Die Halbleiter- und Speicherkartenhersteller wie AMD, Broadcom, Marvel, Micron oder Sandisk haben in den vergangenen zwölf Monaten die «Magnificent Seven» - sprich Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla - als Zugpferde im S&P 500 Index abgelöst. Das lässt sich an der Kursperformance von zwei «Exchange Traded Funds» ablesen: Der Halbleiter-ETF «iShares Semiconductor ETF» stieg innert Jahresfrist um 106 Prozent, während der «Roundhill Magnificent Seven ETF» lediglich um 15 Prozent zulegte. Zudem schnitten die «Magnificent Seven» - oder kurz «Mag 7» - schwächer als der Gesamtmarkt ab, welcher gemessen am S&P 500 Index einen Gesamtertrag von 18 Prozent erzielte. 

Auf Einzeltitelbasis wussten nur drei von sieben «Mag 7»-Aktien zu überzeugen. Alphabet kam innerhalb von zwölf Monaten auf einen Gesamtertrag - sprich Kursgewinne und Dividenden - von 44 Prozent, gefolgt von Apple mit 37 Prozent und Nvidia mit 27 Prozent. Amazon brachten es noch auf 13 Prozent, Tesla auf 7 Prozent und Microsoft auf 1 Prozent. Schlusslicht war Meta mit einem Minus von 21 Prozent. Damit stehen die Valoren des von Mark Zuckerberg gegründeten Unternehmens wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren. 

Bei den sieben Aktien ist es damit ähnlich wie beim Beziehungsstatus auf Facebook, nämlich «Es ist kompliziert», meint Serge Nussbaumer, Kapitalmarktexperte von Maverix. Diese Unternehmen gehörten zwar weiterhin zu den weltweit wichtigsten Unternehmen. «Als gemeinsame Anlageidee funktionieren sie aber immer weniger.» Zu unterschiedlich seien inzwischen die Geschäftsmodelle, der Kapitalbedarf und vor allem die Frage, welche Rendite die enormen Investitionen in KI tatsächlich abwerfen dürften, so die Argumentation von Nussbaumer.

Den Status der sozusagen «unschlagbaren» Aktien erlangten die «Mag 7» im Jahr 2024, als diese um 69 Prozent, gemessen am «Roundhill Magnificent Seven ETF», zulegten. Zum Vergleich: Der S&P 500 Index brachte es im selben Jahr nur auf ein Plus von 25 Prozent. Diese überdurchschnittliche Performance war auf die aussergewöhnlich hohen Aktienrückkäufe und freien Cashflows zurückzuführen, erläutert Xiadong Bao, Portfolio Manager internationale Aktien bei Edmond de Rothschild Asset Management, gegenüber cash.ch. 

Die Aktienrückkäufe sind im Jahr 2026 indessen überholt. Selbst Alphabet führte eine Aktienkapitalerhöhung durch, um die Milliardeninvestitionen in neue Datencenter und KI zu stemmen. Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon werden voraussichtlich gemeinsam rund 700 Milliarden Dollar investieren, sagte Nussbaumer von Maverix. Damit werden aus den vermeintlich kapitalleichten Plattformkonzernen zunehmend Infrastrukturunternehmen. 

Wechsel bei der Favoritenrolle

Während Bao von Rothschild vor Jahresfrist mit Google auf das richtige Pferd setzte (mehr dazu hier), hat die Genfer Privatbank jüngst von Alphabet in Amazon umgeschichtet. Die Begründung: Amazon ist dank AWS der grösste Cloud-Anbieter der Welt. Das verschaffe dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil und führe zu einer besseren Transparenz beim Cashflow. Zudem laufe das Einzelhandelsgeschäft gut - auch dank der Inflation. «Derzeit konsolidiert die Amazon-Aktie noch, aber wir sehen hier Potenzial», so der Experte von Rothschild.

Amazon investiere ebenfalls gewaltige Summen, könne aber bislang überzeugender als die meisten Konkurrenten zeigen, wofür. Der Cloud-Bereich AWS steigerte im zweiten Quartal 2026 den Umsatz um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar und der Auftragsbestand erreichte 496 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erhöhte Amazon die Investitionsprognose für 2026 auf 220 Milliarden Dollar. «Amazon investiert also nicht nur in die Hoffnung auf einen künftigen KI-Markt. Ein erheblicher Teil der Nachfrage ist bereits sichtbar», erklärt der Kapitalmarktexperte von Maverix.  

Allerdings ist der Amazon-Titel kein ultimatives Schnäppchen. Wobei beide Experten betonen, dass alle «Magnificent Seven»-Titel teuer seien. So steht das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Amazon gemäss Bloombergdaten zum Jahresende bei 20x, bei Alphabet und Apple bei je 36x sowie Meta 19x, Microsoft 25x, Nvidia 23x und Tesla 216x. 

