Nach ‌einer Erholung ‌des Marktanteils neuer reiner batterieelektrischer Autos (BEV) auf 19 Prozent im vergangenen Jahr sagen Verbände und Autoforscher für 2026 einen Zuwachs auf 25 Prozent voraus. «Wenn dieser Trend sich auch im Jahr 2026 fortsetzt, kann der Hochlauf der Elektromobilität dieses Jahr wirklich Fuss fassen», erklärte Thomas Peckruhn, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), am Dienstag. Dafür müssten die Weichen ​richtig gestellt werden.

Auch die Herstellerverbände VDA und VDIK sowie das Center of Automotive Management (CAM) rechnen damit, ‌dass jeder vierte neu zugelassene Pkw ein klimafreundliches E-Auto sein wird. Eine Voraussetzung ‌sei aber, dass die im November angekündigte Kaufprämie möglichst schnell eingeführt werde, erklärte VDIK-Präsidentin Imelda Labbé. Bis zu 5000 Euro pro Fahrzeug oder insgesamt drei Milliarden Euro sind dafür vorgesehen.

Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) schnellten die Neuzulassungen von BEV 2025 um 43 Prozent auf 545.000 - im Vorjahr waren sie allerdings um gut ein Viertel eingebrochen, weil die staatliche Förderung gestrichen worden war. Gegenüber 2023 belief sich das Plus im vergangenen Jahr nur auf vier Prozent. Von ⁠einem Boom bei E-Autos will Constantin Gall, Autoexperte der Unternehmensberatung EY, deshalb nicht sprechen: «Der erhoffte Hochlauf der E-Mobilität in Deutschland gestaltet sich deutlich langwieriger und zäher als erwartet.» Dem Händlerverband ZDK zufolge trieben ausserdem Eigenzulassungen der Hersteller die Registrierungen nach oben. Neben der staatlichen Förderung könnten mehr und günstigere BEV-Modelle sowie ​ein Ausbau der Ladeinfrastruktur die Nachfrage ankurbeln.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wies darauf hin, dass Deutschland nach China weltweit der ‌zweitgrösste Produktionsstandort für E-Autos ist. «Die deutsche Autoindustrie macht bei der E-Mobilität weiter Tempo», sagte VDA-Präsidentin Hildegard ‍Müller. «Jetzt ist es entscheidend, dass die Politik die Rahmenbedingungen für die E-Mobilität weiter verbessert.»

Tesla auf Talfahrt

Der Automarkt in Deutschland insgesamt legte im vergangenen Jahr bei schwacher Konjunktur nur leicht zu. ​Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen kletterte laut KBA um 1,4 Prozent auf 2,86 Millionen. Die Zulassungen von Verbrennerfahrzeugen schrumpften um rund ein Fünftel. Der Dezember brachte durch einen Arbeitstag mehr und einen sehr schwachen Vergleichsmonat 2024 einen Schub für ein schwaches Gesamtjahr mit fast zehn Prozent Wachstum. Vom Einbruch durch die Corona-Pandemie vor ‌fünf Jahren hat sich die Nachfrage damit weiter nicht durchgreifend erholt - 2019 rollten noch 3,6 ⁠Millionen Neuwagen auf die Strassen.

Das stärkste Plus unter den deutschen Herstellern erzielte BMW mit ‌knapp neun Prozent Wachstum. Marktführer VW behauptete seinen Marktanteil von knapp einem Fünftel mit 4,5 Prozent mehr Neuwagen. Mercedes-Benz schaffte nur ein Prozent Zuwachs. Von den Importmarken schnitt die tschechische VW-Tochter Skoda ‍am besten ab (plus zehn Prozent).

Der Elektroautopionier Tesla erlebte trotz steigender E-Autozahlen einen Einbruch. Mit gut 19.000 Stück brachte das US-Unternehmen nur noch knapp halb so viele Autos auf den Markt wie im Vorjahr, der Marktanteil schrumpfte auf 0,7 Prozent. Die Marke erlitt durch ​das rechtsgerichtete politische Engagement von Firmenchef Elon Musk einen Imageschaden, auch fehlt es an neuen Modellen. Die chinesischen ‍Konkurrenten BYD und MG Roewe überholten Tesla. Dominiert wird der E-Automarkt in Deutschland vom VW-Konzern, der laut CAM mit 80 Prozent Verkaufsplus seinen BEV-Absatzanteil auf 20 Prozent verdoppelte.

Für das laufende Jahr erwarten die Autobauer ein leichtes Wachstum. Der Verband der Automobilindustrie(VDA) und der Importeursverband VDIK prognostizierten 2,0 bis 2,5 Prozent Wachstum auf mehr als 2,9 Millionen Autos. Der ZDK sagt bis zu vier Prozent Wachstum voraus. 

(Reuters)