Für praktisch alle Anlageklassen setzt es seit Beginn des koordinierten Angriffs von Israel und den USA auf den Iran Kursverluste ab. Der Swiss Market Index (SMI) verliert 5 Prozent, der Dax steht 6 Prozent tiefer und der S&P 500 Index 1 Prozent.

Unerwartet schwach schnitt der Goldpreis ab. Nach einer Rallye bis am Montagabend, ging es mit den Notierungen des gelben Metalls rasch wieder bergab. Im Vergleich zum letzten Freitag resultiert ein bescheidenes Plus von 0,5 Prozent. Der Silberpreis (-7 Prozent) gab sogar deutlich nach. Der industrielle Charakter des Metalls rückte in den Vordergrund, da Kunden wegen höherer Energiepreise weniger Silber nachfragen dürften.  

Derartige Angebotsschocks im Erdölmarkt gab es schon in der Vergangenheit. Dazu zählen der Russland-Ukraine-Krieg 2022, der Irak-Krieg 2003, die Golfkrise 1990, die Iranische Revolution 1979 und der Jom-Kippur-Krieg 1973. Entsprechend hat die französische Investmentbank Société Générale nachgerechnet und aus den historischen Datensätzen mögliche Gewinner und Verlierer herausgefiltert.

Erdöl schnitt über die nächsten drei respektive sechs Monate nach einem historischen Event im Durchschnitt mit einem Plus von 33,2 Prozent respektive 30,9 Prozent am besten ab, gefolgt von Gold mit einem Plus von 5,2 respektive 22,6 Prozent. Sprich, die grosse Goldpreis-Rallye könnte noch anstehen. 

Weniger rosig ist es bei den Aktienmärkten. Über drei Monate gaben die globale Aktienindizes 2,7 Prozent nach, gefolgt vom S&P 500 Index mit 2,7 Prozent, europäischen Aktien mit 2,5 Prozent und Emerging Markets mit 6,7 Prozent. Auf sechs Monate konnten globale Aktien, der S&P 500 Index und die Emerging Markets die Verluste auf rund ein Prozent eingrenzen, während europäische Aktien mit einem Abschlag von 3,5 Prozent hinterher hinkten. 

Da Gold bereits 2025 überdurchschnittlich hinzugewann, führen die Experten von Société Générale für die nächsten Monate das gelbe Edelmetall nicht auf der Favoritenliste. Sie setzen vielmehr auf einen gleich gewichteten S&P 500 Index sowie Small und Mid Caps, weil Large Caps weiterhin teuer bewertet sind.

US-Chemiefirmen in der Favoritenrolle

Es scheint aufgrund der historischen Daten verfrüht, auf europäische Werte zu setzen. Wegen der Importabhängigkeit machen sich besonders in der Eurozone die hohen Erdöl- und Gaspreise bemerkbar. Dies schraubt die Inflationswerte in die Höhe, drückt auf die Konsumentenstimmung und hält die Unternehmen wegen des unsicheren Ausblicks von Investitionen ab. Und je länger der Iran-Krieg andauert, desto negativer dürfte sich dies auf die zukünftigen Unternehmensgewinne auswirken. 

Die Strategen von Goldman Sachs empfehlen deshalb, europäischen Chemieaktien aus dem Weg zu gehen. Die New Yorker Strategen sehen bei amerikanischen Chemieproduzenten wie CF Industries, Chemours, Linde, Olin, Tronox Holdings und Westlake deutlich mehr Potenzial. Diese profitieren von den tieferen Energiekosten in den USA. Zudem haben diese Firmen keine Produktionsstätten im Mittleren Osten. Bei den europäischen Chemiefirmen wie BASF, Bayer oder Clariant ging es in den letzten vier Handelstagen bereits deutlich nach unten. 

Kein Grund, die Reissleine zu ziehen

«An den Aktienmärkten dürften eine steigende Volatilität und höhere Ölpreise die Risikobereitschaft vorübergehend belasten und für kurzfristige Abwärtsrisiken sorgen», meint Luca Bindellli, Leiter Anlagestrategie bei Lombard Odier, auf Anfrage von cash.ch. 

Der «stagflationäre» Charakter des Ölpreisschocks - also höhere Inflation bei tieferem Wachstum - führe zu einer leichten Risikoaversion an den Märkten. Entsprechend dürfte sich Gold in unserem Basisszenario als Absicherung gegen Inflationsrisiken überdurchschnittlich entwickeln, so der Experte von Lombard Odier weiter. 

US-Aktien könnten in diesem Umfeld besser abschneiden, gestützt durch die Rolle der USA als bedeutender Ölproduzent und der Exponierung des Marktes auf Qualitätstitel in den Bereichen Technologie, Kommunikationsdienste, Gesundheitswesen und Energie. Auch Schweizer Aktien dürften sich besser entwickeln, da sie eine geringe Volatilität und defensive Eigenschaften bieten, erklärt Bindelli von Lombard Odier.

Die drei klassischen defensiven Titel Nestlé, Novartis und Roche drängen sich naturgemäss auf, welche wegen der geringeren Volatilität und Stabilität der Gewinne interessant sind. Ebenso sind die dividendenstarken Versicherungstitel wie Zurich Insurance, Swiss Life oder Swiss Re nach den jüngsten Kursrückgängen eine Überlegung wert.

Drei Faktoren von zentraler Bedeutung

Anlegerinnen und Anleger sollten drei Punkte im Auge behalten. Erstens die Schwankungsanfälligkeit des S&P 500 Index, die gemessen am Volatilitätsindex VIX zwar erhöht, aber mit 22 nach 28 Punkten am Montag weit weg von einem Krisenniveau ist. Während der Corona-Krise 2020 stieg der VIX auf 84 Punkte, zu Beginn des Ukraine-Krieges auf 38 Punkte oder am «Liberation Day» im April 2025 auf 62 Punkte. Das aktuelle Niveau signalisiert - der Durchschnittswert der letzten zehn Jahre liegt bei 19 Punkten - ein höheres Schwankungsrisiko als normal, aber auch nicht mehr. 

Nicht vergessen werden darf, zweitens, dass die US-Börsenindizes Dow Jones und der S&P 500 Index etwas weniger als 3 Prozent unter dem Allzeittief notieren. Von einer Krise kann auch da mit Blick auf die weiterhin rekordhohen Kure und Bewertungen nicht gesprochen werden. 

Das Zünglein an der Waage für hiesige Anlegerinnen und Anleger spielt weiterhin der Schweizer Franken. Ein starker Franken drückt auf die Margen der Schweizer Exportindustrie, belastet die Gewinnrechnung und schmälert die Performance von Anlagen in Fremdwährungen. Trotzdem macht ein Aussteigen aus den internationalen Märkten keinen Sinn, diversifiziert investiert bleiben ist weiterhin die oberste Maxime.

Wer in den vergangenen Monaten Gewinne mitgenommen hatte und Raum für Neuengagements da ist, sollte vorerst abwarten, bis sich eine nachhaltige Beruhigung der Lage abzeichnet. Zur Erinnerung: Nach dem Beginn des Ukraine-Krieges dauerte es sechs Monate, bis der SMI einen Boden gefunden hatte.

Unter den Einzeltiteln hielten sich damals Alcon (+1,7 Prozent) und Novartis (+3,9 Prozent) im positiven Bereich, während Nestlé (-2,9 Prozent) und Swisscom (-1,6 Prozent) kleinere Abschläge hinnehmen mussten. Kursverluste von mehr als 20 Prozent über sechs Monate verzeichneten Geberit, Partners Group, Sika, Logitech und Swiss Re