Drei Fälle der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass besonders die Vereinigten Staaten die Investoren immer wieder aufhorchen lassen. Erst hatten die USA unter Präsident Donald Trump in Venezuela eingegriffen - wegen der Rohstoffe, die es dort gibt. Dann machte sich Trump an Grönland heran - an ein Land, das ebenfalls über Bodenschätze verfügt. Und am Wochenende schliesslich drohte der amerikanische Staatschef Kanada mit 100-Prozent-Zölle, nachdem der kanadische Premierminister Mark Carney und der chinesische Staatschef Xi Jinping eine strategische Wirtschaftspartnerschaft angebahnt hatten.

Spiegel dessen: Der Goldpreis stieg weiter und überquerte erstmals die 5000-Dollar-Marke je Feinunze. Dass der Goldpreis unter Unsicherheit nach oben geht, erstaunt kaum. Dass es auch Aktien tun, ist hingegen bemerkenswert. Dies besonders, wenn sie neue Allzeithochs erreichen. So aber stiegen die Valoren von Sandoz sowie einer Gruppe von Immobiliengesellschaften und des Medtech-Unternehmens Medacta in den vergangenen Tagen auf Rekordstände. 

Die Aktie von Sandoz hat auch am Montag das nächste Allzeithoch erklommen, diesmal bei 63,78 Franken. Der Aufstieg des Spezialisten für Nachahmermedikamente hat am Aktienmarkt ist einen langfristigen Trend. Er setzte praktisch mit dem Börsengang im Herbst 2023 ein. Als Konzernchef Richard Saynor - wie bei Börsengängen üblich - die bunt bemalte Glocke an der Six schellte, eröffneten die Valoren bei 24,00 Franken. Gegenwärtig sind sie das Zweieinhalbfache wert.

Mit dem Neun-Monate-Bericht, der noch 2025 vorgestellt wurde, bestätigte das von Novartis abgespaltene Unternehmen seine zunehmende Stärke im Geschäft mit Biosimilars. Diese Sparte liefert zwar weniger Umsatz als das Generika-Geschäft. Sie wächst aber schneller, nach jüngstem Ergebnisausweis um 12 Prozent gegenüber 2 Prozent der Generika-Sparte.

Im Januar hat Sandoz eine Zulassung der Europäischen Kommission für das Biosimilar Ondibta gegen Diabetes erhalten. Ondibta soll demnach 2027 auf den Markt kommen, wodurch Sandoz seine Stellung in diesem Markt verstärkt. 

Die Perspektive für das in Basel ansässige Unternehmen reicht indes bis ins kommende Jahrzehnt: Sandoz sei dank seiner Grösse, Marktpräsenz und strategischen Ausrichtung «hervorragend positioniert, um in den kommenden zehn Jahren von den erheblichen Patentabläufen in der Pharmaindustrie nachhaltig zu profitieren», schrieb die Zürcher Kantonalbank Mitte Januar. Laut dem zuständigen Analysten liegt der faire Wert der Aktie bei 73 Franken. Dieser Wert deutet auf weitere Rekordstände hin.

Für die Privatbank Berenberg liegt das Kursziel bei 55 Franken, also unter der aktuellen Notierung; das Rating lautet «Hold». Der Kommentar von vergangener Woche liest sich jedoch gefällig. Sandoz verfüge über ein breites Produktportfolio und eine Produktpipeline, die ein solides Wachstum in der Zukunft ermöglichen werde, schreibt die Berenberg-Expertin unter anderem. Sie schätzt den Umsatz des Jahres 2027 auf 12,6 Milliarden Dollar, nachdem sie die 2025er-Verkäufe mit 11,1 Milliarden Dollar veranschlagt hat. 

Über die effektiven Ergebnisse des Gesamtjahres 2025 berichtet Sandoz am 25. Februar.

Immobilienwerte auf Allzeithoch

Aktien von vier Immobiliengesellschaften sind in den letzten Handelstagen ebenfalls je auf einem Rekordstand angelangt: Plazza bei 433 Franken, Mobimo bei 388 Franken, Intershop bei 169,60 Franken sowie Investis bei 155 Franken.

