Der Krieg zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits weitet sich aus, Sorgen um Transporte durch die ‌strategisch wichtige Strasse von Hormus verstärken sich. Die Ölpreise steigen, die Aktienmärkte fallen, erfasst worden ist auch die Schweizer Börse: Der Swiss Performance Index (SPI) hat seit Ende Februar rund 8 Prozent verloren. Dabei sind einige Aktien besonders stark unter Druck geraten.

Holcim

Die Aktien des Baustoffkonzerns Holcim sind in den vergangenen Tagen Opfer von Konjunktursorgen geworden - so wie andere Aktien, die von den Anlegern als Zykliker angesehen werden. So verloren die Holcim-Valoren rund 8 Prozent, seit der Iran-Konflikt Ende Februar hochgekocht ist.

Dieser kurzfristige Kursverfall kann indes den Blick auf das längerfristige Abschneiden von Holcim verstellen. Einerseits hat die Aktie seit Ende 2024 rund 40 Prozent zugelegt und damit markant besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Andererseits: «Leistungsausweis und Ausblick von Holcim überzeugen weiterhin», schrieb die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Anfang März im Nachgang zum Jahresergebnis 2025.

Der zuständige Analyst sieht ein organisches Wachstum des wiederkehrenden Gewinns (Ebit) von 9,4 Prozent und stuft Holcim mit «Übergewichten» ein - eine Aussage zu den mittelfristigen Perspektiven, die - so hoffen Anleger - über die momentane Lage hinausreichen.

Sika

Im Unterschied zu den Holcim-Aktien schneiden die Valoren von Sika schon seit einiger Zeit schwach ab. 36 Prozent haben sie seit Ende Dezember 2024 verloren - minus 11 Prozent waren es, seitdem sich die USA, Israel und der Iran bekriegen.

Die Probleme des Bauunternehmens gehen demnach nicht nur auf den aktuellen Konflikt im Nahen Osten und die Sorgen um die damit verbundenen wirtschaftlichen Sorgen zurück. Zeugnis dafür ist das verhaltene Geschäftsjahr 2025. Umsatz und Gewinn gingen zurück, für 2026 rechnet das Management mit weiterhin gedämpfte Marktbedingungen und einem Umsatzwachstum im tiefen einstelligen Prozentbereich - was man als «vorsichtig» bezeichnen.

Die Bremsen scheinen nach wie vor angezogen zu sein. Eine stärkere Dynamik dürfte sich laut Experten und dem Sika-Management erst die der zweiten Jahreshälfte einstellen.

Richemont

Die Titel des Luxusgüterunternehmens Richemont haben im Zuge des Iran-Konflikts mehr als 10 Prozent verloren. Das hat Gründe: Richemont erzielt laut der Basler Kantonalbank (BKB) knapp 10 Prozent des Umsatzes in der Golfregion. Selbst wenn der Konflikt bald beendet sein sollte, dürfte die Unsicherheit gegenüber der Region anhalten. Das schwächt den Tourismus. «Entsprechend rechnen wir mit deutlichen Einbussen beim Umsatz mit Luxusgütern in dieser Region», sagen die Analysten der BKB.

Derweil fragen sich Anleger, ob die hohen und wieder gestiegenen Goldpreise zu Aufschlägen bei Schmuck führen - und letztlich den Kunden von Richemont die Kauflaune verderben. Diese Sorge sei übertrieben, schreibt die zuständige Analystin der UBS, Zuzanna Pusz. Die Preisentwicklung von Schmuck sei während mehrerer Jahre nicht so stark gewesen wie die branchenweite Teuerung.

Pusz sieht das Kursziel der Richemont-Aktie bei 205 Franken. Das über 40-prozentige Aufwärtspotenzial bezieht sich auf die kommenden zwölf Monate. Es zwingt - gerade angesichts der unsicheren Lage im Nahen Osten - nicht zum sofortigen Einstieg.

Givaudan

Den Aktien des Duftstoff- und Aromenherstellers Givaudan wird man durchaus gewisse defensive Qualität zuschreiben. In den ersten März-Tagen bestätigten sie sich allerdings nur teilweise. Die Valoren fielen zwar weniger stark als der Gesamtmarkt, aber dennoch um mehr als 6 Prozent und damit stärker als die typisch defensiven Aktien von Swisscom, die lediglich etwas mehr als 1,2 Prozent nachgaben.

Doch auch hier: Die Aktien von Givaudan bereiten den Anlegern schon seit Monaten keine Freude. Vom Hoch bei über 4600 Franken im Herbst 2024 ging es bis dato herunter auf knapp 2900 Franken. Passend dazu: Das Unternehmen schnitt 2025 punkto Umsatz, Wachstum und Gewinn schlechter ab, als Experten es erwarten hatten.

«Eine Neubewertung dürfte von einer nachhaltigen Rückkehr zu robuster Wachstumsdynamik abhängen», notierte Arben Hasanaj, zuständiger Analyst der Bank Vontobel, Ende Januar. Den Zeitpunkt für ein solches Wiederaufkommen von Givaudan sah er ab dem zweiten Semester 2026 kommen. 