Dabei fällt Meta mit dem tiefsten KGV auf. Trotzdem wird der Valor unter den «Magnificent Seven» als schwächster Titel eingestuft. Im Gegensatz zur Konkurrenz verkaufe Meta keine Cloud-Ressourcen und müsse KI-Investitionen zwingend über das eigene Werbegeschäft von Instagram und Facebook refinanzieren, argumentiert Bao von Rothschild. 

Die anhaltende Cash-Burn-Rate belaste den freien Cashflow des Facebook-Eigentümers. Zudem hinke der Konzern bei der KI-Entwicklung hinterher und vernachlässige zeitweise sein KI-Modell Llama, so der Experte der Genfer Privatbank weiter. Ohne externe KI-Erlöse stehe das Unternehmen unter Zugzwang, die Profitabilität seiner Modelle intern zu beweisen – ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber Rivalen wie Amazon oder Nvidia.

KI sei für Meta wertvoll, so Nussbaumer von Maverix. Das dürfte kaum strittig sein. Ob dafür jedoch dauerhaft Investitionen von weit über 100 Milliarden Dollar pro Jahr notwendig seien, müsse der Konzern erst noch beweisen. Insofern sei der Massstab enorm hoch, weil das bestehende Werbegeschäft vergleichsweise wenig zusätzliches Kapital erfordere und aussergewöhnliche Margen erziele.

Teure Bewertung von Apple

Im abgelaufenen Jahr hat nicht nur Alphabet in die Erfolgsspur zurückgefunden. Auch Apple wusste bei der Performance - einmal mehr - zu überzeugen. Der Technologiekonzern aus dem kalifornischen Cupertino hat zwar kein eigenes KI-Modell, aber in den Mac-Notebooks M6‑Prozessoren verbaut, auf denen KI‑Modelle lokal betrieben werden können. Das ist mittelfristig ein nicht unwesentlicher Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die bisher kein vergleichbares, leistungsstarkes Produkt auf dem Markt hat.

Gegen eine hohe Portfolio-Gewichtung von Apple spricht das hohe KGV, obwohl Apple nach wie vor über eine sehr solide Bilanz und hohe freie Cashflows verfügt, die Aktienrückkäufe zulassen. «Es handelt sich also um ein hervorragendes, aber auch um ein sehr teuer bewertetes Unternehmen», hält der Rothschild-Experte fest.

Nvidia kann ebenfalls als teuer eingestuft werden, auch wenn das KGV 40 Prozent unter demjenigen von Apple liegt. Das hängt mit den hohen Wachstumsraten zusammen, die in den Kursen bereits eingepreist sind. Nvidia gehört wie Amazon zu den Aktien, die bereits vom KI-Ausbau profitieren. Genau darin liegt allerdings auch das Risiko der Aktie, betont Nussbauer von Maverix. Nach Jahren aussergewöhnlichen Wachstums seien aussergewöhnliche Zahlen keine positive Überraschung mehr, sondern die Voraussetzung. Zudem erhöhten Speicherengpässe, höhere Komponentenkosten und China die Risiken zusätzlich.

Die Aktien von Microsoft haben dagegen ein durchwachsenes Jahr hinter sich und zollten der KI-Initialrally vor drei Jahren Tribut, als das Unternehmen eine Partnerschaft mit OpenAI einging und die Aktie folglich stark anstieg. Bao von Rothschild erwartet, dass der Software-Riese aus Redmond in Kalifornien weiterhin einen positiven Cashflow generieren werde. Das könnte das Abwärtsrisiko bei diesem Titel künftig in Grenzen halten. Microsoft steht aber wie Meta oder Alphabet vor der Herausforderung, KI-Applikationen in  freie Cashflows umzuwandeln.

Tesla bleibt innerhalb der «Magnificent Seven» eine Art Sonderfall, da sich die hohe Bewertung mit dem heutigen Automobilgeschäft weiterhin kaum erklären lässt. Die Zukunftshoffnungen basieren auf Robotaxis, autonomem Fahren, Energiespeichern und dem Roboter Optimus.

Damit hängt ein erheblicher Teil des Tesla-Unternehmenswerts von Geschäften ab, die ihre wirtschaftliche Skalierbarkeit erst noch beweisen müssen. Tesla besitze damit möglicherweise die grösste Optionalität innerhalb der «Magnificent Seven». Gleichzeitig sei aber die Diskrepanz zwischen heutiger Ertragskraft und eingepreister Zukunft hier besonders gross, so Nussbaumer von Maverix. 

Thomas Daniel Marti
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