Wohl profitieren diese Unternehmen von der ungebrochenen Entwicklung des Immobilienmarktes, was sie für Anleger ohnehin interessant macht. Ein anderes Merkmal ist ihnen aber gemeinsam: Sie bieten Investoren auf die eine oder andere Weise Sicherheit. Plazza, Mobimo und Investis verfügen über einen hohen Anteil Wohnliegenschaften, die im Vergleich zu Geschäftsliegenschaften mehr Stabilität bieten und weniger schwanken.

Bei Plazza und Investis macht das Wohnsegment rund vier Fünftel des Immobilienportfolios aus. Bei Mobimo sind die Anteile der Wohn- und der Geschäftsliegenschaften am Gesamtportfolio so gut wie gleich hoch. Wohnungen tragen allerdings zu 40 Prozent und damit mehr als Büros (30 Prozent) und verschiedene andere kommerzielle Nutzungen zum Gesamtmietertrag bei.

Intershop hat sich hauptsächlich auf Geschäftsliegenschaften verlegt - Büros, Gewerbe, Parkhäuser, Einzelhandel und Gastronomie. Wohnungen machen nur einen kleinen Teil des Portfolios aus. Dafür ist die Dividendenrendite relativ hoch. Die Zürcher Kantonalbank schreibt dazu: «Die von uns geschätzte Dividendenrendite 2026 von 3,3 Prozent liegt über dem Niveau der Peer-Gruppe.» Sie solle aber auch höher ausfallen - «aufgrund der relativ tieferen Portfolioqualität und der höheren Risiken des Geschäftsmodells verglichen mit den Vergleichsunternehmen», so die ZKB.

Eine verlässliche Schätzung des Kurspotenzial dieser vier Immobilienwerte ist aufgrund der dünnen Abdeckung durch Analysten kaum sinnvoll möglich. Was man sagen kann: Es handelt sich um Aktien, die einen starken Inlandfokus haben und in Phasen von Unsicherheit am Markt den Anlegern Halt bieten. Gestützt werden solche Immobilenaktien generell auch durch die Dynamik des Marktes. Tiefe Zinsen und Bevölkerungswachstum schieben ihn an. Allerdings werden diese Immobilienvaloren zum Teil nicht sehr rege gehandelt. So wird es möglich, dass bereits vergleichsweise kleine Volumen stärkere Kursbewegungen auslösen.

Medacta - eine Wachstumstitel auf Rekordstand

Am Freitag rückte die Aktie von Medacta auf über 177 Franken vor, womit sie den höchsten Stand seit dem Start an der Börse im Frühjahr 2019 erreicht hat. Medacta blickt auf Jahre des Wachstums zurück. Zwischen 2020 und 2024 erhöhte das Tessiner Medtech-Unternehmen den Umsatz im Schnitt pro Jahr um 18 Prozent. Und in diesem Stil soll es weitergehen: Für das Gesamtjahr 2025 peilt das Management ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent an; mittelfristig sollen es 10 bis 14 Prozent im Jahr sein. Der Ausblick für die operative Marge: 28 Prozent. Im Gespräch mit cash.ch war CEO Francesco Siccardi zuversichtlich, dass diese Ziele erreicht werden.

Zu den stärksten Feldern und Umsatztreibern zählen Knieimplantate. Ein solches Produkt passt sich der natürlichen Beinstellung der Patienten an, was im Alltag Vorteile für die Patienten bringt. Herkömmliche Verfahren bewirken eine Begradigung der Beine, die kaum ein Mensch von Natur aus aufweist. 

Die US-Investmentbank Stifel erachtet denn auch die Dynamik des Kniegelenk-Geschäfts als einen der Wachstumstreiber. Der zuständige Analyst geht davon aus, dass der Gruppenumsatz im Jahr 2025 um 17,8 Prozent zulegt, womit er sagt: Das Jahresziel wird erreicht. Offiziell abgerechnet wird Anfang Februar mit dem Gesamtjahresbericht 2025.

Aktuell sieht Stifel die Aktie des Medtech-Unternehmens bei 180 Franken. Auch Berenberg geht über den bislang erreichten Rekordwert aus: 182 Franken lautet das Zwölf-Monate-Kursziel des zuständigen Analysten. Gemessen daran können Anleger einen weiteren Kursgewinn erwarten. Tiefer greift indessen das Analyse- und Brokerhaus Octavian, das einen Rückfall um 15 Prozent auf 150 Franken voraussagt.

Reto Zanettin
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