Swatch

Wie gewonnen, so zerronnen: Die Kursgewinne, welche die Swatch-Aktien seit Januar verzeichnet hatten, wurden durch den Einbruch der letzten Tage ausradiert. Um gut 15 Prozent fielen die Titel während des jüngst neu aufgeflammten Nahost-Konflikts.

Im Wissen darum hat die zuständige Analystin von HSBC am Montag die Einstufung von Swatch auf «Hold» von «Reduce» angehoben. Auf die Schnelle half das zwar nichts, da die Aktie im Handelsverlauf um 2 Prozent nachgab. Auf mittlere Sicht gibt die Hochstufung indes Grund zur Hoffnung für den Titel, der jedoch stark von der Konsumlaune in China sowie der Frankenentwicklung abhängt.

Komax

Komax, der Hersteller von Kabelverarbeitungsmaschinen, hängt wesentlich von der Automobilindustrie ab. Das sind anspruchsvolle Voraussetzungen, zumal der Wettbewerbsdruck aus China sowie die angespannte Lage der europäischen und amerikanischen Autoindustrie einschenken. So ist die Aktie, die einst über 300 Franken wert war, auf rund 55 Franken gesunken. Sie hat sich also mehr als gefünftelt. 

Aktuell lasten Sorgen um die Energiepreise auf den Titeln. Die Logik dazu ist: Steigende Ölpreise verteuern Benzin und Diesel und damit das Autofahren. Von hier aus haben die Anleger den Link zu Komax am Montag fast schon beispielhaft gemacht. Während die Ölpreise um mehr als 5 Prozent angezogen haben, sind die Aktien von Komax um über 4 Prozent gefallen - deutlich stärker als der Gesamtmarkt, der 2 Prozent verloren hat.

Entsprechend gespannt werden die Investoren die Präsentation des Jahresergebnisses 2025 am Dienstag verfolgen. Relevant werden - neben dem Rückblick - zukunftsgerichtete Aussagen den Managements sein.

Georg Fischer

Das Schaffhauser Traditionsunternehmen hat den Wandel vom Mischkonzern zum Rohrleitungsspezialisten vollzogen. Eine solche Fokussierung bringt im Allgemeinen zwar Vorteile. Sie kommen derzeit allerdings nicht - oder noch nicht - zum Tragen. Ein schwieriges Marktumfeld, der starke Franken und geopolitische Spannungen haben die Geschäfte und die Aktien von Georg Fischer belastet.

Der Konflikt im Nahen Osten hat den Valoren weiter zugesetzt, sodass sie in den vergangenen Handelstagen um rund 15 Prozent zurückgegangen sind und momentan bei 41,40 Franken auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2020 gehandelt werden.

Experten trauen ihnen mehr zu als das. So etwa der zuständige Analyst von Research Partners. Er hat seine Kurszielprognose Anfang März zwar auf 62,60 von 77 Franken gesenkt. Das neue Preisziel deutet aber auf eine rund 50-prozentiges Potenzial hin. Das ist attraktiv, auch wenn die Aufstieg erst mittelfristig und - angesichts der momentanen Umstände - nicht sofort kommen dürfte. 

Comet

Minus 25 Prozent. Kaum eine Schweizer Aktie schnitt in den Tagen seit der Eskalation im Nahen Osten so schlecht ab wie die Titel von Comet. Auch die Zahlen zum Gesamtjahr 2025, die das Management am Freitag vorgestellt hatte, blieben unter den Erwartungen.

Lichtblick ist der Ausblick für 2026, den Analysten als «sehr positiv» (Zürcher Kantonalbank) beziehungsweise «klar positiv» (Bank Vontobel) einwerten. Das Technologieunternehmen habe in den ersten zwei Monaten 2026 bereits einen deutlichen Anstieg des Auftragseingangs verzeichnet, schreibt Vontobel-Analyst Michael Foeth.

Die weiteren Hoffnungen ruhen nun auf einem Aufschwung im Halbleiter-Bereich. Dass sie ihre Berechtigung haben, zeigt die hohe Anzahl Kaufempfehlungen: Acht von zehn Analysten stufen Comet mit «Buy» ein. Diese mittelfristige Perspektive muss allerdings kein Anlass für einen Zukauf im aktuellen Marktumfeld sein.

Wann kaufen?

Fraglich ist, ob sich die Strategie «Buy the dip» zurzeit anbietet - ob sich also nach der Verkaufswelle der vergangenen Tage jetzt ein günstiger Zeitpunkt für den Einstieg in die gefallenden Schweizer Aktien ergeben hat.

Das würde zutreffen, falls es Anzeichen auf ein baldiges Ende der Krise gibt - etwa wenn der Volatilitätsindex (Vix) unter 20 fällt. Dann sei das Schlimmste wohl überstanden, sagte Daniel Hartmann, Chefökonom beim Zürcher Investmentmanager Bantleon, im cash-Interview. Momentan steht der Vix bei rund 30. Folglich werden sich Anleger, die auf dieses Barometer vertrauen, noch ein wenig abwarten.

Reto Zanettin
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