare Kauf- und Verkaufsschwellen definieren und daran festhalten.
7. Käufe, Verkäufe, Käufe, Verkäufe, Käufe,...
Ständiges Umschichten kostet Geld. Jeder Kauf und Verkauf verursacht Gebühren und Steuern. Untersuchungen zeigen: Anleger, die häufig handeln, erzielen nach Kosten deutlich schlechtere Renditen als «Buy-and-Hold»-Investoren. Das heisst, das Portfolio regelmässig zu prüfen, aber nicht bei jeder Kursschwankung handeln. Langfristiges Denken schlägt kurzfristige Hektik. Wer überzeugt ist von einem Unternehmen, sollte Geduld haben und nicht bei jeder Nachricht nervös werden.
8. Verluste ins Bodenlose fallen lassen
Manche Anleger halten an fallenden Aktien fest, in der Hoffnung, dass sich die bald erholen, auch wenn alle Fundamentaldaten dagegen sprechen. Diese «Verlustangst» führt dazu, dass schlechte Investments zu lange im Depot bleiben und Verluste sich ausweiten. Eine regelmässige kann dieser Stolperfalle entgegenwirken: Hat das Unternehmen noch Potenzial oder gibt es bessere Alternativen? Manchmal ist ein realisierter Verlust besser als jahrelanges Hoffen auf Besserung.
9. Am Kaufpreis festklammern
Der eigene Kaufpreis wird für viele zum Fixpunkt. Liegt die Aktie darunter, will man «zumindest ohne Verlust» raus. Dieser sogenannte Ankereffekt ist ein klassischer Denkfehler: Der Kaufpreis ist für die Zukunft der Aktie völlig irrelevant. Ob man Nestlé bei 120 oder 85 Franken gekauft hat, interessiert den Markt nicht. Entscheidend ist: Welches Potenzial hat das Unternehmen heute? Deshalb gilt es jede Position neu zu bewerten, unabhängig vom Einstandskurs mit der simplen Frage: «Würde ich die Aktie heute noch kaufen?»
10. Auf Pump investieren
Aktien auf Kredit kaufen, etwa über Lombardkredite oder Margin-Konten, kann Gewinne hebeln, aber auch Verluste vervielfachen. Diverse Studien zur Risikobereitschaft zeigen: Fremdfinanzierte Anleger erleiden in Krisenzeiten überproportionale Verluste und werden oft zu Notverkäufen gezwungen. Deshalb gilt die Devise: Besser nur mit Geld in Aktien investieren, das man langfristig nicht braucht und das einem tatsächlich gehört. Denn Kredite für Aktieninvestments sind hochriskant und können im schlimmsten Fall in die Überschuldung führen.
Erfolgreiches Investieren in Aktien erfordert Wissen, Strategie und Disziplin. Wer die häufigsten Fehler kennt und vermeidet, erhöht seine Chancen auf langfristige Renditen deutlich.

