Der aufstrebende Emittent Subversive ETFs hat bei der Börsenaufsicht Unterlagen für zwei neue ETFs eingereicht, die den Nasdaq 100 und den S&P 500 abbilden – jedoch ohne Unternehmen, die von Musk gegründet, kontrolliert oder geführt werden. Die geplanten Produkte mit den Tickers QQNE und SPNE zeigen, wie stark die ETF-Branche breite Marktindizes mittlerweile in immer spezifischere Anlageideen zerlegt.
Die Neuanmeldungen sind der vorläufige Höhepunkt eines seit Jahren andauernden Wettbewerbs, bei dem fast jede Meinung über Musk in ein handelbares Produkt verpackt wird. Anleger können bereits in Hebel-ETFs investieren, die Gewinne oder Verluste bei Tesla verstärken, oder in neu aufgelegte Hebelprodukte, die an SpaceX geknüpft sind. Bis in jüngster Vergangenheit gab es sogar den ELON-ETF, der eine Long-Position in Tesla mit einer Short-Wette gegen Ford kombinierte. Die neuen Angebote würden es Anlegern ermöglichen, fast den gesamten Index zu halten und gleichzeitig eine gezielte Position zu einer einzelnen Person einzunehmen. Damit wird aus einem passiven Indexfonds quasi eine aktive Meinung zu einer Person.
Was als Geschäftsmodell mit kostengünstigen Indexinvestments begann, hat sich immer stärker in Richtung Individualisierung entwickelt. Da die Nachfrage nach Nischenprodukten explodiert ist, eilen Emittenten damit um die Wette, Fonds zu kreieren, die nicht nur Märkte abbilden, sondern immer spezifischere Überzeugungen zu einzelnen Unternehmen, Führungskräften oder Anlagethemen widerspiegeln.
Ob es eine nachhaltige Nachfrage nach «Musk-freien» Portfolios geben wird, bleibt abzuwarten. Doch die Anmeldung unterstreicht eine grundsätzliche Realität des aktuellen ETF-Booms: Wenn Anleger sich eine Anlageidee ausdenken können, glaubt die Wall Street zunehmend, dass sie dafür ein Tickersymbol finden kann. «Elon Musk ist eine extrem polarisierende Figur, daher ist es nachvollziehbar, dass ein ETF-Anbieter versuchen könnte, daraus Kapital zu schlagen», sagt Nate Geraci, Präsident von NovaDius Wealth Management. «Allerdings, wenn wir jetzt in einer Welt leben, in der Emittenten einzelne Unternehmen aus grossen Indizes ausschliessen, nur weil Anleger eine bestimmte Meinung zu einer Person haben, dann treiben wir die Aufsplitterung vielleicht ein bisschen zu weit.»
Die neuen Produkte folgen auf die jüngste Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq 100, nachdem das Unternehmen zuvor bereits in die FTSE-Russell- und MSCI-Indizes aufgenommen worden war. Zahlreiche Indexanbieter hatten ihre eigenen Regeln angepasst, um Mega-Börsengängen einen schnelleren Eintritt zu ermöglichen. Diese Aufnahmen lösten Milliarden an passiven Käufen aus und platzierten die Aktie in Millionen von indexnachbildenden Portfolios – ein Meilenstein, der von manchen Anlegern gefeiert, von anderen aber kritisiert wurde. S&P Dow Jones Indices hingegen lehnte es ab, das Unternehmen beschleunigt in seine Benchmarks aufzunehmen.
Kritiker argumentieren, dass solche Schritte passive Anleger zwingen, in einige der am höchsten bewerteten Unternehmen des Marktes zu investieren, bevor der normale Preisbildungsprozess vollständig abgeschlossen ist.
Dave Nadig, Präsident und Forschungsdirektor bei ETF.com, meint, dass Fonds, die auf sehr spezifische Anlageansichten ausgelegt sind, oft Schwierigkeiten haben, eine dauerhafte Anlegerschaft aufzubauen. «Sie könnten zwar etwas Geld anziehen, das nicht allzu kritisch nachdenkt, aber diese Art von Nischenideen sind eigentlich für niemanden wirklich sinnvoll», sagt er über die neue Anmeldung. «Gute Marketingidee, aber keine echte Anlagephilosophie.»
Die Anmeldungen erfolgen ausserdem nach einem Rekordmonat Juni, in dem laut Daten von Eric Balchunas von Bloomberg Intelligence 214 ETFs auf den Markt kamen – so viele wie noch nie. Das gesamte ETF-Universum verzeichnete im Juni Nettozuflüsse von rund 191 Milliarden Dollar, der zweitbeste Monatswert aller Zeiten. Über 2700 Fonds verzeichneten Zuflüsse, und das Handelsvolumen näherte sich mit etwa 7 Billionen Dollar einem Allzeithoch.
Laut dem am Mittwoch eingereichten Prospekt geht der Fondsberater davon aus, dass einige Anleger Musk-assoziierte Unternehmen aufgrund «potenzieller Bedenken bei der Unternehmensführung, politischer Risiken und erhöhter Aktienkursvolatilität» meiden wollen.
«Ich verstehe, warum Emittenten das Bedürfnis verspüren, immer neue Wege zu finden, um sich abzuheben», sagt Jeffrey Ptak von Morningstar. «Anleger sollten dennoch vorsichtig sein, denn solche Produkte könnten einem legitimen Anlagezweck nicht dienen oder für einen sehr geringen Nutzen überteuert sein.»
(Bloomberg/cash)
